Gefährliche Schleichwege an der B236 in Schwerte - Hundebesitzer ärgert sich über Autos

rnVerbotene Abkürzungen

Stau auf der B236? Also über verbotene Wege? Dort entlang, wo nur Landwirte und Anlieger sein dürften? Das machen viele. Und es führe zu gefährlichen Szenen, ärgert sich ein Hundebesitzer.

Schwerte, Villigst

, 11.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die gefährlichsten Szenen habe es an der Brücke gegeben, erinnert sich Thomas Müller. Also unter der B236 zwischen Schwerte und Villigst, wo der Ruhrtalradweg in Richtung Gut Ruhrfeld und weiter nach Geisecke führt.

Und wo die Schilder eindeutig besagen: Hier dürfen Fußgänger und Radfahrer sein, aber keine Autos. Einzige Ausnahme: landwirtschaftlicher Verkehr. Also Traktoren, Erntegerätschaften, zudem der Landwirt im normalen Auto, der nachschaut, ob auf dem Feld alles richtig wächst.

Auf die Autos, die an diesem Nachmittag hierher fahren, trifft das nicht zu. Im Gegenteil. Einige Autos nehmen diese Abkürzung und halten bei den Gärten in Richtung Im Reiche des Wassers. Andere fahren einfach so hindurch und weiter rechtsab nach Schwerte oder linksab zur B236 und zur Villigster Ruhrbrücke.

Gefährliche Situationen für Hunde und Rollstuhlfahrer

„Hier bin ich gewesen und hatte den Hund zum Glück angeleint“, erinnert sich Müller. Auf dem Feldweg neben dem Ruhrtalradweg habe er gestanden, als ein Auto durchgerauscht sei in Richtung Gärten. Einen Meter weiter vorne - und das wäre es gewesen.

Ebenfalls unter der Brücke passiert: die gefährliche Situation, die seine Frau erlebt habe. Ingrid Müller sitzt im Rollstuhl, kann also nicht einfach an den Rand ausweichen. Ein Auto kam von vorne, ein zweites von hinten. „Die haben sie in die Zange genommen. Zum Glück bin ich gerade mit dem Fahrrad vorbeigekommen“, sagt Thomas Müller. Und Ingrid fügt hinzu: „Viele Autofahrer beschimpfen mich auf widerlichste Art.“

Eine verlockende, aber eben auch verbotene Strecke

Die Strecke ist verlockend - vor allem wenn die B236 dicht ist, vielleicht weil schon auch auf der A45 nichts mehr geht und sich der Verkehr durch Ergste und Schwerte quält.

Dann einfach schnell links raus, entweder geradeaus zur Schwerter Innenstadt oder nach rechts, um zur Schützenstraße und nach Geisecke zu kommen? Sehr verlockend, aber eben auch streng verboten.

Mit vielen Autofahrern habe er schon gesprochen, behauptet Thomas Müller. Er kenne die Reaktionen: „Manche werden auch noch frech. Letztens hat einer dann extra Gas gegeben und schön viel Staub aufgewirbelt, um zu zeigen, was er davon hält.“

Andere seien einsichtiger, manche aber auch einfach kalkulierend: Neulich habe ihm einer ganz dezidiert vorgerechnet, wie viel Zeit er durch den verbotenen Schleichweg spare. Und wie viel Geld. Deutlich weniger Benzin sei das. Und selbst wenn man einmal erwischt werde von der Polizei - das koste ja kaum was.

15 Euro Bußgeld für Autos und Motorräder, 20 Euro für Autos mit Anhänger, für Wohnmobile oder Über-3,5-Tonner. Mehr drohe ja erst einmal nicht. Das bestätigt auch die Polizei.

Gefährliche Schleichwege an der B236 in Schwerte - Hundebesitzer ärgert sich über Autos

Hierher düfte kein Auto fahren. Soweit die Theorie. © Björn Althoff

Die Polizei kontrolliert, wenn die personelle Situation das hergibt

„Wenn die Stelle bekannt ist, können wir das auch kontrollieren“, sagt Thomas Röwekamp, Sprecher der Polizei im Kreis Unna. Aber fügt hinzu: Wenn es denn die personellen Resourcen zuließen. Mit anderen Worten: Wenn nichts anderes Dringenderes zu tun sei.

Ohnehin findet Müller: Ein Polizeiauto könne man auf dem Feldweg schon von weitem sehen. Er habe schon erlebt, dass ein Autofahrer die Polizei gesehen habe, schnell abgebogen sei, angehalten habe - und dann halt zwei Minuten später den verbotenen Weg gefahren sei. Als die Polizei eben schon weg gewesen sei.

Nichtsdestotrotz bittet Polizei-Sprecher Röwekamp: Fußgänger sollten gefährliche Situationen schon melden. Denn wenn Gefährdung anderer oder sogar Nötigung vorliege, dann könne das schnell auch deutlich größere Folgen haben als einen Bußgeldbescheid über 15 Euro.

Gefährliche Schleichwege an der B236 in Schwerte - Hundebesitzer ärgert sich über Autos

Über die Brücke und durch den Tunnel dürften nur Landwirte fahren. Wobei die auch erklären: Das sei doch für die meisten Gerätschaften viel zu eng. © Björn Althoff

Müller will sich auch an das Ordnungsamt wenden

Thomas Müller jedenfalls will dranbleiben. Und sich auch an das städtische Ordnungsamt wenden: Könne vielleicht auch das hier verstärkt kontrollieren? Gäbe es die Möglichkeit, Poller zu setzen, die die Landwirte dann ja hinausnehmen könnten, wenn sie dort entlang fahren können?

Zu diesem Punkt immerhin hieß es von Seite der Landwirte: Theoretisch ja, das sei aber schwer umsetzbar. Denn ob man den Poller immer wieder sofort zurückstecken würde? Dafür bliebe manchmal gar keine Zeit.

Andererseits: Mit großem landwirtschaftlichem Nutzfahrzeug unter der Brücke hindurch? Mit einem Auto könne man den Weg unter der B236 sicher fahren. Aber mit größerem Gefährt? Das sei doch zu eng.

Autos hingegen passen hindurch. So wie dieses eine Auto, das kurz vorher noch vor einem der Kleingärten stand und jetzt offenbar über den verbotenen Weg zurückkehrt. Immerhin zeigt diese Fahrerin, dass es auch anders geht. Sie hält an, lässt erst die Radfahrer und Fußgänger vorbei und fährt dann langsam weiter.

Gefährliche Schleichwege an der B236 in Schwerte - Hundebesitzer ärgert sich über Autos

Verboten - außer für Landwirte, die auf dem Feld ertwas zu tun haben. So steht es deutlich lesbar an dieser Stelle des Ruhrtalradwegs. © Björn Althoff

Straßenverkehrsordnung

Wie schnell darf ich auf dem Feldweg sein? Wann bin ich Anlieger?

Auf Feldwegen gilt laut Straßenverkehrsordnung kein Tempolimit. Allerdings darf man andere nicht gefährden. Passiert etwas, kann es dann teuer werden. Als „Anlieger“ gelten grob gesagt alle, die selbst Bewohner oder Eigentümer der Grundstücke an der Straße sind - oder diejenigen, die mit ihnen in Kontakt treten wollen. Also auch Lieferanten, Geschäftskunden, Arbeitnehmer und Besucher. Es gibt also eine große Grauzone.
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt