Erst Fallschirmjäger, dann Organist: Michael Störmer gibt der Kirche die Musik

rnSt. Marien Kirche

Wer in Schwerte zur Kirche geht, der hört unweigerlich seine Musik. Seit 40 Jahren spielt Michael Störmer die Orgel in St. Marien. Noch länger ist die Musik seine Leidenschaft. Ein Porträt.

Schwerte

, 29.01.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist sein Stammplatz: Hoch oben auf der Empore sitzt Michael Störmer an seiner Orgel. In der Marienkirche ist er an diesem Nachmittag allein, beugt seinen Körper nach vorne und setzt seine Finger auf die Tasten. Stille - bis sich der tiefe, blecherne Klang der Königin der Instrumente über das weiße Kirchenschiff legt.

Es ist ein Anblick, den normale Kirchenbesucher sonst nicht haben, als Organist sitzt Michael Störmer seinem Publikum im Rücken: Schnell und routiniert bewegt er seine Finger über die dreistöckige Klaviatur, seine Füße springen in einem anderen Rhythmus zwischen den Pedalen hin und her. Noten braucht er nicht.

Sein Körper bewegt sich rhythmisch vor und zurück. Dann endet das Lied, verhallt nach und nach in der Kirche. Der Mann verharrt noch etwas. In Schwerte kennen Störmer die meisten Kirchengänger, denn vier Jahrzehnte sind eine lange Zeit.

Mit Ehrgeiz und Entschlossenheit durchs Leben

1956 wird er in Schwerte geboren. Mit neun Jahren spielt er zum ersten Mal eine Orgel, auch wenn er mit den Füßen die Pedale nur gerade eben berühren kann. Und es ist genau die Orgel, an der er auch 53 Jahre später noch sitzt: die in St. Marien.

Konsequenz und Entschlossenheit sind sein Rezept. „Man muss einfach dranbleiben“, sagt Störmer und erzählt schmunzelnd, dass er anfangs jeden Tag drei Stunden üben musste. „Es ist ein unglaubliches Zeitinvestment, aber das nimmt man für seine Leidenschaft gerne in Kauf.“ Damals wusste er noch nicht, dass die Kirchenmusik auch sein Beruf werden würde.

Erst Fallschirmjäger, dann Organist: Michael Störmer gibt der Kirche die Musik

Vor vier Jahrzehnten wurde Michael Störmer als Organist in St. Marien angestellt. © Aileen Kierstein

Sein Leben nimmt seinen Lauf, er macht seinen Schulabschluss in Unna, schlägt eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr ein. „Das waren die wilden Jahre, als Fallschirmjäger hatte ich unendlich viele Adrenalin-Schübe.“ Irgendwann kommt die Frage nach der Sinnhaftigkeit - und er tauscht Uniform gegen Notenblatt und Gottesdienst. Am 1. Oktober 1979 beginnt seine Anstellung bei der Marien-Gemeinde in Schwerte.

Balanceakt zwischen Kirche und Schulunterricht

Fast gleichzeitig beginnt er sein Musikstudium, wenige Jahre später macht er seine Examina in Kirchenmusik und besteht die staatliche Musiklehrerprüfung. 1986 arbeitet Störmer das erste Mal als Musiklehrer, balanciert zwischen Gottesdiensten, Kirchenkonzerten und der Musikschule in Schwerte.

„Kirchenmusik ist viel mehr als nur die Orgel.“
Michael Störmer, Kantor St. Marien

Als Dekanatskantor verbringt Störmer heute aber nur 40 Prozent seiner Arbeitszeit in Schwerte, so schätzt er. Die übrigen 60 Prozent beschäftigt ihn das Erzbistum Paderborn. „Von Herne im Westen bis Minden und Warburg im Osten und Siegen im Süden“, so beschreibt er sein Gebiet.

Die zweite Konstante neben der Kirchenmusik ist die Arbeit mit Kinder- und Jugendchören. Seit 2004 arbeitet er nebenbei außerdem als Musiklehrer an Gymnasien und Gesamtschulen.

Bei seine vielen unterschiedlichen Aufgaben kann von regelmäßiger Freizeit kaum die Rede sein: täglich sitzt er zur Messe in St. Marien an der Orgel, die Vormittage verbringt er meist an der Gesamtschule Fröndenberg.

Erst Fallschirmjäger, dann Organist: Michael Störmer gibt der Kirche die Musik

An der Orgel in St. Marien hat Michael Störmer schon mit neun Jahren gespielt. © Aileen Kierstein

„Ein Arbeitstag kann mit allem Drum und Dran auch 14 Stunden und länger dauern“, erzählt er unbekümmert. „Die Familie ist immer zwischendurch, das gehört halt zum Beruf dazu“, sagt der 62-Jährige: „Ich kenne es nicht anders.“

„Kirchenmusik ist viel mehr als die Orgel“

Man merkt Michael Störmer an, dass die Musik sein ganzes Leben geprägt hat. Amüsiert erzählt er von Erlebnissen und Erfolgen, von eigenen CDs, Konzerten und dem Schulunterricht. „Wer Musik macht, lernt zu sehen, zuzuhören und zu denken“, predigt er auch seinen Schülern immer. „Der Glaube wird Kindern und Jugendlichen heute kaum noch weitergegeben. Das möchte ich durch Musik schaffen. Aber Kirchenmusik ist eben auch viel mehr als nur Halleluja und die Orgel.“

In der Bibel heißt es: „Im Anfang war das Wort.“ Für den Mann in der Marien-Kirche ist dieses so wichtige Wort die Musik. Das Wort der Beständigkeit. Der Arbeit. Und der Leidenschaft. Das Wort Michael Störmers.

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