Fall Michael S. – 14 Jahre Haft oder nachträglich doch wieder lebenslänglich?

rn72-Jährige getötet

Wie lange muss Michael S. denn nun in Haft, nachdem er eine 72-Jährige in Ergste umgebracht hatte? 14 Jahre wegen Totschlags, so das Urteil. Vielleicht wird aber doch lebenslänglich daraus.

Ergste

, 13.11.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Urteil gegen den vorbestraften Mörder, der nach 28 Jahren in Haft wieder ein Frau umbrachte, wird am Donnerstag rechtskräftig. Nach dem Spruch der Richter haben beide Seiten – Staatsanwaltschaft wie Verteidigung – die Möglichkeit, Revision einzulegen. In solch einem Fall hätte das Bundesverfassungsgericht das Urteil des Landgerichts Hagen einkassieren können, sodass der Fall erneut hätte aufgerollt werden müssen.

Das aber passiert nicht. Das bestätigte einerseits Michael S.‘ Anwalt Martin Düerkop auf Anfrage. Und auch von der Staatsanwaltschaft gab es bereits vor Ablauf der Frist das Signal: Nein, man werde das Urteil so akzeptieren.

Mord-Absicht schwer zu beweisen – Totschlag ist unstrittig

14 Jahre wegen Totschlags plus anschließende Sicherungsverwahrung – so hatte die Kammer um den Vorsitzenden Richter Marcus Teich vor einer Woche entschieden. Damit hatte sie zwar ein geringeres Strafmaß verhängt, als das von der Staatsanwaltschaft beantragte lebenslänglich plus Sicherungsverwahrung wegen Mordes.

Doch dieses Urteil ist auch das deutlich wasserdichtere. Dass Michael S. mit einer Mord-Absicht handelte, als er in der Nacht von 9. auf 10. Januar 2019 eine 72-Jährige in ihrem Haus in Schwerte-Ergste umbrachte, war schwierig zu beweisen. Dass es sich aber mindestens um einen Totschlag in einem nicht minder schweren Fall handelte, ist juristisch unstrittig.

Zu erdrückend war die Beweislast – unter anderem durch DNA-Spuren. Und zu eindeutig waren auch die Indizien, dass sexuelle Motive eine Rolle spielten.

Aachen hat sich schon gemeldet: Bewährung zurück, also lebenslänglich

Aus den 14 Jahren könnten allerdings schnell doch noch eine lebenslängliche Freiheitsstrafe werden. Denn Michael S. war ja nur drei Monate vor der Tat erst aus der JVA Schwerte freigelassen worden, nach 28 Jahren in Haft. Ein Gutachten und das Gericht hatten bescheinigt, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgehe und ihn deshalb zur Bewährung freigelassen.

Nach dem erneuten Tötungsdelikt kann das Aachener Gericht, das ihn 1990 zu lebenslänglich verurteilt hatte, aber nun hingehen und sagen: Moment, die Bewährung ist verwirkt. Also wünschen wir, dass das eigentlich Urteil wieder in Kraft tritt.

Und genau dieser Antrag ist in Hagen angekommen, wie der Sprecher des dortigen Landgerichts am Mittwoch bestätigte. Man befasse sich mit dem Antrag allerdings erst, wenn man wisse, dass das neue Urteil rechtskräftig werde. Also nach Donnerstag.

Falls es zurück zu lebenslänglich geht, könnte Michael S. dann je wieder freikommen? Theoretisch ja, praktisch dürfte das nicht passieren: Auf Bewährung draußen, nach kürzester Zeit eine Tat, die wie eine Schablone auf die Tat passt, für die er damals verurteilt wurde, dazu ein psychologisches Gutachten, das ihm Persönlichkeitsstörungen, dissoziales Verhalten, keine Entwicklung und enorme Gefährlichkeit attestiert – das alles wiegt enorm schwer.

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In einer vorherigen Version hatten wir geschrieben, eine Revision würde das Oberlandesgericht beschäftigen. Das ist natürlich Quatsch gewesen. Bei einem erstintanzlichen Urteil entscheidet das Bundesgerichtshof über die Revision des Falles. Dann geht es zurück zum Landgericht, wo der Fall in zweiter Instanz verhandelt wird. Sollte eine Seite dann erneut einen Einspruch gegen das Urteil haben, erst dann ist das Oberlandesgericht dran.
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