Massiver Abbau bei Hundhausen: 105 Mitarbeiter müssen gehen

rnInsolvenzverfahren beantragt

Im Mai hatte die Gießerei Walter Hundhausen ein Insolvenzverfahren beantragt. Seitdem wird nach einem Käufer gesucht. Dafür soll das Unternehmen ertragreicher gemacht werden.

Schwerte

, 25.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als jeder fünfte Beschäftigte muss gehen. Auch die Gießerei Walter Hundhausen steht vor einem massiven Personalabbau. „105 Beschäftigte haben das Angebot bekommen, in eine Transfergesellschaft zu wechseln“, bestätigt Betriebsrats-Vorsitzender Reinhard Pilk.

Derzeit seien in dem Unternehmen am Ostendamm – ohne Auszubildende – noch 484 Kolleginnen und Kollegen beschäftigt. Der Personalabbau betreffe querbeet alle Bereiche. Manche der Betroffenen seien erst fünf Jahre im Betrieb, andere schon über 30 Jahre.

Statt drei gibt es künftig nur noch zwei Arbeitsschichten am Tag

„Wir planen eine zweischichtige Fahrweise“, erklärt Pilk den Hintergrund der Maßnahme. Die dritte Schicht wird abgebaut, die damit verbundenen Randbereiche – auch die Verwaltung – werden entsprechend angepasst.

Damit sei man kostengünstiger aufgestellt, um der schwächeren Auftragslage gerecht zu werden. Nach dem Ende der Betriebsferien soll die Produktion am 3. August wieder starten.

Die Hundhausen-Belegschaft muss kräftig schrumpfen: 105 der 484 Mitarbeiter sollen in eine Transfergesellschaft wechseln. Künftig soll nur noch zweischichtig gearbeitet werden.

Die Hundhausen-Belegschaft muss kräftig schrumpfen: 105 der 484 Mitarbeiter sollen in eine Transfergesellschaft wechseln. Künftig soll nur noch zweischichtig gearbeitet werden. © Reinhard Schmitz

„So schwer es fällt, müssen wir den Blick auf eine fortführungsfähige Mannschaft haben“, sagt Reinhard Pilk. „Das macht keinen Spaß“, ergänzt Jens Mütze, Geschäftsführer der zuständigen Industriegewerkschaft (IG) Metall in Hagen. Beide sind aber überzeugt, mit dem Transfer-Angebot das Maximale für die vom Arbeitsplatzverlust betroffenen Kollegen herausgeholt zu haben.

Nach Dauer der Betriebszugehörigkeit sollen sie bis zu elf Monate lang in der Transfergesellschaft bleiben können. Dort erhielten sie je nach familiärer Lage 60 oder 67 Prozent ihres früheren Gehalts als Transfer-Kurzarbeitergeld. „Zusätzlich wurde eine Aufstockung um 20 Prozent vereinbart“, berichtet Pilk.

Erfahrene Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft ausgewählt

In erster Linie sei es aber der Sinn der Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft, den Mitarbeitern einen besseren Übergang in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen, betont Jens Mütze. Mit der BOB-Transfer (Motto: „Mit BOB zum Job“) aus Essen sei eine erfahrene Transfergesellschaft ausgewählt worden.

Wie in vielen Betrieben der Branche – so erläutert Betriebsrat Pilk – gebe es auch bei Hundhausen viele an- und ungelernte Kräfte, die man auf diese Weise qualifizieren wolle: „Die Kollegen sollen eine Chance haben“, zumal die Arbeitsplatzsuche derzeit wegen der Coronakrise schwer sei. Die Transfergesellschaft werden aus der Unternehmensmasse bezahlt.

Seit 100 Jahren prägen die Anlagen der Firma Hundhausen das Gelände nördlich vom Bahnhof Schwerte.

Seit 100 Jahren prägen die Anlagen der Firma Hundhausen das Gelände nördlich vom Bahnhof Schwerte. © Reinhard Schmitz

Bis Montag, 27. Juli, haben die 105 Kollegen noch Zeit, das Angebot anzunehmen. „Sonst werden sie betriebsbedingt gekündigt“, sagt Reinhard Pilk auf Nachfrage. Und zwar mit den insolvenzbedingten Fristen von nur drei Monaten.

Andererseits sei eine Zustimmungsquote von 90 Prozent der Betroffenen erforderlich, damit die Transfergesellschaft zustande kommt. Wer nach deren Auslaufen noch keinen neuen Job gefunden habe, bekomme Arbeitslosengeld, das sich nach seinem alten Hundhausen-Verdienst berechne.

Suche nach einem Käufer für das Unternehmen erleichtern

Mit dem Personalabbau – so der Betriebsrats-Vorsitzende – werde die Gießerei ertragreicher. Damit verbunden ist die Hoffnung, erfolgreich einen Käufer für das Unternehmen zu finden, das im Mai einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt hatte: „Gießen können wir!“

Und Jens Mütze ist überzeugt: „Die Produkte haben auf dem Markt eine absolute Daseinsberechtigung und Zukunft.“

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Nachdem die Konjunktur bei den Hauptkunden aus dem Nutzfahrzeugbau schon Ende 2019 ins Schwächeln geraten war, hatte die Coronakrise im Frühjahr Hundhausen noch mehr zugesetzt. „Im April hatten nahezu alle Kunden ihre Werkstore geschlossen“, erklärt der Betriebsrat: „Wir hatten keine Abnehmer.“

Mittlerweile sei „die Lockdown-Geschichte vorbei“, auch wenn die Konjunktur noch nicht wieder laufe wie vorher. Für den zweischichtigen Betrieb gebe es eine gleichbleibende Tonnage, die Planung für das nächste Jahr laufe.

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