Fahrlehrer: Mit der Fahrprüfung ist es wie damals mit den Trabbi © Holger Bergmann
Fahrschulen

Fahrlehrer aus Schwerte: „Wir schieben eine Bugwelle aus Fahrschülern vor uns her“

Wegen der Corona-Krise konnten Fahrschulen lange Zeit keine Schüler ausbilden. Jetzt gibt es einen regelrechten Run. Das eigentliche Problem seien aber die Prüfungstermine.

Zwei bis drei Fremde in einem Auto, das war während der Corona-Lockdowns mehrere Monate lang nicht gestattet. Viele Menschen mussten ihre Fahrausbildung verschieben. Jetzt erlaubt die Corona-Schutzverordnung wieder Fahrstunden.

Viele junge Leute wollen ihre Fahrausbildung jetzt nachholen. Das hat scheinbar zu einem besonderen Andrang auch in den Schwerter Fahrschulen geführt. Doch Fahrlehrer Dirk Eichmann von Dirk‘s Fahrschule sieht das Problem nicht in der großen Zahl der Fahrschüler, sondern in der geringen Anzahl an Prüfungsterminen.

„Es ist richtig, wegen Corona schieben wir eine Bugwelle von Fahrschülern vor uns her“, so Dirk Eichmann. „Aber es sind nicht wir Fahrschulen, die an ihre Grenzen stoßen, es sind die Prüfungstermine.“

Acht Wochen Wartezeit

Laut Dirk Eichmann gibt es nur eine begrenzte Zahl von Prüfern und damit sei auch die Zahl der Prüfungstermine begrenzt. Die Wartezeit auf einen Prüfungstermin liege momentan bei rund acht Wochen.

Das heißt, dass sich ein Fahrschüler im Prinzip schon bei der Anmeldung bei der Fahrschule zur Prüfung anmelden sollte, damit er geprüft werden kann, wenn er voll im Stoff ist.

„Das ist wie damals beim Trabbi in der DDR. Den mussten die Eltern praktisch kurz nach der Geburt bestellen, damit er da war, wenn das Kind 18 wurde“, sagt Dirk Eichmann.

Prüfungen dauern 55 Minuten

Das Problem ergebe sich nicht nur aus der Zahl der Prüflinge, sondern auch durch neue Regeln. So dauerten Fahrprüfungen aufgrund neuer Bestimmungen mittlerweile 55 statt wie bislang 45 Minuten.

„Das heißt, dass an einem Prüfungstag nur noch acht statt elf Schüler geprüft werden können“, rechnet Dirk Eichmann vor. „So kann man die Bugwelle nicht abbauen.“

Die Fahrausbildung werde so für viele Schüler sehr viel teurer als gedacht. „Fahrschüler, die eigentlich geprüft werden könnten, müssen nun regelmäßig weitere Stunden nehmen, damit sie in Übung bleiben“, berichtet Dirk Eichmann.

Probleme für die Fahrschüler

Die Situation führt nicht nur zu Unannehmlichkeiten. Einige Fahrschüler bekommen echte Probleme, so Dirk Eichmann. Vor allem Menschen, die den Führerschein beruflich benötigen, seien betroffen.

Da seien die Lkw-Fahrer, die Punkte in Flensburg abbauen müssen, um ihren Führerschein wiederzuerlangen und die so Einkommen verlieren. Es gebe auch die Menschen, die von der Agentur für Arbeit umgeschult werden und bis zum Ende der Maßnahme einen Führerschein brauchen.

„Da läuft dann irgendwann die Förderung aus und Leute stehen unverschuldet ohne Führerschein da“, sagt Dirk Eichmann. „Ich glaube, im Verkehrsministerium hat mal wieder niemand eine Ahnung davon, was hier draußen los ist.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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