Ehemaliger Schwerter Hausarzt (83): Neben Drogenhandel auch Krankenkassen-Betrug?

rnNeue Vorwürfe

In der Schweiz wurde ein ehemaliger Schwerter Hausarzt (83) wegen Drogenhandels verurteilt. Jetzt sind ihm auch die eidgenössischen Krankenkassen auf den Fersen.

Schwerte

, 13.05.2019, 12:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer Verurteilung wegen Versicherungsbetrugs vom Landgericht Hagen zog es den Schwerter Mediziner Dr. S (83) in die Schweiz. Dort praktizierte er trotz mehrerer Vorstrafen in Deutschland zehn Jahre in Klingnau im Aargau als Hausarzt. Bereits 2016 wurde er in der Schweiz wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt.

4500 Tabletten an Drogensüchtigen verkauft

Laut Urteil aus der Schweiz verkaufte er über 4500 Tabletten des Medikaments Dormicuman an einen Drogensüchtigen. Weitere Betäubungsmittel soll er an einen anderen drogenabhängigen Patienten verkauft haben, der aber vor dem Prozess starb. In der Praxis beschlagnahmte die Polizei 2520 Tabletten Dormicum.

Das Medikament gilt als stark suchtgefährdend und wird unter anderem vor Operationen als Angstlöser und Beruhigungsmittel eingesetzt. Der darin enthaltene Wirkstoff Midazolam wird in den USA bei Hinrichtungen durch die Todesspritze eingesetzt.

Dr. S. hatte die teuersten Kassenpatienten

Erst Anfang des Jahres musste S., der auch in der Schweiz mit einer Bewährungsstrafe davonkam, seine Praxis dort schließen. Jetzt sind ihm auch noch die Schweizer Krankenkassen auf den Fersen, berichtet die Aargauer Zeitung. Denn Dr. S. hatte zwar viel weniger Kassenpatienten als seine Kollegen. Die hatten aber immer exorbitant hohe Kosten verursacht. So rechnete der Mediziner bei der Helsana, der größten Schweizer Krankenversicherung, 2018 für 18 Patienten 116.000 Franken ab. Bei der Kasse CSS rechnete man nach und stellte fest, dass mit 4000 Franken Kosten pro Patient die Kosten bei S. massiv höher lagen als bei seinen Kollegen. Es kam zu einem Vergleich und Rückzahlungsforderungen. Doch statt daraus zu lernen, kassierte S. in Folge noch mehr pro Patient.

Delikte wegen finanzielle Probleme

Jetzt ermitteln auch die Schweizer Krankenkassen gegen den Mediziner aus Schwerte. Der war auch in Deutschland hauptsächlich wegen finanzieller Probleme mit dem Gesetz aneinandergeraten. So hatte er Einbrüche vorgetäuscht, um bei der Versicherung abzukassieren.

Lange Jahre hatte er seine Praxis in Dortmund am Wambeler Hellweg. Dort war er wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. Daraufhin verlegte er seine Praxis nach Schwerte an die Schützenstraße. Gewohnt hatte der Mediziner schon lange in Schwerte, und zwar in Villigst. In seinem Umfeld war er als Kunstliebhaber bekannt. Bei einem fingierten Einbruch in sein Haus, für den er später verurteilt wurde, meldete er auch angeblich echte Bilder von Miro als gestohlen.

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