Granulat auf Kunstrasenplätzen - Droht ein Verbot? Wie ist der Stand in Schwerte?

rnUmweltverschmutzung

Wie geht es weiter mit den Kunstrasenplätzen in Schwerte? Müssen die Vereine bald das Kunststoff-Granulat absaugen und austauschen? Das beschäftigt jetzt auch die Mitarbeiter im Rathaus.

Schwerte

, 28.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es begann als alarmierende Meldung: Aus Umweltgründen könnte das Granulat, das auf Zigtausenden Kunstrasenplätzen in Deutschland liegt, bald verboten werden. Bei der Europäischen Union gebe es Überlegungen, den Kunststoff zu verbieten, weil der als Mikroplastik im Meer lande. So zumindest schrieb es die „Welt“.

Kosten von etlichen tausend Euro für kleine Vereine? Bei vielen hinterließ das Panik, bei vielen zumindest Fragezeichen. So auch bei den Linken in Schwerte. Deshalb wollten sie es nun genauer wissen und stellten im Sportausschuss einen Antrag: Die Stadtverwaltung möge doch bitte kurzfristig überprüfen, inwieweit Schwertes Fußballplätze davon betroffen seien:

  • Wird hier das bedenkliche Granulat verwendet?
  • Wie teuer wäre es, dieses Granulat gegen etwas Umweltfreundlicheres auszutauschen?
  • Falls es notwendig ist: Bitte, liebe Stadt Schwerte, tauscht dann aus.

Kurzfristige Antwort - oder eher abwarten?

Generell gab es Lob für die Anfrage von den anderen Parteien: „Vielen Dank für die weitsichtige Fragestellung“, sagte Bruno Heinz-Fischer von den Grünen. „Der Antrag ist gut“, stimmte Hans-Georg Rehage (CDU) zu.

Was ihn jedoch störte: erstens die sofortige und vorauseilende Bitte um Austausch, zweitens das Wort „kurzfristig“, das die Linken eingebaut hatten.

Das wiederum deckte sich mit dem, was Hans Haberschuss (SPD) erklärte: „Ein kurzfristiger Austausch wäre zu früh. Lassen Sie uns doch abwarten, was überhaupt passiert.“

„Weiß man eigentlich schon, gegen was man austauschen soll?“, wollte Werner Rosener (WfS) wissen.

Bestandssicherung für die alten Fußballplätze

Und so wurde in der Diskussion schnell deutlich: Alle wollen das Thema auf dem Zettel haben. Etwas Definitives wusste allerdings noch niemand.

Bürgermeister Dimitrios Axourgos unterstrich: „Sobald die Regelung auf EU-Ebene vorliegt, können wir die Fragen auch beantworten.“ Sein Stellvertreter im Rathaus, Hans-Georg Winkler, fügte hinzu: Bisher deute sich wohl eine Bestandssicherung für bestehende Kunstrasenplätze an.

Für neue Kunstrasenplätze sieht das anders aus

Das bestätigt auch Peter Schubert, der Vorsitzende des Schwerter Stadtsportverbands. Er musste direkt nach der Ausschusssitzung zu einer Info-Veranstaltung, auf der auch das Granulat Thema gewesen sei, berichtet er.

Demnach greife das Granulat-Verbot offenbar nur bei der Sanierung oder Neuerrichtung von Kunstrasenplätzen. Die Rede sei von einer längeren Übergangsfrist.

Wie genau der aktuelle Stand ist, will die Stadt dennoch in Erfahrung bringen - und dann in einigen Monaten den Politikern berichten. „Was die Zielrichtung angeht, sind wir da völlig einer Meinung“, unterstrich Bürgermeister Axourgos.

FDP-Politikerin wünscht sich Übergangsfrist bis mindestens 2028

Eine Übergangsfrist bis mindestens 2028 wünscht sich auch die Schwerter FDP-Politikerin Susanne Schneider, die im Landtag in Düsseldorf sitzt. „Eine kurzfristige Sperrung der Kunstrasenplätze würde den Trainings-und Spielbetrieb vielerorts zum Erliegen bringen und Vereine als Sportanlagenbetreiber vor ein großes finanzielles Risiko stellen“, sagt sie. Mit einer Übergangsregelung und der Suche nach einer umweltfreundlicheren Alternative, will die FDP in Regierungsverantwortung den Druck auf den Sport mindern. „Damit werden die Interessen von Sport und Umweltschutz gleichermaßen gewahrt“, erklärt Schneider.

Bei der Umstellung auf alternative Füllstoffe wolle das Land NRW den Kommunen, Sportvereinen und Verbänden künftig beratend helfen. Landesseitige Förderungen erfolgen bereits heute nur noch für Kunstrasenplätze mit umweltfreundlichen Materialien.

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