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Forscher machen besonderen Fund in Wandhofen

Haus aus der Eisenzeit

Von wegen Langhäuser: Quadratisch ist der 2000 Jahre alte Grundriss eines germanischen Bauernhauses aus der Eisenzeit, den Archäologen im Wandhofener Bruch freigelegt haben - eine eher ungewöhnliche Form. Und vielleicht haben die Forscher einen weiteren besonderen Fund gemacht.

WANDHOFEN

, 12.05.2017 / Lesedauer: 3 min
Forscher machen besonderen Fund in Wandhofen

Am östlichen Rand des künftigen Gewerbegebiets Wandhofener Bruch entdeckten die Archäologen den vollständigen Grundriss eines eisenzeitlichen Bauernhauses. Die 18 fast im Quadrat angeordneten Gruben markieren die Standorte der hölzernenTragpfeiler.

Germanen bauten vor über 2000 Jahren im Wandhofener Bruch ihr Bauernhaus. Die vielleicht zehnköpfige Familie lebte in dem fast quadratischen Bau unter einem Dach mit ihren Haustieren. Das haben 18 bierkistengroße Gruben den Archäologen verraten, die das Gelände vor der Umgestaltung zum Gewerbegebiet untersuchen.

„Ich kenne einen solchen Bau bisher nicht“, sagte Chef-Archäologe Prof. Michael Baales vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Olpe) am Freitag voller Begeisterung. Quadratische Häuser seien wohl eine westfälische Eigenart in der Eisenzeit gewesen, die von 800 vor Christi bis zum Beginn unserer Zeitrechnung reichte. Im Rheinland habe man beispielsweise rechteckig gebaut, wie er anhand einer zeichnerischen Rekonstruktion zeigen konnte.

Winzige Indizien kündigen den großen Fund an

Um die Landesgeschichte voranzubringen, lässt Prof. Baales das künftige Baugelände von Archäologen der Firma Archbau sorgfältig absuchen. Nach ersten Suchschnitten im Spätsommer 2016 wurde für die nähere Untersuchung seit einigen Wochen das östliche Ende des Areals näher unter die Lupe genommen. Ein Bagger trug die oberste Bodenschicht ab, unter der die Fachleute anhand von winzigen Holzkohle- und Keramikresten die erfolgversprechenden Fundstellen erspähten.

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Fundort des Grundrisses eines Hauses aus der Eisenzeit in Wandhofen

