Fachwerkhaus in Westhofen gammelt vor sich hin

Reichshofstraße

Seit 2010 steht das alte Fachwerkhaus an der Reichshofstraße 95 im Zentrum von Westhofen leer. Kein schöner Anblick: verbretterte Fenster, Parolen auf der Fassade und eine schiefe Wand an der Rückseite. 2015 wurde das Gebäude für 1000 Euro versteigert - getan hat sich seitdem nichts. Jetzt fürchten die Nachbarn, dass von dem Schandfleck Gefahren ausgehen.

Westhofen

, 31.08.2017, 12:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fachwerkhaus in Westhofen gammelt vor sich hin

Das Haus Reichshofstraße 95 sollte eigentlich renoviert werden. Es steht schon seit Jahren leer. © Bernd Paulitschke

„Auf der Rückseite scheint sich jetzt auch noch das Dach zu senken“, berichtete Thomas Hörner. Ihm gehört eines der Nachbarhäuser in Westhofen, und er fürchtet um dessen Substanz. In einem Brief an Bürgermeister Heinrich Böckelühr mahnte er dessen Fürsorge an. „Irgendwelche Möglichkeiten müssen Sie doch haben, wenn die Stadtansicht so verschandelt wird und von dem Schandfleck auch noch Gefahren ausgehen“, so Hörner.

Doch Böckelühr sieht die Hände der Stadt in diesem Fall gebunden. Lediglich eine neue Überprüfung der Standsicherheit des Fachwerkhauses kündigte er an. Zum letzten Mal hatte die Stadt die Standsicherheit 2014 untersucht und das Gebäude für sicher befunden.

Nachbarn: Eigentümer kümmert sich nicht

Man könne auch unter sehr strengen Voraussetzungen gegen Verunstaltungen vorgehen. Ein Einschreiten sehe aber einen verwahrlosten Zustand voraus, der über mehrere Jahre andauere, und seitens des Eigentümers müsse das erforderliche Mindestmaß an Unterhaltungsmaßnahmen am Haus nicht getroffen worden sein.

Nach Beobachtungen der Nachbarn ist das so. Allerdings hatte die Eigentümerin, die das Gebäude 2015 ersteigert hatte, im Mai dieses Jahres zumindest das von der Stadt bereits beim Versteigerungstermin geforderte bauhistorische Gutachten vorgelegt. Danach änderten sich aber erneut die Besitzverhältnisse.

Stadt: Einschreiten wäre „unverhältnismäßig“

Aber auch der neue Eigentümer habe versichert, zeitnah das Haus instandzusetzen, so die Stadt. Schon alleine deshalb sei ein Eingreifen durch die Behörden in diesem Fall unverhältnismäßig, so Böckelühr in seinem Schreiben.

Man habe aber unabhängig vom Protest der Nachbarn einen Ortstermin mit dem neuen Eigentümer für den heutigen Donnerstag vereinbart. Allerdings räumt die Stadt auch ein, dass es bislang noch keinen Antrag auf Erteilung einer denkmalrechtlichen Erlaubnis gebe, die man für etwaige Renovierungsarbeiten brauche.

Besitzer: Wohnungen für Flüchtlingen soll entstehen

Der aktuelle Besitzer Erhard Baszak erklärte auf Anfrage, die Verzögerung habe sich durch die Erstellung des Gutachtens ergeben. Die habe sich fast eineinhalb Jahre hingezogen. In dem Haus sollen nach seinen Plänen fünf Wohnungen für Flüchtlingsfamilien entstehen, dafür gebe es öffentliche Mittel.

Problem-Immobilie mit Historie Anfang 2014 hatten die Nachbarn 250 Unterschriften gesammelt und gefordert: Der Denkmalschutz muss weg. Das Gebäude, das wohl vor 1800 gebaut wurde, steht nämlich seit 2003 unter Denkmalschutz. Als das Haus 1997 einen neuen Besitzer bekam, begann der Abstieg. Im September 2014 ist die Immobilie schon einmal versteigert worden. Der damalige Bieter konnte aber nicht einmal sein Gebot von 10.500 Euro bezahlen. 2015 wurde das Grundstück erneut versteigert. Damals ersteigerte es die Ehefrau von Baszak. Heute gehört es ihrem Mann.
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