Faszination Höchstleistung: Leistungssportler kommen vom FBG in die großen Stadien

rnFriedrich-Bährens-Gymnasium

Ohne Fleiß kein Preis, sagt man so leicht. Was der Spruch aber wirklich bedeutet, wissen die Schüler in den Sportklassen des Gymnasiums am besten. Die Schule will den Weg zum Erfolg ebnen.

Schwerte

, 04.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Man muss für den Sport brennen. Anna tut das. Seit sie neun Jahre alt ist, steht sie fast täglich auf den rostfarbenen Tartanbahnen auf Sportplätzen und in Stadien. Genauer gesagt: Sie sprintet.

Erst vor wenigen Tagen hat sich die Leichtathletin für die deutschen Meisterschaften in ihrer Altersklasse qualifiziert. Vier Mal wöchentlich steht für sie Training auf dem Plan: Sprint, Kraft, Staffel und Tempo. Das findet meist nach der Schule statt - an den Tagen hat sie sowieso lange Unterricht; an den Wochenenden dann die Wettbewerbe, die sie liebt, wenn sie gewinnt - und auch liebt, wenn nicht.

Vormittags sitzt die 14-Jährige mit Rucksack und Collegeblock im Gymnasium - wie eine ganz normale Schülerin eben. Und das FBG sorgt dafür, dass sie beides sein kann: in der Schule und im Sport.

FBG ist Partnerschule des Leistungssports

Seit 20 Jahren trägt das Schwerter Gymnasium das Siegel „Partnerschule des Leistungssports“. Die Sportklasse gibt es in jedem Jahrgang und wird mit jungen Sporttalenten gefüllt, die auf Empfehlung ihres Vereins und nach einem Eignungstest an dem Programm teilnehmen dürfen. „In der Regel sollten das olympische Sportarten sein“, erklärt Schulleiter Heiko Klanke.

Olympisch - und auch paralympisch - ist zum Beispiel das Schwimmen. Das hat Maurice schon gemacht, als er noch ein Baby war. „Für mich ist das ein Ausgleich“, sagt der 13-Jährige. Und auch eine Maßnahme: Seit der Geburt ist sein linker Arm stark verkürzt. Ohne den Sport wäre es wahrscheinlich noch schlimmer, vermutet er. „Eigentlich müsste Maurice im Schwimmsport massivst benachteiligt sein“, sagt Sportklassenkoordinator Thomas Beissenhirtz. Aber: Er sei in den meisten Wettkampfklassen fast konkurrenzlos. Auch im Nicht-Behinderten-Sport.

Maurice Wetekam gehört zu den Nachwuchsathleten im Para-Schwimmen.

Maurice Wetekam gehört zu den Nachwuchsathleten im Para-Schwimmen. © DBS-Akademie gGmbH

Und dann ist da noch der zwölfjährige Paul: Der hat mit seinem Tischtennisteam das FBG bei „Jugend trainiert für Olympia“ vertreten. „Ich denke, wir sind gut dabei“, sagt er nüchtern, fast schon erwachsen. An fünf Tagen die Woche trainiert Paul - und spielt schon, seit er „so gerade über die Platte gucken konnte“, scherzt er selbst. Und an jedem Freitag kommt der Kadertrainer ins FBG, um die Jungs individuell zu fördern.

Die Schüler in den Sportklassen bewegen sich also auf hohem Niveau, sie sind Kaderathlethen, kämpfen in Wettkämpfen und Meisterschaften immer wieder um neue Erfolge. Das Programm am FBG macht es möglich, dass beispielsweise an einem Montag nie Klausuren geschrieben werden - damit sich die Athleten am Wochenende voll auf ihren Sport konzentrieren können. Und auch Fehltage, die Wettkämpfen oder Trainingslagern geschuldet sind, stellen kein Problem dar, so Klanke. „Aber die Schule bleibt der Alltag. Und die Sportler können hier alles erledigen.“

Schüler werden so gut wie möglich unterstützt

Deshalb hat das Gymnasium auch einen Teilinternats-Charakter: Die Kaderathleten bekommen Hausaufgabenbetreuung und kostenlose Nachhilfe, um versäumte Stunden nachzuholen. Der Sportunterricht gehört selbstverständlich mit ins Programm - bis zu vier Mal wöchentlich, im Leistungskurs sogar fünf Mal. „Wir wollen den Schülern den Rücken stärken, damit sie ihren sportlichen Zielen näher kommen. Die Schule muss die richtigen Strukturen schaffen“, beschreibt Beissenhirtz das Konzept.

