Haus Schneider verabschiedet sich nach 350 Jahren

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Kaum ein Durchkommen vor dem Eingang, in der Gaststube, im Saal. Sogar im Biergarten drängelten sich in der Abendkühle die Gäste. Alle wollten am Montagabend ein letztes Mal in ihrer Dorfkneipe feiern, bevor im Haus Schneider am Mühlendamm nach 350 Jahren für immer die Lichter ausgingen.

ERGSTE

, 02.11.2016, 14:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Time to say goodbye" hatte jemand mit Kreide auf den Balken über dem Tresen geschrieben.

"Time to say goodbye" hatte jemand mit Kreide auf den Balken über dem Tresen geschrieben.

„Das halbe Dorf ist gekommen“, sagte Wirtin Ute Schneider, überwältigt von dem Treuebeweis: „Heute sind 400 bis 500 Leute hier.“ Andere, die nicht kommen konnten, hatten ihr geschrieben. Sogar aus Luxemburg und vom Bodensee, wo sie im Internet vom Ende des Ergster Treffpunkts erfahren hatten.

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Rauschende Party zum Abschluss: Haus Schneider schließt nach über 350 Jahren

Bevor nach 350 Jahren das Haus Schneider endgültig schloss, feierten 400 bis 500 Gäste am Montag, 31. Oktober, ein letztes Mal in der Kneipe am Mühlendamm. Das sind die Bilder der rauschenden Party, die auch mit einer gewissen Portion Wehmut begleitet war.
02.11.2016
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Nach 35 Jahren verabschiedete sich Wirtin Ute Schneider (l.), die an ihrem letzten Tag von ihrem Bruder Bernd Henneberg (r.), weiteren Familienmitgliedern und ihren treuen Kellnerinnen unterstützt wurde.© Foto: Reinhard Schmitz
Die Kellnerinnen hatten es schwer, sich ihren Weg durch die dicht an dicht stehenden Gäste zu bahnen.© Foto: Reinhard Schmitz
Im großen Saal war eine zweite Theke aufgebaut worden, um alle Gäste mit Getränken zu versorgen.© Foto: Reinhard Schmitz
Hoch her ging es bei der Abschiedsparty im Haus Schneider.© Foto: Reinhard Schmitz
"Time to say goodbye" hatte jemand mit Kreide auf den Balken über dem Tresen geschrieben.© Foto: Reinhard Schmitz
Ein letztes Mal konnten die Gäste im Haus Schneider ausgelassen tanzen.© Foto: Reinhard Schmitz
Ausgiebig getanzt wurde bei der Abschiedsparty im Haus Schneider.© Foto: Reinhard Schmitz
Riesenstimmung herrschte noch einmal im Haus Schneider bei der Abschiedsparty.© Foto: Reinhard Schmitz
Schon vor dem Eingang stand ein Pulk von Gästen, die sich den letzten Abend im Haus Schneider nicht entgehen lassen wollten.© Foto: Reinhard Schmitz
Trotz kühler Temperaturen war auch der Biergarten gerammelt voll.© Foto: Reinhard Schmitz
Gäste pendelten selbst im kühlen Herbst zwischen Biergarten und Gaststube hin und her.© Foto: Reinhard Schmitz
Tanzschul-Chef Björn Thiele war gekommen, um seiner Tante Ute Schneider hinter dem Tresen zu helfen.© Foto: Reinhard Schmitz
Kaum ein Plätzchen war in der Gaststube frei.© Foto: Reinhard Schmitz
Am Ecktisch ging es gemütlich zu.© Foto: Reinhard Schmitz
Auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr kamen zum Abschied.© Foto: Reinhard Schmitz
Mitglieder der Löschgruppe Ergste waren zum Feiern gekommen.© Foto: Reinhard Schmitz
An der Theke und an den Tischen drängelten sich die Gäste.© Foto: Reinhard Schmitz
Viele wollten noch schnell ein Abschiedsfoto aus dem Haus Schneider.© Foto: Reinhard Schmitz
Keine Verschnaufpause gönnen konnten sich die Kellnerinnen.© Foto: Reinhard Schmitz
Freunde im Haus Schneider treffen - das war einmal.© Foto: Reinhard Schmitz
Das halbe Dorf kam, um von seiner Kneipe Abschied zu nehmen.© Foto: Reinhard Schmitz
Bei guter Stimmung feierten die Gäste den Abschied von ihrer Dorfkneipe.© Foto: Reinhard Schmitz
Die Stimmung stieg im Verlauf des Abschiedsabends immer mehr an.© Foto: Reinhard Schmitz
Die Gäste genossen den Abschiedsabend im haus Schneider, wo der DJ emsig seine Musik auflegte.© Foto: Reinhard Schmitz
Der Durst auf die letzten frisch Gezapften im Haus Schneider war noch einmal groß.© Foto: Reinhard Schmitz
Wegen des großen Andrangs war im Saal eine zweite Theke aufgebaut worden.© Foto: Reinhard Schmitz
Buntes Discolicht flimmerte durch den Saal, in dem früher die Schachfreunde ihrer Partien austrugen.© Foto: Reinhard Schmitz
Der Platz neben dem Tresen verwandelte sich in eine Tanzfläche.© Foto: Reinhard Schmitz
Noch spät in der Nacht waren Biergarten und Eingangsbereich vom Haus Schneider belagert.© Foto: Reinhard Schmitz
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Doppelter Abschied: Auch Sänger hören auf

