Fünf Backpacker aus Schwerte und Dortmund retten Hund in Neuseeland vor dem Einschläfern

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Abgemagert und verängstigt ist die Straßenhündin, als sie in Neuseeland fünf Backpackern aus Schwerte und Dortmund auffällt. Der Beginn einer Rettungsaktion, denn dem Tier droht der Tod.

Schwerte

, 28.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Die vier Schwerter Helena Eicher, Ida Loser, David Hoffmann und Niclas Schmidt und der Dortmunder Luca Schäfer sind gerade fast 18.500 Kilometer entfernt – auf der anderen Seite der Erdkugel. Die 18-Jährigen zog es nach dem Abi nach Neuseeland.

Als ihnen dort Ende 2018 ein völlig verwahrloster Straßenhund über den Weg läuft, bekommen sie Mitleid - und sie beschließen, das Tier zu retten. So beginnt eine komplizierte und auch kostspielige Rettungsaktion.

Verängstigt und abgehungert

Die fünf jungen Erwachsenen kennen sich aus der Schule oder vom Fußball beim Geisecker SV. Jetzt arbeiten und bereisen sie zusammen Neuseeland. Als sie gerade in Opotiki, einer kleinen Stadt auf der Nordinsel von Neuseeland mit weniger als 4000 Einwohnern arbeiten, finden sie einen kleinen Hund. „Er war völlig verängstigt, voller Zecken und abgemagert“, erzählt Helena im Gespräch via Skype: „Wir haben dann versucht, das Vertrauen des Hundes zu gewinnen, damit wir ihn mit in unsere Unterkunft nehmen und von den Zecken befreien konnten.“

Eine Nacht lassen sie den Hund bei sich übernachten und schließen ihn sofort ins Herz. „Wir konnten ihn nicht wieder aussetzen, aber einfach behalten geht ja auch nicht“, erzählt David. „Außerdem sind wir ja mit einem engen Van unterwegs und reisen. Das ist nicht gerade ideal, um einen Hund zu halten“, wirft Luca im Gespräch ein.

Auf eine Lösung kommen die 18-Jährigen, als sie bei der Internet-Recherche auf „Animal Control“ stoßen. Eine Tierschutzorganisation in Neuseeland, zuständig für gefundene Hunde. Die Schwerter und Dortmunder rufen dort an.

Fünf Backpacker aus Schwerte und Dortmund retten Hund in Neuseeland vor dem Einschläfern

Kuri - hier schon von Zecken befreit und aufgepäppelt. © Helena Eicher

„Zu diesem Zeitpunkt war gar nicht klar, ob der Hund jemandem gehört und weggelaufen oder tatsächlich ein Streuner ist“, erzählt Luca. „Der freundliche Herr von Animal Control hat uns aber trotzdem erklärt, dass der Hund eingeschläfert werden muss, wenn er niemandem gehört und nicht innerhalb von neun Tagen einen Besitzer findet.“

„Wir waren richtig schockiert, wir hatten vorher extra im Internet geguckt, dass wilde Hunde nicht einfach eingeschläfert werden“, erzählt Ida. „Wir haben aber vereinbart, dass wir einen Anruf bekommen, falls der Hund niemandem gehört.“

Worst-Case-Szenario

Wenige Tage später bekommen die fünf Backpacker einen Anruf: Der Hund gehört niemandem. Und damit beginnen in der Gruppe die Diskussionen. Sie wollen den Hund, nicht einfach aufgeben, aber sie können ihn nicht über die ganze Reise in ihrem Van halten. Erst fragen sie bei neuseeländischen Familien, die sie auf ihrer Reise kennengelernt haben. Aber niemand von ihnen kann einen Hund aufnehmen.

„Dann habe ich entschieden, dass ich den Hund jetzt nehme und nach Deutschland schicke“, erzählt Helena. Nach kurzer Rücksprache mit ihren Eltern ist klar: Beide sind einverstanden - der Hund soll in Schwerte bei Familie Eicher einziehen.

Mittlerweile wissen die fünf Abenteurer, dass der Hund eine Hündin ist. Sie nennen sie Kurī. In der Sprache der Maori, der Ureinwohner Neuseelands, heißt das Hund.

Woher sollen sie mehr als 2000 Euro nehmen?

Was noch nicht geklärt ist: die Finanzierung. Als die Gruppe sieht, wie viel ein Transport nach Deutschland kostet, müssen alle erstmal schlucken. Für die Registrierung, den Chip, den Tierarzt und den Transport nach Deutschland müssen mehr als 2000 Euro berappt werden.

„Geld, das wir zu diesem Zeitpunkt so einfach nicht hatten“, sagen Niclas und Luca, „wir haben den Hund also erstmal mitgenommen und zumindest die Registrierung und Impfungen aus eigener Tasche bezahlt.“ Eine Freundin in Deutschland kommt auf die Idee, das Geld online über Crowdfunding, eine Internet-Spendenplattform, zu sammeln.

Zwei Wochen mit einem Hund auf vier Rädern

Zwei Wochen lang leben sie mit ihrem neuen Hund auf engstem Raum in ihren Vans, während sie versuchen, das Geld für den Transport nach Deutschland aufzutreiben. „Wir haben ehrlich gesagt nicht daran geglaubt, dass das Geld zusammenkommt“, erzählt David.

Fünf Backpacker aus Schwerte und Dortmund retten Hund in Neuseeland vor dem Einschläfern

Streicheleinheiten im Van. © Helena Eicher

Aber bereits nach vier Tagen haben sie schon mehr als die Hälfte des Geldes zusammen. Erst spenden nur Freunde, Familie, alte Lehrer und ihr Fußballverein, der Geisecker SV. „Aber später kamen immer mehr unbekannte Namen dazu“, sagt Helena. „Man konnte den Spendenstand fast minütlich steigen sehen“, erzählt Niclas.

„Wir hätten nie damit gerechnet, dass das so schnell geht“, so Ida. Insgesamt sammeln sie so 1500 Euro. Den Rest zahlen die Fünf und Helenas Familie aus eigener Tasche. Außerdem helfen noch Ute Behrendt und Lennart Funk, zwei andere Rucksacktouristen aus Deutschland.

Hund in Deutschland – die Fünf wieder unterwegs

Kurī ist mittlerweile wohlbehalten in Schwerte angekommen. Am Samstag gab es ihr zu Ehren sogar eine Party in Schwerte: Die Eltern der fünf Abenteurer trafen sich.

Die fünf Backpacker hingegen sind noch in Neuseeland unterwegs: „Gerade sind wir in Greymouth. Hier gibt es nichts außer einer Tankstelle, einem McDonalds, einem Supermarkt und Mücken.“ Einer ihrer Vans hatte eine Panne und wurde abgeschleppt. Keine der Werkstätten im Ort ist geöffnet und sie sind in Greymouth gestrandet.

Die fünf wollen jetzt noch vom Süden an der Ostküste Neuseelands bis ganz hoch in den Norden fahren und das Land entdecken. Am Ende wollen sie noch einen Abstecher nach Australien und auf die Fidschi-Inseln machen und irgendwann im April oder Mai dann zurück nach Hause zu Kurī, ihren Freunden und ihrer Familie.

Fünf Backpacker aus Schwerte und Dortmund retten Hund in Neuseeland vor dem Einschläfern

Der gerettete Kuri mit seiner neuen Familie und den Eltern der Retter. Hinten v.l.: Steffi, Michael, Beate, Marion, Kai-Uwe und Silke. Sitzend: Andreas, Tanja, Hartmut mit Hund Toni, Vorne: Leokadia mit Kuri. © Manuela Schwerte

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