Experten-Vorschlag: Schwerter Innenstadt für Verkehr sperren

''Mobilität in Schwerte''

Alle Durchfahrten durch die Innenstadt dicht machen. Das ist der Maximal-Vorschlag einer Expertengruppe, der beim 1. Bürgerforum "Mobilität in Schwerte" im Bürgersaal des Rathauses vorgestellt wurde. Eine ehrgeizige Idee, bei der es noch einige Fragen zu lösen gibt.

Schwerte

von Von Reinhard Schmitz

, 15.11.2013, 10:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Konzept sieht unter anderem vor, dass die Friedensstraße künftig nur noch stadtauswärts befahren werden kann.

Das Konzept sieht unter anderem vor, dass die Friedensstraße künftig nur noch stadtauswärts befahren werden kann.

auf einer größeren Karte anzeigen Es ist vor allem die geplante Umleitung, die Sorge macht. Auf der Becke- und Karl-Gerharts-Straße würde sich der Verkehr verdoppeln. Das sieht selbst der städtische Fachdienstleiter Adrian Mork kritisch: „Alles auf eine Route zu legen, funktioniert bei den hohen Verkehrszahlen nicht."

Eine andere "städtebaulich interessante Alternative" hatte er aber aus der Diskussion mit den rund 40 Anwesenden mitgenommen: die Einbahnrichtung im Altstadtring mit Osten-, Brück- und Hellpothstraße gegenüber der bisherigen Regelung umzudrehen. "Das Museum könnte dann freigestellt werden", sagte er. Weitere Ideen, wie auch ohne Sperrungen Verbesserungen zu erreichen sind, stellte SHP-Gutachter Dr. Johannes Lange vor. Beispielsweise könnte die Hagener Straße am City-Centrum niveaugleich als sogenannter "Shared-Space-Bereich" umgestaltet werden, den sich Fußgänger und Autofahrer gleichberechtigt teilen. Auch die überdimensionierte Kreuzung am Werner-Steinem-Platz könnte zurückgebaut werden.

Noch keine Lösung gefunden ist für den zunehmenden LKW-Verkehr, der durch die Ruhrstadt rollt. 1420 Lastzüge rumpeln täglich von der Hörder Straße aus an. Die meisten – 580 Transporter – biegen in die Schützenstraße ab. Vorschläge, sie über die neue K20 und die Ostberger Straße umzuleiten, scheitern an der niedrigen Eisenbahnbrücke am Grüntaler Teich. Deshalb wurde die alte Forderung wieder laut, eine Autobahnauffahrt an der Raststätte Lichtendorf einzurichten, die über eine Verlängerung der K20 angebunden werden könnte.

Der Autoverkehr bildete das zentrale, aber nicht das einzige Thema der mehr als dreistündigen Veranstaltung zum fast 100.000 Euro teuren Mobilitätskonzept, das langfristigen Strategien bis zum Jahr 2025 entwickeln soll. Ziel ist eine vielfältigere Mobilität, bei der Fußläufigkeit, Rad und Bus eine größere Rolle spielen sollen. Nötig sind dafür beispielsweise auch ein Radnetz-Konzept oder ganz einfach mehr Fahrradständer. Derzeit werden – so vermutete Gutachter Wolfgang Haller – in Schwerte noch über 50 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt. Im Schnitt von jedem Bürger rund 3,5 Wege am Tag. Die Summe sinkt allerdings allein durch die demografische Entwicklung, die die Stadt bis 2030 voraussichtlich unter 44.000 Einwohner schrumpfen lässt.   

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