Ihren Wehmut gab Ute Schneider offen zu, als sie zum letzten Mal hinter dem Tresen stand. Dort, wo seit 35 Jahren ihr Arbeitsplatz gewesen war. Neben den langjährigen Kellnerinnen unterstützen sie etliche Familienmitglieder. Sie hatten es schwer, sich mit den Tabletts den Weg durch die dicht an dicht stehenden Menschen zu bahnen.

Oben, in dem kleinen Raum neben der Gaststube, saßen Mitglieder des Ergster Sängerbunds in doppelter Abschiedsstimmung zusammen. „Das ist heute auch unser letzter Tag“, sagte der langjährige Schriftführer Heinz Günter Fischer. Seit seiner Gründung im Jahre 1864 hatte der Chor immer im Haus Schneider geprobt. Mit dem Ende des Vereinslokals löste er sich ebenfalls auf.

„Time to say goodbye“ mit Wehmut

Großformatige Fotos aus den glorreichen Zeiten des Sängerbunds und seine Fahne hingen noch an den Wänden des Saals. Davor, auf den weiß gedeckten Tischen, saßen junge Leute mit Biergläsern. Fröhliches Stimmengewirr kämpfte mit Falcos „Kommissar“ und anderen Hits aus den Lautsprechern.

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Nebenan verwandelte sich der Platz vor dem Tresen mehr und mehr in eine Tanzfläche. „Time to say goodbye“, Zeit zum Abschiednehmen, hatte jemand mit Kreide darüber auf einen Balken geschrieben. Ein Moment, der manchen trotz Feierstimmung ein wenig nachdenklich stimmte. „Ich habe hier schon früher mit meiner Familie Spieleabende gemacht“, berichtete Sven Fastabend. Jetzt hatte er sich mit seiner Wandertruppe auf den Weg gemacht. Ziel sollte noch einmal das Haus Schneider sein.

Wirtin bleibt Ergste treu

„Schade, schade, schade“, sagte Edgar Heller. Vom ersten Tag an sei er Gast gewesen, nachdem er 1969 nach Ergste gezogen war. Auch mit seinen Handballern von der HVE kehrt er dort gern ein: „Nach Auswärtsspielen haben wir oft von unterwegs angerufen, dann blieb die Küche abends noch für uns auf.“

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Haus Schneider schließt nach 35 Jahren

In der Traditionskneipe Haus Schneider gehen Ende Oktober die Lichter aus. Einfach abschließen will Wirtin Ute Schneider aber nicht. Dafür sei ihr das Dorf Ergste und ihre Bewohner zu sehr ans Herz gewachsen. Mit Wehmut denkt sie daran, dass sie aufhören muss. 35 Jahre stand sie hinterm Tresen und hat so einiges in ihrer Kneipe erlebt.
28.09.2016
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Die Gaststätte Haus Schneider schließt Ende Oktober.© Foto: Bodo Brauer
Ute und Jürgen Schneider auf einer undatierten Aufnahme in ihrer Gaststätte.© Repro
Viele Feiergäste kamen ins Haus Schneider, um dem Bacchus die letzte Ehre zu erweisen.© Foto: Reinhard Schmitz
Alte Ansicht der Gaststätte Haus Schneider.© Repro
Das Schwerter Kneipenkulturfestival im Haus Schneider mit der OTC Band.© Foto: Bernd Paulitschke
Kneipenkultur im Haus Schneider
Die Gaststätte Haus Schneider schließt Ende Oktober.© Foto: Bodo Brauer
Der MGV Sängerbund 1864 Ergste löst sich auf - sozusagen gemeinsam mit Haus Schneider.© Foto: Bernd Paulitschke
MGV Sängerbund Ergste 1864 gab sein letztes Konzert im Haus Schneider.© Foto: Bernd Paulitschke
Ute Schneider verabschiedet sich von ihren Gästen.© Foto: Manuela Schwerte
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Alles nur noch Erinnerung, als Ute Schneider nach einer langen Nacht die Zapfhähne endgültig hochdrehte. Das Haus ist verkauft, aber sie selbst wird in Ergste bleiben: „Ich habe so viele Kontakte zu lieben Stammgästen.“ 

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