Gründe für die Schließung der Bäckerei Sondermann an der Bahnhofstraße

rnGeschäfts-Aufgabe

Morgens noch geöffnet, nachmittags ein Zettel im Schaufenster „Ab sofort geschlossen“. Das sei gar nicht so ungewöhnlich, sagt ein Unternehmenssprecher.

Schwerte

, 21.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Donnerstag, 20. August, klebte in der Fensterscheibe der Bäckerei-Filiale Sondermann-Brot an der Bahnhofstraße in Schwerte plötzlich ein Zettel. Darauf stand: „Ab sofort geschlossen“.

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Noch am Morgen des 20. August hatte die Filiale laut Bernhard Druffel, Sprecher der Immobilien- und Standortgesellschaft der Bahnhofstraße in Schwerte, geöffnet. Auch er war überrascht von der Schließung: „Das muss ganz frisch sein“, sagte er gegenüber der Redaktion am Donnerstagnachmittag.

Mit Absicht plötzlich geschlossen?

Und warum so plötzlich? Die Schließung der Schwerter Filiale mitten im Monat habe damit zu tun, dass die Mitarbeiter der Filiale sich etwas Neues gesucht hätten. „Dem wolle man auch nicht im Weg stehen“, sagt Thomas Schulz von der Firma „tsc.komm - Kommunikation meistern“.

Dass eine Bäckerei oder eine Filiale plötzlich geschlossen ist, sei keine Seltenheit. Anders sehe das bei Textilgeschäften aus. Die könnten ihre Waren aus dem Lager abverkaufen. „Brötchen macht man jeden Tag. Bei einer frühen Ankündigung kommen die Leute die letzten Tage dann gar nicht mehr“, so Thomas Schulz.

Neu-Aufstellung geplant

Aber was steckt denn nun noch hinter der Schließung? In einer Pressemitteilung von Sondermann-Brot steht geschrieben: „Die Geschäftsleitung der mehrfach ausgezeichneten Sondermann-Brot strafft die Struktur der mittelständischen Unternehmensgruppe und stellt den Bäckereibetrieb neu auf.“ Die Pressemitteilung ging am 9. August 2020 raus.

Plötzlich hing ein Zettel im Fenster bei Sondermann-Brot.

Plötzlich hing ein Zettel im Fenster bei Sondermann-Brot. © Laura Schulz-Gahmen

Im Einzelhandelsbereich sollen die Strukturen gestrafft werden und gleichzeitig die Dienstleistungen im Großhandel weiter gefestigt und ausgebaut werden. Künftig wolle Sondermann mit 50 bis 60 Filialen und rund 450 Beschäftigten einen Umsatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich erwirtschaften.

Und warum das Ganze? Die Umstrukturierung kommt nicht ganz überraschend, denn das Unternehmen hatte bereits im Jahr 2018 Insolvenz angemeldet: Der Geschäftsbetrieb der Unternehmensteile, über die im November 2018 bereits ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde, müsse eingestellt werden. Darüber habe der gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter die Vermieter und Mitarbeiter in

den vergangenen Wochen informiert und entsprechende Verträge gekündigt.

Corona hat für den Rest gesorgt

Die Auswirkungen der Corona-Krise habe dann für den Rest gesorgt. Denn die Umsätze, denn die Umsätze für den bis dahin stabilen Geschäftsbetrieb der insolventen Bereiche, seien darauf hin verloren gegangen.

„Selbstverständlich hielten und halten wir das Tarifwerk des Manteltarifvertrages

ein und zahlen branchenübliches Entgelt“, heißt es weiter. Der Geschäftsführer Hermann Sondermann erklärte in der Pressemitteilung: „Wo immer möglich wollen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus diesen Gesellschaften die Chance auf einen neuen Arbeitsplatz mindestens zu den bisherigen Konditionen geben.“

Schwerter Filiale war eigentlich nicht von Insolvenz betroffen

Als der Insolvenzantrag im Jahr 2018 beim Amtsgericht Siegen einging, führte das Unternehmen noch 110 Filialen. „Derzeit betreibt Sondermann noch zwischen 80 und 90 Filialen“, so Schulz. Die Filiale in Schwerte sei nicht von dem insolventen Gesellschaften aus 2018 betroffen gewesen. Dennoch wird sie geschlossen.

Derzeit stehe ein Verwalter mit den Vermietern aller Filialen in Gesprächen. Viele Verträge seien zum 30. August oder zum 30. September gekündigt. Die Filiale in Schwerte wird nicht wieder öffnen. Es werden keine neuen Mitarbeiter eingestellt.

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