Ein Holzbein für den Schächer von Schwerte

Kunstschätze in St. Viktor

Ein Stück seines Holzbeins hat der reumütige Schächer zurück. Genauer genommen: seine Wade. Irgendwann im Laufe der Jahrhunderte war sie der mittelalterlichen Figur aus der St.-Viktor-Kirche abhanden gekommen. Nun tauchte das gute Stück unverhofft wieder auf. Und das war nicht die einzige wertvolle Entdeckung.

SCHWERTE

, 25.04.2016 / Lesedauer: 3 min

Die hölzerne Wade des Schächers ist bei den Sanierungsarbeiten in den Schuttbergen auf dem Deckengewölbe der St.-Viktor-Kirche aufgetaucht. Nun konnte sie von Experten des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Münster wieder angepasst werden. 

Vorsichtig vorgehen

Noch weitere Funde hatten die Handwerker gemacht, die rund 40 Tonnen Schutt von der Oberseite des Gewölbes beseitigten. „Sie waren angewiesen, ganz vorsichtig vorzugehen und historische Dinge beiseite zu legen, falls sie darauf treffen“, berichtet der stellvertretende Baukirchmeister und Presbyter Christian Kuske.

Das beherzigten die Arbeiter dann auch, als sie sich – aus Sicherheitsgründen angeseilt und mit Staubschutzmasken und Spezialanzügen ausgestattet – nahezu eimerweise durch die Ablagerungen der Vergangenheit vorankämpften.

Madonnenkopf und Altardach

Herausgezogen wurde nicht nur eine Bügelflasche der Dortmunder Stiftsbrauerei und eine Vielzahl von Tonpfeifenresten, sondern auch ein sehr schöner, etwa handgroßer und bemalter Madonnenkopf. Außerdem kam das Dach des uralten Sieben-Schmerzen-Altars zum Vorschein, der beim Einbau des Goldenen Antwerpener Schnitzaltars in die Andachtsecke des Gotteshauses umgesetzt worden war. „Es liegt noch auf dem Boden“, sagt Kuske, der bei den Funden anwesend war.

Im Museum für Kunst und Kultur in Münster warten dagegen zwei ebenfalls entdeckte Epitaphe – hölzerne Erinnerungstafeln an längst verstorbene Honoratioren – auf ihre Untersuchung. Diese Einrichtung, die dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gehört, hütet auch den jetzt wieder fast komplettierten reumütigen Schächer. Es hatte schon im Jahre 1895 der Evangelischen Kirchengemeinde Schwerte insgesamt vier lebensgroße Holzskulpturen abgekauft.

Kreuzigungsgruppe

Der gekreuzigte Jesus, die trauernde Maria und der böse Schächer gehörten ebenfalls zu einer siebenteiligen Kreuzigungsgruppe von 1430, deren restliche Figuren in der Ruhrstadt blieben. Denkmalpflegerin Dr. Bettina Heine-Hippler, die die Sanierungsphase der Viktorkirche fachkundig begleitete, erinnerte sich beim Fund des Holzbruchstücks sofort an die Skulpturen aus dem Museum in Münster. Und richtig. Bei einer ersten „Anprobe“ konnte es die Museums-Kuratorin für das Mittelalter, Dr. Petra Marx, eindeutig dem reumütigen Schächer zuordnen.

Seine hölzerne Wade soll künftig als Dauerleihgabe in die LWL-Sammlung übergehen. Dort werden die wertvollen Schwerter Figuren im Depot aufbewahrt. Nur einmal – zum 600. Stadtjubiläum im Jahre 1997 – wurden sie für einige Wochen ausgeliehen, damit die Schwerter die Kreuzigungsgruppe in St. Viktor einmal komplett erleben konnten.

Schächer ist laut Wikipedia ein veraltetes Wort für Räuber oder Verbrecher. In der christlichen Tradition werden damit insbesondere die beiden Männer bezeichnet, die zusammen mit Jesus von Nazareth auf dem Berg Golgatha gekreuzigt wurden.

 

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