70 Jahre nach ihrer Entlassung aus der damaligen Feldschule (später: Kardinal-von-Galen-Schule) kamen 14 Ehemalige zum Klassentreffen in der Gaststätte Zum Rathaus zusammen. © Reinhard Schmitz
Klassentreffen in Schwerte

Geheimnis fürs Altwerden: „Rennfahrersuppe“ und Rosinen in der Schule

Die Feldschule gibt es nicht mehr. Sie ist nur noch ein Unterrichtsgebäude des Bährens-Gymnasiums. Ehemalige Schüler treffen sich 70 Jahre nach der Entlassung immer noch. Sie wissen, warum.

Undenkbar wäre das gewesen. Dicht nebeneinander sitzen die Herren und die Damen um die extra für sie zusammengeschobenen Tische in der Gaststätte.

Streng getrennt in eine Jungen- und eine Mädchenklasse paukten sie einst in der damaligen Feldschule (später: Kardinal-von-Galen-Schule), wo sie vor 70 Jahren ihre Entlassungszeugnisse in Empfang nahmen. Um dieses Jubiläum noch einmal zu feiern, waren sie am Samstag (9.10.) im Restaurant Zum Rathaus zusammengekommen.

Elsbeth Meyer hatte die Adressen der Schulkameraden recherchiert

Von den früher rund 80 Schulkameraden waren 14 der Einladung gefolgt. Die weiteste Anreisen kamen aus Düsseldorf und Oberhausen, da die meisten ihrer Heimat immer treu geblieben sind. „Wir hatten keine Lust, auszuwandern“, hieß es aus der munteren Runde, die beim Mittagessen à la carte die Gabeln klappern ließ.

Das Gebäude der früheren Feldschule, die später in Kardinal-von-Galen-Schule umbenannt wurde, wird vom Friedrich-Bährens-Gymnasium mitbenutzt.
Das Gebäude der früheren Feldschule, die später in Kardinal-von-Galen-Schule umbenannt wurde, wird vom Friedrich-Bährens-Gymnasium mitbenutzt. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Das war auch gut so, als Elsbeth Meyer aus Schwerte-Ost sich vor zehn Jahren daransetzte, die Adressen aller Ehemaligen herauszufinden. Seitdem organisiert sie die Klassentreffen regelmäßig einmal im Jahr: „Wir legen großen Wert darauf.“ Eine so lange Pause wie nach dem allerersten Wiedersehen vor 50 Jahren gibt es nicht mehr. Das fand übrigens in dem schon lange abgerissenen Ausflugslokal Haus Emde auf der Schwerterheide statt.

Einen Lehrerschreck wie Pepe Nietnagel gab es in den Klassen nicht

Die Frauen sehen sich sogar noch häufiger. Bis Corona sie bremste, sah man sie im Zwei-Monats-Rhythmus jeweils am dritten Mittwoch im Eiscafé Mattiuzzi am Bahnhof. Ab Januar soll diese Tradition jetzt wieder aufleben. Dann kann wieder regelmäßig erzählt werden von der Klassenlehrerin „Fräulein“ Wöste und vom Rektor Fischer.

Von Schülerstreichen wie in den Paukerfilmen um Lehrerschreck Pepe Nietnagel ist dagegen nichts zu hören. „Wir waren anständig. Bei uns brauchte nicht geschimpft zu werden“, verlautete es aus der Gruppe. Und außerdem: „Früher war mehr Respekt da.“

Zu einem Thema konnte so gut wie jeder etwas beitragen: Die Schulspeisung, mit der die Amerikaner nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs deutsche Kinder aufpäppelten. „Wir waren solche dünnen Kinder“, berichtete eine Ehemalige und fuhr mit den eng zusammenlegten Armen, zwischen die vielleicht gerade mal eine Zigarrenkiste passen würde, nach oben und unten.

Ja, die Schulspeisung, diese Suppen, die in großen Fässern angekarrt wurden: „Wir hatten immer einen Henkelmann, da kriegten wir einen Schlag rein.“ Einen Nachschlag gab es leider nicht.

„Durch die Schulspeisung werden wir alle so alt“

Besonders beliebt – da war man sich einig – war die süße Suppe mit Rosinen. An der „Rennfahrersuppe“, einer Art Erbsensuppe, schieden sich dagegen die Geister. Wie dem auch sei. „Ich glaube, durch die Schulspeisung, Leute, da werden wir alle so alt“, sagte Anita Salm.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
Zur Autorenseite
Reinhard Schmitz