Neue RSA-Eigentümer sichern mit Kauf 101 Arbeitsplätze in Schwerte

rnWirtschaft in Schwerte

Die Firma RSA Cutting Systems zählte zum zerfallenden Firmen-Imperium des gestorbenen Dortmunder Unternehmers Dr. Wolfgang Geers. Neue Eigentümer wollen den Betrieb weiter nach vorn bringen.

Westhofen

, 16.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem der Dortmunder Unternehmer Dr. Wolfgang Geers Ende vergangenen Jahres tot aufgefunden wurde, gerieten große Teile des von ihm aufgebauten Firmen-Imperiums in Schieflage. Die bundesweit tätige Sanitätshauskette BrandVital beispielsweise musste Insolvenz beantragen und wird seit März abgewickelt, weil sich kein Käufer fand. Voll Zuversicht in die Zukunft blickt man dagegen bei der Firma RSA Cutting Systems, die Dr. Wolfgang Geers einst in Lüdenscheid übernommen und 2012 in einen Neubau im Westhofener Gewerbegebiet Nattland angesiedelt hatte. Das Unternehmen wurde von der privaten Beteiligungsgesellschaft FMC KG aus Bremen erworben, hinter der zwei hanseatische Familien stehen. Sie ist jetzt der alleinige Inhaber. Über den Kaufpreis wird Stillschweigen bewahrt.

Käufer ist überzeugt von der deutschen Ingenieurskunst

„RSA hat überzeugt. Wir freuen uns, dass wir uns im Bieterverfahren durchgesetzt haben“, sagt Johannes Weber von FMC. Der neue Eigentümer verfüge über eine langjährige Erfahrung mit der Restrukturierung von Unternehmen: „Wir kennen die Krisenbranchen.“ Vor allem aus dem Bereich Automotive und Maschinenbau, wo die Preise durch Konkurrenz aus dem Ausland sehr unter Druck ständen. Aber man sei von der deutschen Ingenieurskunst überzeugt.

Bei der Firma RSA Cutting Systems an der Adolph-Kolping-Straße sind derzeit 101 Mitarbeiter beschäftigt.

Bei der Firma RSA Cutting Systems an der Adolph-Kolping-Straße sind derzeit 101 Mitarbeiter beschäftigt. © Reinhard Schmitz

Davon hat RSA eine Menge zu bieten. Das Unternehmen baut ganz individuelle Werkzeugmaschinen mit dem Fokus auf Sägen. „Der Kunde hat ein Problem, und wir lösen es“, erklärt alter und neuer Geschäftsführer Thomas Berg. Die Säge ist dabei nur ein kleiner Bestandteil der Anlage, die viele Arbeitsschritte bis hin zur Verpackung vollautomatisiert erledigt. Extrem schnell und präzise können dabei Vollmaterial und Rohre geschnitten werden, die beispielsweise später in Rollstühlen, Gerüsten, Bremsleitungen oder Sitzen verbaut werden. Oder die Rohre für die Kopfstützen im Auto, von denen die Maschine drei Stück pro Sekunde herstellen kann.

Plan: 3D-Brille blendet Reparaturanleitung ins Glas ein

Weitere Geschäftsfelder sind die Produktion und der Vertrieb von Industriebürsten und der sogenannte „After-Sale-Service“, also die Wartung der gelieferten Maschinen. Um diesen Service noch weiter zu verbessern, überlegt Thomas Berg schon den Verkauf von speziell programmierten 3D-Brillen, die dem Kunden die Reparaturanleitung bei Arbeiten an den Anlagen gleich in die Brillengläser projizieren. Umgekehrt könnte auf diese Weise auch der Mitarbeiter am Rechner in Westhofen quasi mit den Augen des Kunden auf die Maschine schauen und erkennen, wo ein Fehler liegt. Ein weiteres Ziel ist die digitale Anlagensteuerung - per App von zu Hause aus, ohne in der Halle stehen zu müssen.

Derzeit gibt es 101 Mitarbeiter bei RSA

„Wir schmieden jetzt Pläne, wie wir RSA weiter nach vorne bringen“, sagt Johannes Weber. Mit den Strukturen von FMC im Hintergrund wolle man schlanker und digitaler werden. In hanseatischer Tradition werde dabei Wert auf den richtigen Umgang mit den Mitarbeitern gelegt. Derzeit zählt RSA 101 Beschäftigte, davon sieben Auszubildende. Nach Auskunft von Johannes Weber seien im Restrukturierungsprozess nur zwei Arbeitsplätze abgebaut und einer aufgebaut worden: „Wir sind alles in allem sehr gut aufgestellt.“ Gesucht werden Programmierer und Servicetechniker.

Verkaufsverhandlungen in Coronazeiten waren „schon speziell“

Überzeugt hatte Johannes Weber auch, dass die Kunden in der Coronakrise zum Unternehmen gestanden haben: „Es konnten sogar neue Aufträge akquiriert werden.“ Derzeit seien die Auftragsbücher gefüllt bis zum Jahresende. Der Kauf von RSA ging am 11. Mai über die Bühne, rückwirkend zum 1. Mai. Die Verhandlungen seien „schon speziell“ gewesen. Nur ein einziges Mal konnte der FCM-Vertreter bei einem zweistündigen Rundgang vor Ort sein, dann kam der Corona-Lockdown: „Der Rest ging über Videokonferenzen.“ Corona macht dem Unternehmen wegen der Reisebeschränkungen immer noch zu schaffen. Die Vertriebs-Mitarbeiter können nicht immer wie gewünscht vor Ort sein.

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