Von wegen Langhäuser: Quadratisch ist der 2000 Jahre alte Grundriss eines germanischen Bauernhauses, den Archäologen im Wandhofener Bruch freigelegt haben. Die eher ungewöhnliche Form verdeutlicht regionale Unterschiede in der germanischen Architektur der Eisenzeit. Ein weiteres Highlight hat sich bereits angedeutet.
12.05.2017
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In der Region einmalig ist der vollständige Grundriss eines eisenzeitlichen Bauernhauses, den die Archäologen im Wandhofener Bruch freilegten. Die 18 fast im Quadrat angeordneten Gruben markieren die Standorte der hölzernenTragpfeiler.© Foto: Reinhard Schmitz
Ähnlich wie die zeichnerische Rekonstruktion aus dem Rheinland, die Prof. Michael Baales (M.) zeigte, könnte das eisenzeitliche Haus im Wandhofener Bruch ausgesehen haben.© Foto: Reinhard Schmitz
Mit Zollstock und Zeichenstift dokumentieren die Archäologen jede ihrer Fundstellen.© Foto: Reinhard Schmitz
Rätsel gibt die kreisrunde Fundstelle mit Resten von Feuer, Keramik und Reibsteinen den Archäologen noch auf. Sie wurde nicht nur fotografiert, sondern auch auf Millimeterpapier gezeichnet.© Foto: Reinhard Schmitz
"Das könnte ein absolutes Highlight werden", sagte Prof. Michael Baales über die erst in dieser Woche entdeckte kreisrunde Fundstelle mit Resten von Feuer, Keramik und Reibsteinen.© Foto: Reinhard Schmitz
Am östlichen Rand des künftigen Gewerbegebiets Wandhofener Bruch entdeckten die Archäologen den vollständigen Grundriss eines eisenzeitlichen Bauernhauses. Die 18 fast im Quadrat angeordneten Gruben markieren die Standorte der hölzernenTragpfeiler.© Foto: Reinhard Schmitz
Sieben solcher Suchschnitte ziehen die Archälogen durch einen Teil des Wandhofener Bruchs, der Funde aus alter Zeit vermuten lässt.© Foto: Reinhard Schmitz
Am östlichen Rand des künftigen Gewerbegebiets Wandhofener Bruch entdeckten die Archäologen den vollständigen Grundriss eines eisenzeitlichen Bauernhauses. Die 18 fast im Quadrat angeordneten Gruben markieren die Standorte der hölzernenTragpfeiler.© Foto: Reinhard Schmitz
In der Region einmalig ist der vollständige Grundriss eines eisenzeitlichen Bauernhauses, den die Archäologen im Wandhofener Bruch freilegten. Die 18 fast im Quadrat angeordneten Gruben markieren die Standorte der hölzernenTragpfeiler.© Foto: Reinhard Schmitz
Grabungsleiter Mirko Geisendorf (Fa. Archbau) zeigt eine der Gruben, in denen einst die hölzernen Pfeiler des eisenzeitlichen Bauernhauses standen.© Foto: Reinhard Schmitz
Fast quadratisch war der Grundriss des eisenzeitlichen Bauernhauses im Wandhofener Bruch, wie die Standorte der 18 Tragpfeiler verraten. Prof. Michael Baales vermutet, dass diese Bauart eine westfälische Besonderheit war.© Foto: Reinhard Schmitz
Noch bis Ende Mai werden die Archäologen im Wandhofener Bruch graben.© Foto: Reinhard Schmitz
"Das könnte ein absolutes Highlight werden", sagte Prof. Michael Baales über die erst in dieser Woche entdeckte kreisrunde Fundstelle mit Resten von Feuer, Keramik und Reibsteinen.© Foto: Reinhard Schmitz
In einer Obstkiste haben die Archäologen in ihrem Bauwagen die Keramikscherben gesammelt, die sie im Wandhofener Bruch gefunden haben. Es handelt sich allesamt um minderwertige Gebrauchskeramik für eine Saison.© Foto: Reinhard Schmitz
Von minderwertiger Gebrauchskeramik stammen die Scherben, die im Wandhofener Bruch gefunden wurden.© Foto: Reinhard Schmitz
Jeder Fundstelle wird vor dem Fotografieren genau bezeichnet.© Foto: Reinhard Schmitz
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„Das ist die unterste Standspur eines Pfostens“, erklärte Prof. Baales die dunkle Verfärbung am Rand des freigelegten Bodenlochs. Darin gefundene minderwertige Keramikscherben hätten dazu gedient, den Holzstamm im Erdreich zu verkeilen. „Das ist gebrannter Dreck“, erklärte er das Geschirr unter dem Pfosten. Es war wohl nur dazu gedacht, eine Gebrauchssaison auf dem Tisch zu überstehen.

Entdeckung könnte ein absolutes Highlight bedeuten

„Die Pfosten sind sehr eng gesetzt“, sagte Stadtplaner Adrian Mork: „Die Zimmer müssen sehr klein gewesen sein.“ Geschützt wurden sie von Außenwänden aus Spaltholz, die üblicherweise in einem flachen Graben rund um das Haus standen. Von dem ist allerdings keine Spur erhalten, weil er nicht so tief wie die Löcher der Pfeiler war. So verschwand er im Laufe der Jahrhunderte, als die oberste Bodenschicht durch Pflügen und Erosion völlig verändert wurde.

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Nach einer Generation – so Professor Baales – sei die Familie weitergezogen. Proben von Samen und Holzkohle werden Experten der Universität sogar noch verraten, welches Getreide die Anwohner aßen.

Ein großes Rätsel sind dagegen noch zwei erst in dieser Woche entdeckte Löcher mit Feuerresten. „Vielleicht haben sie hier ihre Toten verbrannt“, erklärte Professor Baales: „Das könnte ein absolutes Highlight werden.“

Neues Gewerbegebiet
Im Wandhofener Bruch entsteht ein 9,3 Hektar großes Gewerbegebiet für klein- und mittelständische Betriebe.
Für die Erschließung investiert die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna 2 Millionen Euro. Mit den Arbeiten für Kanal, Erschließungsstraße und Versorgungsleitungen soll noch in diesem Jahr begonnen werden.
Nach den Sommerferien soll auch die Vermarktung der Grundstücke starten. Es gibt schon Interessenten.

 

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