Gerda Kirchhoff gründet in Schwerte eine Gruppe für Schlaganfall-Patienten und Angehörige

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Nach einem Schlaganfall ändert sich vieles für Betroffenen und Angehörige. Helfen kann der Austausch mit anderen, das Gleiche erleben. Deshalb möchte Gerda Kirchhoff eine Gruppe gründen.

Schwerte

, 17.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Schlaganfall ist noch immer die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Doch auch für diejenigen, die überleben, ist das Leben nach diesem Schlag aus dem Nichts nicht mehr wie zuvor.

Ebenso wenig für die Angehörigen. Dass es da hilft, wenn man sich mit anderen Betroffenen austauschen kann, weiß Gerda Kirchhoff nur zu gut. Ihr Mann Friedhelm Kirchhoff erlitt vor 13 Jahren einen Schlaganfall (damals 56). Ihre Schwester im vergangenen Jahr mit erst 48 Jahren. Jetzt möchte sie in Schwerte eine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe ins Leben rufen - für Betroffene und Angehörige gleichermaßen.

Schlaganfall-Patienten ändern sich

Gleich, welche Folgen der Schlaganfall letztlich hat, die Patienten würden sich auch vom Wesen her verändern, sagt Lothar Störmann, Chef des Kreisverbands Schlaganfall Selbsthilfegruppe Kreis Unna. „Du hast jetzt jemand anderen bei Dir zu Hause“, habe ihm damals ein Arzt nach der Erkrankung seiner Ehefrau gesagt. „Du kriegst nicht den wieder, den Du kanntest, sondern jemand neuen.“

Damit müsse man auch erstmal umgehen lernen. Auch sei es nicht immer einfach, den Partner anzuhalten, seine Übungen zu machen, Sprache oder Motorik regelmäßig zu trainieren.

Man muss immer der Motivator für den anderen sein, das kostet Kraft, das wissen Gerda Kirchhoff und Lothar Störmann nur zu gut. Auch seine Ehefrau Brigitte Schöbl-Störmann erlitt 2012 einen Schlaganfall. Seitdem betreut er sie, sie ist gehbehindert. Und nie frage mal jemand, wie es eigentlich dem pflegenden Partner geht. „Muss ja immer irgendwie“, sagt Lothar Störmann.

Dabei sei es auch gerade für sie oft schwierig, müssen sie doch alles schultern und regeln. Und dabei ihr ganzes Leben auf den kranken Partner abstimmen.

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Der Freundeskreis zieht sich zurück

Oft passiert das zunehmend im Hintergrund. „Denn Schlaganfall-Patienten ziehen sich oft in sich zurück“, erklärt Lothar Störmann. Weil sie mit ihrem Schicksal hadern oder sich mit ihren Beeinträchtigungen nicht in die Öffentlichkeit trauen.

Friedhelm Kirchhoff wurde sogar einmal von einem Busfahrer nicht mitgenommen, weil er ihn wegen seiner Sprachstörung für einen Betrunkenen hielt. „Aber nur zu Hause sitzen, wollen auch Partner nicht,“ so Lothar Störmann.

Gerda und Friedhelm Kirchhoff haben auch die Erfahrung gemacht, dass der Freundeskreis nicht mit der Krankheit umgehen kann. „Die Freunde waren plötzlich alle weg.“

Selbsthilfe

Interessierte können sich hier melden

Susanne Götze sammelt bei der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe des Kreises Unna (KISS) die Interessierten für eine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe in Schwerte unter Tel. (02304) 24070-22.

Seit vielen Jahren sind Gerda und Friedhelm Kirchhoff bereits in Unna in einer Selbsthilfegruppe der Schlaganfallhilfe engagiert. Dort fanden sie neue Freunde, die sie und ihre besondere Situation verstanden haben. Eine solche Gruppe möchte Gerda Kirchhoff jetzt auch in Schwerte aufbauen.

Es soll ein lockerer Zusammenschluss für erwachsene Schlaganfall-Patienten und ihre Angehörige werden. „Die Gruppe soll Raum für Erfahrungsaustausch bieten, es sollen Ratschläge ausgetauscht werden und die Mitglieder sollen sich auch gegenseitig unterstützen“, sagt Gerda Kirchhoff.

Sobald sich einige Interessierte gefunden haben, wird ein erstes Treffen arrangiert, dann kann die Gruppe entscheiden, wie sie sich aufstellen möchte. Denkbar sind Gesprächsrunden, Spielenachmittage und mehr.

Das sind die Symptome für Schlaganfall

  • Sehstörung
  • Sprach-, Sprachverständnisstörungen

  • Lähmung, Taubheitsgefühl

  • Schwindel, Gangunsicherheit

  • Sehr starker Kopfschmerz
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