Die Nase voll: Zwei Wochen lang hat meine Familie die Pharma-Industrie gut unterstützt. Wenn auch nur unfreiwillig. © Martina Niehaus
Kolumne

Es ist einfach nur krank: Wenn es die ganze Familie erwischt

Wir machen vieles gemeinsam als Familie: Urlaub, Ausflüge, Hausaufgaben, Kochen. Das ist schön. Blöd wird es, wenn wir gemeinsam krank werden. Ein Erfahrungsbericht über zwei kranke Wochen.

Bevor ich so richtig loslege mit meinem Erfahrungsbericht, muss ich eines vorwegnehmen: Eine korrekte chronologische Reihenfolge kann ich leider nicht bieten. Denn ich war im Fieberwahn.

Woran ich mich noch dunkel erinnern kann: Der Zwölfjährige war derjenige, der irgendwann an einem Mittwoch anfing, die Nase hochzuziehen. Wir schöpften keinen Verdacht, denn sowas passiert bei uns häufiger.

Wie ging das noch mit dem Thermometer?

Doch offenbar ging es ihm wie vielen anderen Kindern, die gerade die Schule besuchen: Das wegen der langen Homeschooling-Phase untrainierte Immunsystem beschloss, in einem Rundumschlag alles aufzuholen, was es im letzten Jahr verpasst hatte. Mit Husten, Schnupfen, Halsschmerzen. Und richtig hohem Fieber.

So bekam ich die Gelegenheit, das bisher nie genutzte digitale Fieberthermometer besser kennenzulernen, das ich eigentlich für den Sommerurlaub gekauft hatte. Ist doch toll. Auf ON drücken, das erste Piepsen abwarten, Thermometer ins Ohr halten, wieder ON drücken und halten, bis das zweite Piepsen ertönt. Bei Fieber, stand auf der Verpackung, ertönt ein dreifacher Warnton.

Fiebermessen ist kinderleicht - wenn wir jetzt eine Sache können, dann das.
Fiebermessen ist kinderleicht – wenn wir jetzt eine Sache können, dann das. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Diesen dreifachen Warnton hörte ich nur noch: 38,6 Grad am Nachmittag. 39,2 Grad am Abend. Trotz Fiebersaft. Die erste Nacht verbrachte ich damit, Wadenwickel zu wechseln und den Fieberträumen des Juniors zu lauschen. Er träumt bei Fieber immer, dass Steine ihn überrollen.

Bloß nicht anstecken. Besser mit dem Rad in den Regen fahren.

Meine (wie ich dachte) beste Idee war, meinen Liebsten aus dem Schlafzimmer auszusperren. Dort fieberte ja jetzt der Kurze, und ich weiß, dass mein Mann sich gern direkt mit allen möglichen Erkältungsviren ansteckt. Also musste er auf das Sofa ausweichen. Die Nachtwache am Krankenbett übernahm ich.

Mein Mann, der sich jetzt auf der sicheren Seite wähnte, hatte am nächsten Tag die Spitzenidee, bei Regen und Kälte eine Zehn-Kilometer-Radtour zu unternehmen. Wenige Stunden später hörte ich das erste verräterische Niesen. Wer weiß, vielleicht hatte er sich ja bereits vorher angesteckt. Das Ergebnis war jedenfalls dasselbe.

Es regnet, es ist windig und kalt. Genau das richtige Wetter für eine Fahrradtour, oder?
Es regnet, es ist windig und kalt. Genau das richtige Wetter für eine Fahrradtour, oder? © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Und auch meine Nachtwache hatte sich gelohnt: So hohes Fieber hatte ich zuletzt als Kind gehabt. Das dreifache Piepsen verriet mir regelmäßig meine Werte. Ich knackte mühelos die 40-Grad-Marke. Und was die Träume von rollenden Steinen betrifft: Die hat mein Sohn offenbar von mir geerbt.

Und täglich grüßt das Schulsekretariat

Glücklicherweise war der Kleine schon nach zwei Tagen wieder fit. Richtig prima – so hatte ich dann Zeit für den Großen, der ebenfalls Fieber und Schnupfen bekam. Jeden Morgen telefonierte ich mit dem Schulsekretariat. Die Sekretärin und ich sind jetzt praktisch per Du. Soweit ich mich erinnern kann jedenfalls.

In der Woche vor Ferienbeginn waren die Jungs beide wieder einigermaßen auf dem Damm. Während mein Mann und ich abwechselnd die Reste aus ihren Sinupretflaschen schlürften, gingen sie wieder zur Schule. Donnerstag war dann der große Tag – die Zweitimpfung gegen Corona stand an. Ohne Fieber kein Problem, erklärte die Kinderärztin.

Immer rein mit dem guten Zeug: Sinupretsaft ist bei uns richtig beliebt. Aber ich möchte keine Werbung machen. Prospan geht auch. Oder Grippostad. Oder Paracetamol. Oder Bronchipret. Oder Meditonsin. Oder....
Immer rein mit dem guten Zeug: Sinupretsaft ist bei uns richtig beliebt. Aber ich möchte keine Werbung machen. Prospan geht auch. Oder Grippostad. Oder Paracetamol. Oder Bronchipret. Oder Meditonsin. Oder… © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Beide hatten gar kein Problem, nicht während des Impfens und auch nicht am Abend. Am nächsten Morgen machte sich dann leider nur der Große auf den Schulweg. Der Kleine blieb zu Hause: Er hatte um halb vier damit begonnen, seinen Mageninhalt von sich zu geben. Und heiß wurde er zur Abwechslung auch noch.

Es ist vorbei. Hab ich alles nur geträumt?

Doch gelernt ist gelernt: Einmal auf ON drücken, abwarten, wieder drücken. Fiebermessen ist wie Radfahren, das verlernt man nicht. Diesmal schaffte er 40,2 Grad.

Zum Glück hat er sich von dieser Fieberattacke schnell erholt. Vielleicht habe ich auch alles nur geträumt. Auf jeden Fall fühle ich mich heute tatsächlich so, als ob mich in den letzten Wochen ein Haufen großer Steine überrollt hätte.

Jetzt, nach der ersten Ferienwoche, sind wir alle wieder leidlich fit. Und können ausschlafen. Mal schauen, wie das Wetter wird. Vielleicht machen wir ja alle gemeinsam eine Radtour. Bei Regen.

Über die Autorin
Redakteurin
Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus