Entlaufene Huskys richten ein Blutbad in einem Hühnerstall an

rnTier-Tragödie in Schwerte

Totgebissen, teils angefressen: Ein Bild des Grauens bot sich Züchter Peter Thiem, als er in sein Federvieh-Gehege kam. Zwei streunende Huskys haben in dem Gehege gewütet.

Wandhofen

, 22.11.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein munteres Gegacker, kein Hahnenschrei mehr. Gespenstische Stille liegt über dem Gehege ganz hinten am Pettenhahnweg, versteckt hinter mannshohen Zäunen und Hecken. Nur noch weiße Federreste liegen überall verstreut im Gras, wo vor einer Woche noch die zwölfköpfige glückliche Hühnerschar scharrte. Zwei herumstreunende Huskys haben die Tier-Idylle brutal zerstört.

Entlaufene Huskys richten ein Blutbad in einem Hühnerstall an

Traurige Stille herrscht rund um den leeren Putenstall von Peter Thiem am Pettenhahnweg. © Reinhard Schmitz

„Alle zwölf Hühner und auch die fünf Puten sind bestialisch totgebissen und angefressen worden“, berichtet Züchter Peter Thiem. Er konnte den Anblick nicht mehr ertragen und hat aufgeräumt. Doch auf Fotos kann er die Bilder des Grauens noch zeigen. Federvieh, das alle Viere von sich gestreckt, blutgetränkt auf dem Rücken liegt, sind noch die harmlosesten Anblicke. Es gibt auch solche von ausgewachsenen Puten, aus deren Körpern so viel Fleisch herausgerissen ist, dass die Eingeweide zum Vorschein kommen. So, als seien sie in einem regelrechten Blutrausch zu Tode gekommen.

Halterin holte die Hunde wieder ab

Es war am vergangenen Freitag, als eine Nachbarin die Ehefrau Kornelia Thiem alarmierte, weil zwei Huskys in dem Gehege wüteten. Gegen 13 Uhr riefen die Kleintierzüchter die Polizei, wie Behördensprecher Thomas Röwekamp bestätigt. Auf der Wache sei schon bekannt gewesen, dass eine Halterin aus Schwerte die Hunde vermisste, die sich offensichtlich von der Leine losgerissen hatten. „Es kam zu einem Personalienaustausch“, sagt Röwekamp. Die Halterin holte ihre Huskys wieder ab. Die Sache sollte zu einem Fall für die Versicherung werden.

„Hunde, die einmal Blut geleckt haben, sehen alles als Beute, was kleiner als sie ist“, bleibt aber die Sorge bei Peter Thiem: „Das kann auch ein Kind sein, das um die Ecke kommt. Was passiert dann?“

Huskys stehen dem Wolf relativ nahe

Die Gefahr einer sinkenden Hemmschwelle für den Jagdtrieb gebe es immer, sagt der Vorsitzende des Tierschutzvereins, Dr. Stefan Wolf. Gerade bei Hunden wie Huskys, die relativ instinkttreu sind: „Sie stehen dem Wolf relativ nahe, und die Reizschwelle ist in der Regel geringer.“ Nach so einem Vorfall könne es sein, dass sie bei geringstem Reiz auf eine Katze oder ein Kleintier losgehen: „Oder ein Kleinkind, wenn es fällt.“

Allerdings seien Huskys von sich aus nicht aggressiv, erklärt Dr. Wolf. Er geht davon aus, dass die Halterin Sicherheitsauflagen von der Stadt bekommen werde.

Ordnungsamt schaltet das Kreis-Veterinäramt ein

„Die Anzeige liegt bei uns vor“, bestätigt Rathaus-Pressesprecher Carsten Morgenthal. Gemeinsam mit dem Kreis-Veterinäramt werde jetzt geprüft, welche Maßnahmen einzuleiten seien. Würden die Huskys dabei als „gefährliche Hunde im Einzelfall“ eingestuft, könnte das städtische Ordnungsamt beispielsweise eine Maulkorb- oder Anleinpflicht anordnen oder auch von der Halterin einen Sachkundenachweis fordern, der nur nach einer entsprechenden Prüfung ausgestellt wird. „Festes Geschirr, Maulkorb und genügend Kraft wäre hier angebracht“, wünscht sich Peter Thiem. Wenn man zwei Hunde sonst nicht unter Kontrolle halten könne, dann solle man sie doch getrennt ausführen.

Züchter hat neue Hühner gekauft

Ganz ohne Hühner kommt der 58-Jährige aber nicht aus. „Es fehlte was“, sagt er und hat sich schon zehn neue Hennen und einen prächtigen Phoenixhahn gekauft. Die müssen zunächst aber im sicheren Stall bleiben, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen.

Thiem freut sich schon auf die Eier, den einzigen Grund für die Kleinviehhaltung: „Das Eigelb ist ganz anders. Das merkt man sofort beim Kuchen- und Pfannekuchen-Backen.“ Schlachten kommt für den gelernten Walzer nicht in Frage: „Bei mir werden die Hühner alt.“ Wenn hoffentlich nicht wieder Streuner vorbeikommen. Vor Füchsen jedenfalls schützt ein Transistorradio, das sich im Stall automatisch einschaltet.

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