Und alle drei Jugendlichen nicken. Die Balance zwischen Sport und Schule sei dadurch wesentlich leichter, sagt Anna. An den typischen Schultagen stehe sie früh auf: Duschen, frühstücken und dann zügig los. Zwischen Biologie- und Deutschunterricht gibt es für Anna und ihre Sportkollegen dann ein Mittagessen in der Mensa: aussuchen was gesund ist und gut aussieht. Nach der Schule dann zum Training. „Danach setze ich mich noch an die Hausaufgaben, oft auch mal bis 22 Uhr“, erzählt sie.

Paul Burkart spielt schon Tischtennis, seit er „über die Platte gucken kann“.

Paul Burkart spielt schon Tischtennis, seit er „über die Platte gucken kann“. © Kierstein

Ab und zu geht es nach der Schule auch für anderthalb bis zwei Stunden zum Olympia-Stützpunkt - dort werden Athleten noch individueller trainiert und gefördert. Bei Paul und Maurice ist es nicht anders.

Fünf bis acht Schüler landen im Leistungssport

Und die kostbare Freizeit, von der man als Teenager noch in vollen Zügen zehren sollte? „Nicht drin“, sagt Maurice trocken. Ganz so drastisch sei es dann aber doch nicht. Anna zum Beispiel trifft sich an freien Nachmittagen mit ihren Freundinnen, und auch an manchen Sonntagen sei das möglich. Aber kein Grund für Mitleid, sagt Sportlehrer und Betreuer Beissenhirtz: „Wenn man Leistungssportler ist, dann brennt man dafür. Dann ist die Frage nach der Freizeit oft überflüssig, denn die Athleten machen das gerne.“

Dass das Konzept funktioniert, sehen er und seine Kollegin Anika Floren eigentlich regelmäßig: wenn ihre Schützlinge im Wettkampf die Preise abräumen. Und wenn die großen Talente das FBG freiwillig verlassen. „Unsere Volleyballer gehen fast immer nach Münster zum Sportinternat. Da ist auch der Olympia-Stützpunkt“, sagt Beissenhirtz. Die Handballerinnen verschlägt es oft nach Dortmund ans Goethe-Gymnasium. „Zwischen fünf und acht Schüler in jeder Sportklasse landen irgendwann im Leistungssport“, sagt Heiko Klanke.

Jetzt lesen

Bennet Buchmüller und Pablo Nolte sind zwei von ihnen: Die zwei Schwerter holten vor etwa einem Jahr bei der Junioren-WM in St. Moritz zwei Medaillen im Viererbob: Gold für Nolte, Bronze für Buchmüller.

Immer Schritt für Schritt

Auch für Anna, Paul und Maurice sieht es nicht schlecht aus: „Wenn ich so weiter mache, könnte ich vielleicht irgendwann an den Paralympics teilnehmen“, schwärmt Maurice. Vorher stehen aber die Jugend-Europameisterschaften in Finnland an. Da möchte er unbedingt hin. Und Klassenkollege Paul wollte früher immer in die Tischtennis-Bundesliga. „Heute reicht mir auch die Top24.“

Wo Anna landen wird, weiß sie noch nicht. „Ich will Schritt für Schritt gehen“, sagt die 14-Jährige Vielleicht steht sie ja auch bald in den Fußstapfen ihres Papas: Olaf Hense gehörte bis zu seinem Karrierende in 1998 zu den ganz Großen der Leichtathletikszene. Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona war er für Deutschland am Start. Und auch Opa Jörg Balke war Olympiateilnehmer über 800 Meter im Jahr 1960 in Rom.

Jetzt lesen

Die olympischen Spiele der Traum eines jeden Sportlers? Wahrscheinlich. Aber Anna sagt davon nichts. „Die richtig, richtig guten Athleten - so Thomas Beissenhirtz - sind auch meistens die bescheidensten.

Lesen Sie jetzt