Güterhalle soll Treffpunkt für Jugendliche und Stadtpark-Szene werden

Schwerter Güterhalle wird zum „Gleis 7“

Die alte Güterhalle an der Margot-Röttger-Rath-Straße in Schwerte soll eine Anlaufstelle werden: Für Jugendliche, für Theaterbesucher - und für die Stadtpark-Szene. So wollen Sozialarbeiter, Stadt und Studio 7 die ungewöhnliche Kombi möglich machen.

Schwerte

, 24.02.2018, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Bauwagen von Faktor Ruhr rattert vor die alte Güterhalle am Ende der Margot-Röttger-Rath-Straße, in der der Verein für soziale Integrationshilfen, die Bürgerstiftung Rohrmeisterei, die Ruhrakademie und die Rohrmeisterei viel Potenzial sehen.

Der Bauwagen von Faktor Ruhr rattert vor die alte Güterhalle am Ende der Margot-Röttger-Rath-Straße, in der der Verein für soziale Integrationshilfen, die Bürgerstiftung Rohrmeisterei, die Ruhrakademie und die Rohrmeisterei viel Potenzial sehen. © Reinhard Schmitz

Die Graffiti-Szene hat die Backsteinwände längst für sich entdeckt. Mopedfans nutzten den Schutz des Vordachs für Reparaturarbeiten. Und im Sommer feierten sogar bis zu 60 Jugendliche an der Rampe ihre Partys. Ohne dass es jemanden gestört hätte. Abseits des öffentlichen Treibens, aber dennoch gut erreichbar in Bahnhofsnähe schlummert die alte Güterhalle an der Margot-Röttger-Rath-Straße vor sich hin.

„Sie wartet darauf, bespielt zu werden“, sagt Straßensozialarbeiter Peter Blaschke. Mit einer „vielleicht einzigartigen Kombination“ von Jugendarbeit, kulturellem Experiment und sozialer Fürsorge für die Stadtparkszene. Und zwar, ohne die bisherigen Nutzer zu vertreiben, die mittlerweile sogar mit dem offiziellen Segen der Stadt ihre Farben auf die Schuppenwände sprühen dürfen.

Jugendhalle, Theaterprojekte, Filmvorführungen

„Die Szene erhalten, aber in Bahnen lenken“, nennt Sozialarbeiter Felix Driller (Faktor Ruhr) das Angebot für die „jungen Wilden der Stadt“. Im Blick sind dabei auch die Skater von der Rohrmeisterei, die sich bei schlechtem Wetter in die Halle zurückziehen könnten. Deren Potenzial hat zudem das Theaterprojekt Studio 7 erkannt. Man könne nicht mehr einfach darauf warten, dass die Zuschauer in die eigenen Säle kommen, sondern müsse sich auf Experimente einlassen, sagt der Schauspieler Simon von Oppeln-Bronikowski. Und die Ruhrakademie möchte – so Dozent Daniel Pauls – den Ort für Filmdokumentationen und Vorführungen nutzen.

Neben den Jugendlichen hat Peter Blaschke die bis zu 60 Erwachsenen im Blick, die aus den verschiedensten Gründen den Stadtpark zu ihrem Treffpunkt gemacht haben. „Sie suchen eine Anlaufstelle“, weiß er: „Das wollen wir hier umsetzen.“ Räumlich getrennt von der großen Jugendhalle, in den angebauten ehemaligen Sozialräumen der Eisenbahner, möchte er „ein Refugium schaffen“ mit sanitären Einrichtungen, Dusche und Küche, ergänzt durch Beratungsangebote.

Bis dahin bleibt aber noch einiges zu tun. Seit die Stadt die Güterhalle zusammen mit weiteren Schuppen entlang der Gleise vor Jahren von der Bahn gekauft hat, gibt es dort weder Wasser noch Strom. Vorsorglich hat Stadtplaner Adrian Mork aber beim Ausbau der Margot-Röttger-Rath-Straße Leerrohre zum Gebäude verbuddeln lassen, durch die die Anschlüsse relativ einfach wieder hergestellt werden können. Reparaturen am Dach müssen sowieso vorgenommen werden, weil die Bahn die Halle bis 2019 gemietet hat, um dort Material für den Bahnhofsumbau zu lagern. Zudem wird auf Zuschüsse aus der Städtebauförderung gehofft.

Noch nutzt die Bahn die Güterhalle

Der Güterschuppen, der noch aus der Kaiserzeit stammt, gehört laut Mork zu den ältesten Gebäuden des Bahnhofsumfelds. Er war ursprünglich erheblich größer, wurde aber im Zweiten Weltkrieg teilweise zerbombt. Als die Bahn die Halle nicht mehr zum Umladen von Stückgut brauchte, wurde sie in den 1970er-Jahren zum Ladenlokal der Fruchtbörse Limberg. Nachdem die 1989 zur Hagener Straße weiter zog, begann der Dornröschenschlaf.

Jetzt baut die Bahn für Materiallieferungen sogar das Ladegleis zur Rampe wieder auf. Als „Gleis 7“ soll es dem Jugendprojekt seinen Namen geben. Morks Traum ist es, dort später einen ausgedienten Eisenbahnwaggon für Film- und Kinoprojekte aufzustellen.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt