Leben retten und Gutes tun – so oder so ähnlich wird der Beruf des Feuerwehrmannes oft interpretiert. Aber wie sieht es wirklich im Alltag aus? Ein Schwerter Brandmeister hat es uns erzählt.

Schwerte

, 07.03.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war ein Kellerbrand, als Dominik Veith zum ersten Mal in offenen Flammen stand. Damals engagierte er sich noch für die freiwillige Feuerwehr in Holzwickede. Dominik Veith kann sich noch gut an den Tag erinnern, in dem Holzwickeder Keller ist er durchs Feuer gelaufen. „Man wird in der Ausbildung vorbereitet, aber das sind natürlich kontrollierte Brände“, erinnert er sich.

In der Realität ist es anders. „Es gibt Hunderte Gefahrenquellen: Kabel, Schrott und alles, was halt in einem Keller herumsteht.“ Ein erfahrener Brandmeister sei bei jedem solcher Einsätze dabei - auf ihn könne man sich im Notfall verlassen.

Ängste im Beruf? Fehlanzeige bei der Feuerwehr.

Ängste im Beruf? Fehlanzeige bei der Feuerwehr. © Aileen Kierstein

Mittlerweile hat er aber selbst genug Erfahrung: 18 Monate dauert die Ausbildung zum Brandmeister, darin enthalten sind verschiedene Lehrgänge, die fünfmonatige Ausbildung der Feuerwehr sowie die dreimonatige Ausbildung zum Rettungssanitäter. Seit 2016 ist Dominik Veith voll im Einsatz für die Schwerter Feuerwehr.

Ohne gegenseitiges Vertrauen läuft nichts

Zwei bis dreimal die Woche verbringt er seine 24-Stunden-Dienste auf der Feuerwache an der Lohbachstraße. Alternativ gibt es auch Wechseldienste. Und das Leben auf der Wache? „Familiär“, beschreibt es Dominik Veith. „Meist sind wir öfter hier als zuhause. Man kennt alle Kollegen in und auswendig und weiß, dass man sich auf sie verlassen kann.“

Dazu gehört auch Organisation - der Pieper, der über Einsätze informiert, muss während der Schicht immer am Körper getragen werden. Stiefel und Hose stehen direkt vor dem Einsatzfahrzeug bereit, der Helm liegt schon in der Fahrerkabine. Und von den Aufenthaltsräumen im Obergeschoss führen die typischen Rutschstangen der Feuerwehr direkt in die Fahrzeughalle.

Stiefel und Hose stehen immer direkt vor dem Einsatzfahrzeug, damit die Brandmeister im Notfall schnell reagieren können.

Stiefel und Hose stehen immer direkt vor dem Einsatzfahrzeug, damit die Brandmeister im Notfall schnell reagieren können. © Aileen Kierstein

Fest steht aber: Vertrauen und Zuverlässigkeit - das bleiben die zwei wichtigsten Wörter im Alltag auf der Wache. Und auch im Einsatz.

Die Feuerwehr in Schwerte hat ihren Schwerpunkt auf der A1. Immer wieder kommt es dort zu Unfällen, oft auch zu Schwerverletzten oder Toten. „Natürlich ist es immer wieder eine Hürde, auf Patienten zuzugehen. Oder mit Leichen zu arbeiten“, sagt Dominik Veith, der durch seine Ausbildung auch gleichzeitig Rettungssanitäter ist. „Aber das bringt der Beruf nunmal mit sich - und wir wurden lange auf solche Situationen vorbereitet.“

Gespräche auf der Wache sind wichtig für die Psyche

In ausgedienten Schrottautos werden immer wieder Rettungen unter extremen Bedingungen simuliert - damit im Realfall alles reibungslos funktionieren und dem Patienten schnell geholfen werden kann. Nach besonders dramatischen Einsätzen wird alles noch einmal durchgesprochen, erzählt Veith: „Wir sprechen hinterher auf der Wache über den Unfall, die Opfer und eventuelle Todesfälle. Es ist wichtig, dass man nichts mit nach Hause nimmt.“

Aber wie realistisch ist diese Vorstellung? Wer regelmäßig mit Feuern, Schwerverletzten und Toten arbeiten muss - wie leicht kann er das verkraften? Dass es da keine deutliche Tendenz gibt, weiß Christoph Schöneborn vom Verband der Feuerwehren in NRW: „Es ist nicht der Regelfall, dass Feuerwehrangehörige unter psychischen Problemen leiden. Dennoch kommt man nicht mit jeder Erfahrung gut zurecht.“ Vor allem bei der Berufsfeuerwehr gebe es mehr Nachsorgebedarf als bei der Freiwilligen Feuerwehr - das ist in erster Linie auch der höheren Zahl an Einsätzen geschuldet.

Abseits vom persönlichen Gespräch mit den Kollegen gebe es - so Schöneborn - in den Feuerwachen einen Beauftragten. „Das kann eine fortgebildete Kraft machen, die ausschließlich dafür bereit steht. Es gibt aber auch Feuerwehrangehörige, die ganz normal ihre Einsätze machen und nebenbei für die Kollegen da sind.“ Man stelle bei Bedarf aber auch externe Therapeuten oder Theologen bereit, erklärt der Verbandschef.

Von den Ruheräumen geht es per Rutschstange direkt zum Fahrzeug.

Von den Ruheräumen geht es per Rutschstange direkt zum Fahrzeug. © Aileen Kierstein

Durchs Feuer laufen, vor Ort helfen, Leben retten: Sind das Heldentaten? Dominik Veith: „Nein, ich bin kein Held. Für mich ist das einfach mein Beruf. Für mich könnte ja auch mein Steuerberater ein Held sein, weil er Zahlen am Schreibtisch wälzt“, scherzt er.

Von Aggressionen und Dankbarkeit

Und dieses Heldenbild haben tatsächlich nicht alle Menschen. „Ab und zu kommt es vor, dass Patienten aggressiv auf uns reagieren - oft auch, weil sie alkoholisiert sind. Am Wochenende zum Beispiel.“

In Schwerte seien die Rettungssanitäter davon aber noch weitestgehend verschont geblieben. „Es gibt auch Leute, die uns offen sagen, wie dankbar sie sind. Dass es schön ist, dass wir so schnell da waren und unsere Job gut machen“, sagt Veith.

Und was erlebt man sonst noch bei Rettungseinsätzen auf der A1? Wie sieht es mit der Rettungsgasse aus? Dominik Veith schmunzelt. „Mal klappt es, mal nicht“, erzählt er. „Meistens kommt das erste Fahrzeug durch, danach schließt sich die Gasse wieder. Wie ein Busch.“

„Kein Einsatz ist gleich.“

Dann wird er ernst. „Es gibt unfassbar viele Gaffer. Die Leute fahren langsamer, wollen sehen, was passiert ist. Nicht wenige holen auch ihr Smartphone raus und filmen oder es kommt zu weiteren Unfällen auf der Gegenfahrbahn.“ Dass die Polizei verstärkt gegen Gaffer vorgeht und hohe Bußgelder verhängt? Dominik Veith findet: die richtige Lösung.

Ist der Alltag bei der Feuerwehr also so, wie Veith in sich vorgestellt hat? Eigentlich ja, sagt er. „Aber kein Einsatz ist gleich.“ Für ihn sei es aber immer wichtig, Menschen zu helfen. „Ob die Menschen uns als Helden sehen oder nicht, das ist mir egal.“

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