Lässt sich der Abriss seines Hauses nicht verhindern? Nach dem Scheitern der Gespräche sagt Markus Ahlers: „Die Sache ist gegessen.“ Einen Ausweg gebe es noch – doch der ist risikoreich.

Schwerte

, 17.07.2018, 18:38 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit 1965 steht das Gebäude an der Unteren Meischede in Schwerte, ab 2013 wurde es aufgestockt, nun soll es bald abgerissen werden – obwohl von der Stadt Schwerte eine Baugenehmigung erteilt wurde. Doch ein Nachbar klagte gegen den Ausbau und erhielt vor Gericht Recht. Jetzt soll Familie Ahlers ihr eigenes Haus komplett abreißen und muss dafür auch noch zahlen. Ein Fall, der viele Menschen bewegte - nicht nur in Schwerte.

An der Abriss-Forderung hat auch ein Gespräch am Montag nichts geändert. „Wir hatten gehofft, dass sich die Einstellung der Stadt zu einem neuen Bebauungsplan ändert“, sagt Markus Ahlers am Dienstag. Doch auch am Ende eines Treffens zwischen der Schwerter Stadtverwaltung und einem Verwaltungsfachmann aus Dortmund blieb die Stadt dabei: Der Abriss könne die einzige Folge des Gerichtsentscheids sein. Einen Bebauungsplan werde es nicht geben. In der kommenden Woche erhalte die Familie Ahlers eine Abrissverfügung.

Was ist eine solche Verfügung?

Ein amtliches Schreiben, in dem sinngemäß steht: Bitte sorgen Sie dafür, dass das komplette Gebäude abgerissen wird. Darin wird der Familie Ahlers eine Frist gesetzt. Bis wann die wohl gehen wird – dazu gab es am Dienstag bei der Stadt noch keine Auskunft.

Wieso das komplette Gebäude? Das Haus wurde doch nur aufgestockt.

Ja, aber die Baugenehmigung galt für das ganze Gebäude, nicht für einen Teil. Deshalb muss auch das ganze Haus abgerissen werden. Selbst Markus Ahlers sagt: „Das ist nicht böswillig von der Stadt. Da gibt es rechtlich keine andere Möglichkeit.“

Wie wird Familie Ahlers reagieren?

Eine wirkliche Antwort hatte Markus Ahlers am Dienstag noch nicht darauf: „Wir sind zutiefst bedrückt. Ich glaube, die Sache ist gegessen. Aber es muss ja irgendwie weitergehen.“ Wie schnell ein Abriss überhaupt gehen könne, werde man sehen. Man sei ja in einem intakten Baugebiet. Man müsse auch nach finanziellen Mitteln schauen. „Und man hat auch die Möglichkeit zu klagen.“

Und was soll das bringen außer mehr Zeit? Kann das nächste Urteil auch lauten: „kein Abriss“?

Theoretisch ja, doch damit rechnet keiner der Beteiligten – nicht Familie Ahlers, nicht die Stadt Schwerte und auch nicht Werner Jakumeit, der Experte und ehemalige Bauamts-Mitarbeiter aus Dortmund. Hätte man in der Zeit bis zum nächsten Urteil einen neuen Bebauungsplan für die Untere Meischede verabschiedet, hätte das vielleicht die Sachlage verändert. Doch die Stadt bleibt dabei, dass das keine Lösung sei, um den Hausbau nachträglich zu legitimieren. Auch der Kreis Unna und die Bezirksregierung in Arnsberg sehen das so.

Gibt es eine andere Ansicht?

Ja: Werner Jakumeit bleibt auch nach dem erfolglosen Gespräch mit der Stadt Schwerte der Ansicht: „Ein neuer Bebaungsplan würde den Rechtsfrieden wiederherstellen.“ Dann würde man in Zukunft für die ganze Straße wissen, wie man Häuser umbauen darf und wie nicht.

Zurück zum Weg der erneuten Klage: Kann der eine Lösung sein?

Vielleicht – allerdings wäre auch das ein Weg mit Risiko. Familie Ahlers könnte ein „Austauschmittel“ gegen den Abriss anbieten: Sie könnte einen neuen Bauantrag bei der Stadt stellen – für ein Haus, das ganz anders aussieht als das jetzige. Dann hätte die Stadt die Möglichkeit, eine neue Baugenehmigung zu erteilen – allerdings erneut verbunden mit der Warnung: Es kann sein, dass wieder ein Nachbar (oder derselbe) klagt. Und: Die Ahlers könnten mit der neuen Baugenehmigung nicht auf ein mögliches neues Urteil warten. Sie müssen sofort mit dem Bauen anfangen, sonst tritt die Abrissverfügung wieder ins Kraft. Das große Risiko: Die Familie müsste mitunter auch das nach den neuen Plänen gebaute Haus wieder abreißen und hätte außer hohen Kosten nichts davon.

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Über was genau haben denn die Stadt und der Dortmunder Fachmann Werner Jakumeit am Montag gesprochen?

Darüber haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Jakumeit sagt nur: „Es war sehr nett.“ Er sei am Schluss auch der Überzeugung gewesen, dass es auf eine Abrissverfügung hinauslaufen müsse. Was den Bebauungsplan angehe, sei er aber weiterhin anderer Ansicht als die Stadt.

Sieht Jakumeit eine Lösung?

Zunächst stellt er klar: „Ich mache hier keinerlei Rechtsberatung für eine Seite – auch wenn mir das vorgeworfen worden ist.“ Sein Ratschlag in Richtung Familie Ahlers: Anerkennen, dass man sich beim Bau nicht immer korrekt verhalten habe und auf ein weiteres Gespräch mit dem Kläger hoffen. Vielleicht lasse sich der Abriss so noch aus der Welt schaffen.

Was sagen Ahlers dazu?

Sie betonen, sie seien weiterhin gesprächsbereit, bezweifeln aber, dass die Gegenseite das auch sei. Seit 2013 habe man immer wieder das Gespräch gesucht – zuletzt Anfang Juli per E-Mail an die Rechtsanwälte des Klägers. Die Resonanz sei null gewesen.

Mittlerweile wurde auch eine Online-Petition für das Haus der Familie gestartet. Macht das Ahlers noch Hoffnung?

Nein, das sei nett, aber wohl nicht mehr ausschlaggebend, so Markus Ahlers. Ebenso wie das Engagement einiger Politiker.

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