Nicht immer nehmen die Einsatzkräfte tatsächlich Patienten mit. In 17,8 Prozent aller Fälle war deren Einsatz vergeblich. © Foto: Reinhard Schmitz
Feuerwehr in Schwerte

Einsatz ohne Patienten: 1575 Mal kam der Rettungsdienst vergeblich

Mehr als vier Mal pro Tag rückt der Rettungsdienst in Schwerte aus, ohne dass er am Ende einen Patienten ins Krankenhaus bringt. Die Ursachen für die sogenannten Fehlfahrten sind vielfältig.

Wenn ich den Rettungsdienst anrufe, dann kommen in der Regel Notarzt und Rettungswagen: Zwei Fahrzeuge, ein Arzt, ein Rettungssanitäter und zwei Rettungsassistenten. Kein geringer Aufwand, um so bemerkenswerter ist es, dass so ein Einsatz in 17,8 Prozent aller Fälle vergeblich war.

Diese Zahl versteckt sich in der Gebührenkalkulation, die alljährlich von der Stadt erstellt wird. Denn die Kosten für einen Rettungseinsatz übernehmen natürlich die Krankenkassen. Allerdings nur dann, wenn tatsächlich jemand auch ins Krankenhaus transportiert wurde. Insgesamt 1575 Fehlfahrten listet die Statistik der Stadt Schwerte für 2019 auf.

Kaum Unfug oder Missbrauch von Notrufen

Echt böswillige Fehlalarme, sind kaum darunter, wie Schwertes Feuerwehrchef Wilhelm Müller erklärt. Wenn das vorkommt, dann versuche man auch den Urheber zu ermitteln und zu bestrafen. Doch der Missbrauch von Notrufen, komme nur äußerst selten vor. In diesem Fall müsse der Täter, wenn er erwischt werde, tatsächlich den Einsatz bezahlen und noch dazu mit einer Strafe rechnen.

Wenn Zeugen die Situation falsch einschätzen

Die Gründe für den überwiegenden Teil der Fehlfahrten sind vielfältig. Zum Beispiel wenn Zeugen jemanden auf der Straße stürzen sehen, der sich offensichtlich verletzt hat, wird der Rettungsdienst alarmiert. Die Sanitäter rücken an, doch der Gestürzte ist bereits verschwunden, weil es doch nicht so schlimm war, oder er nicht auf den Rettungswagen warten wollte. Dann kann man dem Zeugen, der den Krankenwagen gerufen hatte, ja schlecht Vorwürfe machen. Schließlich sollen Menschen bei Notfällen ja möglichst schnell Hilfe holen.

Ähnlich sieht es übrigens aus, wenn Angehörige sich Sorgen machen und den Rettungsdienst anrufen. Dann kommt der ganze Tross, untersucht und behandelt den Patienten und der sagt am Ende, er wolle nicht mit ins Krankenhaus. „Wir können niemanden gegen seinen Willen mitnehmen“, betont Müller. Und abrechnen kann man so einen Einsatz auch nicht. Die Sanitäter lassen sich per Unterschrift bestätigen, dass der Patient nicht mitkommen will. Erst bei Lebensgefahr sieht das anders aus. Dann müssen die Retter handeln.

Hubschrauber transportiert Verletzte

Oft hat die Feuerwehr aber auch einfach vorsichtshalber mehr Fahrzeuge im Einsatz. Wenn zum Beispiel ein schwerer Verkehrsunfall passiert und die Zeugen von mehreren Wageninsassen ausgehen, werden auch entsprechend Rettungsfahrzeuge losgeschickt. Manchmal stellt sich aber vor Ort auch raus, dass man den Patienten mit einem Hubschrauber abtransportieren muss, wie bei dem schweren Unfall in Holzen Anfang September. Damals prallte ein Pkw mit Mutter und Kind frontal in einen Lkw. Die Mutter musste mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden, trotzdem hatte man vorsichtshalber auch für sie einen Rettungswagen angefordert.

Zum Wohnungsbrand fährt der Rettungswagen mit

Außerdem werden bei Wohnungsbränden, wenn nicht klar ist, ob noch jemand im Haus ist, natürlich auch Rettungsfahrzeuge mit zum Einsatz gebracht. Oft werden die dann eben nicht gebraucht. Das gleiche gilt auch für Geiselnahmen oder häusliche Dramen, zu denen die Polizei gerufen wird. Im Februar war es in Holzen zu einem Familiendrama gekommen, ein Mann hatte sich in seinem Wohnmobil verschanzt und gedroht, es in die Luft zu sprengen. Die Polizei hatte die Straße abgeriegelt und natürlich auch Rettungsfahrzeuge angefordert. Gebraucht wurden die dann aber nicht.

Welches ist denn nun der häufigste Grund für Fehlfahrten? Da ist keine Tendenz zu erkennen sagt Anke Mokros, Verwaltungsleiterin bei der Feuerwehr in Schwerte. Alle Gründe tauchen Jahr für Jahr immer wieder in größerer Zahl in der Statistik auf. Auch eine bestimmte Klientel, die für mehr Fehlfahrten als andere sorge, sei nicht auszumachen.

Wer trägt die Kosten für die Fehlfahrten

Auch wenn die Stadt Schwerte diese Kosten nicht direkt mit den Krankenkassen abrechnen darf, bleibt sie nicht darauf sitzen Die Fehlfahrten dürfen die den allgemeinen Betrieb des Rettungsdienstes mit eingerechnet werden. Und aus dem ergeben sich die Gebühren, die man pro echtem Einsatz nehmen darf.

Die Krankenkasse zahlt für einen Einsatz des RTW nämlich aktuell 414,25 Euro, für einen Notarzteinsatz (ohne Hubschrauber) 699,62 Euro. Die Sätze sollen im kommenden Jahr um etwa 3,8 Prozent steigen.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer