Fälle von angesprochenen Kindern in der Region - wie können Eltern reagieren?

rnDie Polizei rät

Immer wieder gibt es Meldungen, dass Kinder von Fremden auf Spielplätzen oder aus dem Auto angesprochen werden. Schnell sind dann Eltern besorgt. Was rät die Polizei in solchen Fällen?

Schwerte

, 10.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Dortmund-Holzen wurde am Montagmittag ein Schulkind auf dem Heimweg von einem Mann aus einem Auto heraus angesprochen. Die Polizei Dortmund bestätigte den Fall am Dienstag. Auch im Umfeld von zwei weiteren Dortmunder Grundschulen gab es jüngst zwei entsprechende Meldungen - wobei sich mindestens ein Fall als harmlos aufklärte. Doch wie ernst sind solche Vorkommnisse? Wie sollten Eltern reagieren? Tipps und Hinweise gibt hierzu die Sprecherin der Polizei im Kreis Unna, Vera Howanietz.

? Wie schätzt die Polizei solche Meldungen ein?

Grundsätzlich nehme die Polizei solche Fälle sehr ernst, sagt Vera Howanietz. Auch wenn sie zu den Dortmunder Fällen natürlich nichts sagen könne. Die Ernsthaftigkeit solcher Hinweise könnten Polizeibeamte an verschiedenen Dingen festmachen - wie das Kind zum Beispiel angesprochen wurde. Und auch die Eltern seien gefragt, ihr Kind einzuschätzen. „Die wissen ja, ob es eher eine lebendige Fantasie hat oder sonst wenig erzählt.“ Es gäbe aber eben auch immer wieder Fälle - und das nicht nur bei Kindern sondern auch bei Erwachsenen - in denen Menschen Vorfälle melden, die es gar nicht gegeben hat, um Aufmerksamkeit zu erlangen. So wie kürzlich in Bönen eine Frau behauptete, dass jemand ihren Hund habe rauben wollen.

? Wie sollten Eltern reagieren, wenn Ihre Kinder von einem solchen Vorfall erzählen?

Eine Checkliste gibt es für solche Fälle nicht. Eltern sollten aber sofort die Polizei informieren und melden, dass sie in Sorge sind. Und sie auf keinen Fall selbst das Kind immer wieder befragen, sagt Vera Howanietz. „Je öfter ein Kinder seine Geschichte erzählt, desto mehr verfälscht sich die Erinnerung, das Kind wird verängstigt und steigert sich hinein.“ Es genüge, wenn die Eltern der Polizei mitteilen, dass das Kind eine Andeutung gemacht habe. Dann würden die geschulten Beamten mit den Eltern besprechen, wie weiter vorgegangen wird, und gegebenenfalls das Kind befragen. Kinder reagieren auch sehr unterschiedlich auf Eindrücke, je nachdem was sie schon gehört oder erlebt haben, weiß Vera Howanietz.

? Macht man sich denn strafbar, wenn man Kinder anspricht?

Bei einer kurzen Begegnung sei eine strafbare Absicht nur schwer nachzuweisen, so Vera Howanietz. Zum Glück seien Kinder und Eltern grundsätzlich für das Thema sensibilisiert. Daher werde eine Ansprache aber auch immer schnell mit einer Bedrohung verknüpft. Verdächtig sei es, wenn Erwachsene Kinder anlocken oder sie zu etwas überreden wollen. Wenn Erwachsene zum Beispiel Kinder um Hilfe bitten oder ihnen Spielzeug oder Süßigkeiten anbieten. Die meisten Kinder wüssten aber heutzutage, dass sie in so einem Fall nicht reagieren und weglaufen sollten, so Howanietz. Doch manche seien so neugierig, dass sie sich auf so ein Gespräch einlassen.

? Wie soll ich mich als Erwachsene fremden Kindern gegenüber verhalten?
“Grundsätzlich ist es für Erwachsene heute schwierig geworden, sich Kindern gegenüber richtig zu verhalten“, so Howaniecz. Und es gäbe immer noch Erwachsene, die sich dessen nicht bewusst sind, und Kinder zum Beispiel nach dem Weg fragen. Aus Bequemlichkeit aus dem Auto heraus durch das heruntergelassene Fenster. „Da sollte man sich die Zeit nehmen und nach einem Erwachsenen suchen“, rät Howanietz.

? Wie kann ich mein Kind schützen?

„Kinder sollten sensibilisiert aber nicht verängstigt werden, auf Menschen zuzugehen“, so Vera Howanietz. Wegzugehen und sich nicht auf ein Gespräch einzulassen, sei in jedem Fall immer die bessere Wahl. Die Polizei betont aber auch: Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird vergleichsweise selten von fremden Tätern verübt. Betroffene Kinder erfahren sexuelle Gewalt meist in ihrem sozialen Umfeld: Zuhause, in der Schule oder im Verein. Die Kampagne der Polizei „Missbrauch verhindern“ klärt hierzu auf.

Polizei-Kampagne „Missbrauch verhindern!“


Schützen Sie Ihr Kind durch...

  • ... Ihr Wissen. Informieren Sie sich über Fakten und Risiken – Unkenntnis begünstigt Missbrauch.
  • ... Ihre Offenheit. Machen Sie Missbrauch nicht zum Tabuthema – damit helfen Sie Opfern, sich anzuvertrauen.
  • ... Ihre Aufmerksamkeit. Oft gibt es Signale für Missbrauch - seien Sie aufmerksam.
  • ... Ihr Vertrauen. Vertrauen Sie den Aussagen von Kindern. Kinder erfinden selten eine an Ihnen begangene Straftat.
  • ... Ihr Handeln. Kümmern Sie sich um betroffene Kinder, holen Sie sich Hilfe und erstatten Sie Anzeige. Kinder können den sexuellen Missbrauch nicht beenden, sie brauchen die Hilfe von Erwachsenen.
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