Hans Roh restauriert alte Motorrad-Schätze

Simson und Schwalbe

Hans Roh und die motorisierten Zweiräder - das ist die Geschichte einer lebenslangen Partnerschaft. Der 78-Jährige restauriert alte Motorräder und Mopeds in seiner Garage und fährt sie seit seinem 16. Lebensjahr. Diese Leidenschaft hat ihm sogar die Flucht aus der DDR ermöglicht.

HOLZEN

, 03.05.2016 / Lesedauer: 3 min

Ein paar Rahmenteile aus Metall, kaum als Motorrad zu erkennen. Diesen Ur-Zustand zeigen nur noch Fotos auf dem Küchentisch des Reihenhauses Am Steinbach. Chromblitzend und mit spiegelndem Lack präsentiert Hans Roh nebenan in der Garage seine Zweirad-Schätze.

Dicke Staubschicht

Jedes der Modelle, die der 78-Jährige restauriert hat, kann seine eigene Geschichte erzählen. Die „Schwalbe“, 1982 bei den Simson-Werken in Suhl gebaut, entdeckte er beispielsweise in einem Holzschuppen in Thüringen. Unter dicken Schmutzschichten war nicht einmal mehr zu erkennen, aus welchem Material ihre Felgen gefertigt waren.

„Erst beim Saubermachen habe ich festgestellt, dass sie aus Aluminium sind“, berichtet der Holzener. Teil für Teil baute er das Moped auseinander, um es wieder fit zu machen – sogar alltagstauglich. „Mein Schwiegersohn ist damit zur Arbeit gefahren“, erzählt Roh: „Die ist sehr schnell, geht 70 Klamotten.“

Neue Lackierung

Ein seltenes Stück ist das Schwestermodell Simson Enduro. „Das ist so eine Cross-Karre“, erklärt der Zweirad-Fan. Der Vorbesitzer habe sie nicht mehr haben wollen: „Die war ganz verkommen.“ Das i-Tüpfelchen auf die erfolgreiche Aufarbeitung war der neue Lack auf Tank und Motordeckel.

Die Simson-Maschinen stammen zwar aus Rohs Thüringer Heimat, gefahren hat er sie dort in seiner Jugend allerdings nie. Als er als 16-Jähriger den Führerschein der Klasse I gemacht hatte, knatterte er zunächst mit einer DKW 125, dann mit einer MZ 175 zu seinem Arbeitsplatz beim Erzbergbau. Dort brachte er – nachdem er auch noch die Fahrerlaubnis Klasse II und einen Busschein gemacht hatte – die Wismut-Kumpel zur Schicht.

Geld für die Flucht

„Motorradfahren hat mir immer Spaß gemacht“, sagt Roh, der in der DDR zuletzt auf einer Jawa 350 aus tschechischer Produktion unterwegs war: „Die hab´ ich 1960 für 3000 Ostmark verkauft. Mit dem Geld bin ich abgehauen.“

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Auf ein Zweirad setzte sich der LKW-Fahrer dann erst wieder, als er in einer Ausstellung in Fröndenberg zufällig eine Zündapp 200 entdeckte. Die betagte Maschine vom Baujahr 1953 war schon komplett überholt: „Die hab´ ich sofort gekauft und bin damit zur Arbeit gefahren.“

Sonnenscheinfahrer

Später gönnte sich Roh mit der nagelneuen Honda Shadow sein PS-stärkstes Modell, mit dem er schöne Touren durchs Erzgebirge, durch den Harz und durch den Thüringer Wald unternahm. „Nur als Sonnenscheinfahrer“, sagt er mit einem Lachen. Damit das hochglanzpolierte Blech nicht leidet.

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