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Hausarzt (83) praktizierte früher in Schwerte - jetzt verkaufte er Drogen in der Schweiz

rnMehrfach verurteilt

In Dortmund wegen Steuerhinterziehung verurteilt, in Schwerte des Versicherungsbetruges überführt und jetzt ein Drogen-Verfahren in der Schweiz: die Geschichte des Hausarztes Dr. S. (83).

Schwerte

, 06.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Als Mediziner trat der Hausarzt Dr. S. in Schwerte kaum in Erscheinung. Um die Jahrtausendwende hatte der Mediziner zwar seine Praxis an der Schützenstraße eröffnet, doch der Patientenstrom war spärlich. Zuvor war Dr. S. über 30 Jahre lang in Dortmund tätig. Dafür machte S. in Schwerte dann aber Schlagzeilen, weil er 2007 vom Hagener Schöffengericht zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt wurde. Wegen finanzieller Probleme habe der damals bereits 72 Jahre alte Arzt Einbrüche in seine Praxis und in seine Privatwohnung vorgetäuscht und damit die Versicherung betrogen. Die verhältnismäßig harte Strafe kam auch deshalb zustande, weil der Doktor bereits zuvor wegen Steuerhinterziehung in Dortmund verurteilt worden war. Verbüßen musste er sie nicht, weil sie in zweiter Instanz zu einer Bewährungsstrafe umgewandelt wurde.

Mit Mitte 70 in der Schweiz neue Praxis eröffnet

Seit neuestem macht der Mediziner wieder Schlagzeilen, diesmal in der Schweiz. Denn trotz der Vorverurteilung und seines doch schon recht fortgeschrittenen Alters eröffnete S. im August 2008 in Klingau im Karton Aagau erneut ein Praxis und behandelte dort zehn Jahre lang Patienten. Warum den Schweizer Behörden die Vorstrafen aus dem Nachbarland nicht auffielen, wird derzeit in dem Kanton südlich des Bodensees heftig diskutiert.

Fest steht, dass S. auch in der Schweiz wieder straffällig wurde. Auch diesmal ging es ums liebe Geld: Diesmal hatte er an Drogenabhängige im großen Stil Betäubungsmittel verkauft, um seine Rente aufzubessern. Außerdem ermitteln die Krankenkassen gegen ihn, wegen Abrechnungsbetrugs. Denn für seine wenigen Kassenpatienten habe er erheblich mehr Geld abgerechnet, als andere Ärzte in der Schweiz.

Medizinstudium in Bonn

Laut den Gerichtsunterlagen hatte S. in Bonn Medizin studiert und mit 37 Jahren als Internist in Dortmund eine eigene Praxis eröffnet. 33 Jahre hatte er zuletzt in Dortmund-Wambel praktiziert. Weitere drei Jahre war er dann in Schwerte tätig. Zumindest die letzten Jahre seine Berufstätigkeit quälten den Mediziner Geldsorgen. Spätestens als er 1997 erstmals wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde und große Summen an den Fiskus zurückzahlen musste. Zwischenzeitlich muste er nach weiteren Verurteilungen wegen Steuerhinterziehung auch eine Haftstrafe verbüßen. Als er 2005 in Hagen vor Gericht stand, wurde sein Einkommen immer noch bis auf den Selbstbehalt gepfändet. Dennoch lebte der Doktor wohl weiter auf großem Fuß. In seinem Privathaus in Villigst sammelte der Arzt nach Zeugenaussagen wertvolle Teppiche und Kunst. Kunstwerke gehörten neben Praxisgeräten auch zu den Gegenständen, die er bei den vorgeblichen Einbrüchen in Schwerte als gestohlen gemeldet hatte. 35.000 Euro wollte er damals von der Versicherung kassieren. Aufgefallen war er zum einen, weil es nicht der erste Einbruch war, den er mit der Versicherung abrechnen wollte und weil auf den angeblich 1991 ausgestellten Rechnungen für Ultraschallgerät und Co. aktuelle Postleitzahlen standen. Die hatten sich aber 1993 geändert. Ein Versicherungsdetektiv kam schließlich dem Arzt auf die Spur.

Neuanfang als „unbescholtener“ deutscher Staatsbürger

Wie es ihm gelang, nach der Haftstrafe als quasi unbescholtener deutscher Staatsbürger in der Schweiz erneut eine Praxis zu eröffnen, beschäftigt jetzt die Schweizer Behörden. Denn nicht die Behörden selbst, sondern der Journalist Philipp Zimmermann von der Aargauer Zeitung hatte aufgedeckt, dass Dr. S in Deutschland vorbestraft war und auch längst keine Approbation mehr hatte.

Angeblich hatte der Arzt dem zuständigen Behörden in der Schweiz ein polizeiliche Führungszeugnis ohne seine Vorstrafen vorgelegt.

In Schwerte war der Arzt offensichtlich kaum in Erscheinung getreten. „Wir sind nur durch den Prozess auf ihn aufmerksam geworden, von den Kollegen kannte ihn niemand“, so Theo Spanke, der gemeinsam mit seinem Bruder seit Jahrzehnten in Schwerte eine hausärztliche Praxis betreibt.

Im Internet befinden sich allerdings noch Spuren seiner Tätigkeit in Dortmund-Wambel. Hier hatte Dr. S. jahrzehntelang praktiziert.

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