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Haus nach Brand unbewohnbar: Mieter durften nur noch ein paar notdürftige Sachen holen

rnFeuer Graf-Adolf-Straße

Nur noch Asche blieb von den Möbeln in dem Dachgeschoss-Zimmer, wo sich am Dienstag eine Rauchgas-Stichflamme entzündete. Die Polizei versiegelte die Wohnung in dem Mehrfamilienhaus.

Schwerte

, 22.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Rauchgestank sticht auf dem Bürgersteig an der Graf-Adolf-Straße immer noch in die Nase. Schwarz verkohlt liegen die Fensterhöhlen der Dachgeschoss-Wohnung, aus denen am Dienstagmorgen die Flammen herausschlugen. In den beiden Etagen darunter hängen die Gardinen wie unberührt adrett hinter den Scheiben. Doch der Eindruck trügt. „Das Haus ist derzeit nicht bewohnbar“, sagt Polizei-Pressesprecherin Vera Howanietz: „Die Brandstelle ist zurzeit versiegelt.“ Für Donnerstag habe sich ein Sachverständiger angekündigt, um dort nach der Ursache für das verheerende Feuer zu suchen, das einen „erheblichen Sachschaden“ hinterließ.

Temperaturen zwischen 1000 und 1200 Grad

Nicht einmal Möbelreste waren in dem Zimmer im Dachgeschoss geblieben, in dem die Flammen am meisten gewütet hatten, berichtet Einsatzleiter Wilhelm Müller: „Es war alles komplett ausgebrannt.“ Es muss wohl das Schlafzimmer gewesen sein. Denn davor gab es noch ein Wohnzimmer und eine Küche, die er komplett verraucht vorfand, die Einrichtung angesengt von der Wärmeentwicklung. Temperaturen zwischen 1000 und 1200 Grad entstehen, wenn es - wie hier - zu einer gefährlichen Rauchgas-Durchzündung kommt. Dicker schwarzer Rauch sammelt sich unter der Decke, heizt den Raum immer stärker auf und explodiert schließlich. Die Feuerwehrleute werden für diese gefährliche Situation speziell geschult. Dortmund und Hagen - so Müller - verfügten über Container mit einer Rauchgasdurchzündungsanlage, in denen der Ernstfall simuliert werde. Derzeit sei man wegen weiterer Übungstermine in Kontakt mit Erkelenz.

Nachbar holte alle Bewohner aus dem Haus

Die Rauchentwicklung aus dem Dach hatte ein Nachbar auf der Straße bemerkt. „Er alarmierte die Feuerwehr und holte alle drei Bewohner aus dem Haus“, berichtet Müller. Beim Eintreffen der Rettungskräfte hätten alle schon draußen vor der Tür gestanden: „Der hat wirklich gut gehandelt.“

Bei dem Bewohner der Dachgeschoss-Wohnung - so Müller weiter - habe der Notarzt eine schwere Rauchvergiftung festgestellt, so dass er in eine Klinik eingeliefert werden musste. Ein Feuer in geschlossenen Räumen kann laut Ärztesprecher Dr. Jörg Rimbach zwei gesundheitliche Schäden auslösen: Eingeatmete Giftstoffe aus verbrannten Stoffen greifen die Bronchien und die Lunge an. Außerdem kann ein schwerer Sauerstoffmangel im Blut entstehen, weil die Flammen den Sauerstoff im Zimmer verzehren. Zum Ausgleich wird der Patient dann als gängige Therapie mit 100-prozentigem Sauerstoff behandelt, so Dr. Rimbach weiter. Oft in einer Druckkammer, in die auch der Verletzte aus der Graf-Adolf-Straße gebracht wurde.

Mit Morgenmänteln in die Rechtsanwaltskanzlei

Nur in Morgenmänteln konnte sich aus einer anderen Wohnung ein Paar im besten Alter ins Freie retten, um zunächst Unterschlupf in der benachbarten Kanzlei von Rechtsanwalt Rainer Budde zu finden. Der Fußgänger - so erfuhr er - habe die Beiden auf den Rauch aufmerksam gemacht, als sie gerade aus dem Fenster schauten. Im Büro baten sie darum, mit Verwandten zu telefonieren: „Nachmittags durften sie dann nochmal mit der Polizei ins Haus und notdürftige Sachen holen.“ Sie seien dann zunächst in einem Hotel untergekommen. Am Mittwoch stand das Paar dann erneut vor der Tür von Rainer Budde - um sich mit einem Blumenstrauß bei dessen Frau für die freundliche Aufnahme zu bedanken. „Die haben Stil“, freute sich der Anwalt.

Mehrmals in das Brandhaus gingen am Dienstag auch Feuerwehrleute. Im Anderthalbstunden-Rhythmus kontrollieren sie, ob nicht irgendwo wieder Flammen aufflackerten. Es blieb alles in Ordnung, wie Feuerwehrchef Müller berichtet. Danach war für ihn und seine Retter der Einsatz endgültig erledigt.

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