Historischer Feuerwehrverein in Schwerte gibt auf

Auflösung nach 25 Jahren

Mehr als 25 Jahre lang haben die Mitglieder des Historischen Vereins des Feuerwehrwesens Wehr-Historie gesammelt, bewahrt, gehütet. Doch nun müssen sie aufgeben - zu wenige sind sie inzwischen. "Da steckte so viel Herzblut drin", bedauert der zweite Vorsitzende die Aufgabe.

SCHWERTE

, 22.10.2016, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das große Vorkriegs-Transparent „Willkommen Kameraden“ an der Wand muss noch eingerollt werden. Es ist eines der letzten Ausstellungsstücke, die noch an das frühere Feuerwehrmuseum Im Reiche des Wassers erinnern. „Wir sind dabei, es aufzulösen“, sagt Peter Hübel, zweiter Vorsitzender des Trägervereins: „Es ist schon fast erledigt.“

Gähnende Leere erfüllt die riesige Doppelhalle hinter dem Mühlenstrang, in der einstmals bis zu sieben historische Blaulichtfahrzeuge inmitten unzähliger Einsatz-Utensilien zu bewundern waren. „Es ist eigentlich schade“, bedauert Hübel: „Da steckte so viel Herzblut drin.“

Nur eine Handvoll Aktive blieb übrig

Mehr als 25 Jahre lang hatten die Männer vom Historischen Verein des Feuerwehrwesens für ihren Traum geschuftet. Hatten gesammelt, gesammelt, gesammelt und sogar einen Großteil des einst maroden Dachs und der Elektrik in Eigenleistung saniert. Doch zuletzt blieben von den in Glanzzeiten mehr als 40 Mitstreitern nur noch eine Handvoll Aktive übrig. „Die jungen Leute hatten kein Interesse mehr“, berichtet Hübel. Deshalb sei die Arbeit im wesentlichen an drei „alten“ Männern hängen geblieben. Und dieser harte Kern verlor auch noch seinen Vorsitzenden durch einen Umzug nach Norddeutschland.

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Historische Postkarten von Schwerte wiederentdeckt

Die Straßenbahn auf dem Postplatz, das alte Marienkrankenhaus, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf der Hohensyburg noch in ursprünglicher Pracht: Wie sich Schwerte und seine Umgebung in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben, zeigen die historischen Postkarten, die Albert Penzkofer (63) beim Aufräumen in einer Schublade wiederentdeckte. Er hatte sie vor mehr als 20 Jahren gerettet, als er die Wohnung einer verstorbenen Tante auflösen musste, dann aber offensichtlich in seinen Schubladen zu gut versteckt.
15.07.2016
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Fachwerkhäuser prägen die Kampgasse.© Repro: Reinhard Schmitz
Die Marienkirche nach der Erweiterung in den 1960er-Jahren. Im Hintergrund links ist noch die Holzhütte zu erkennen, die das Heim des Bundes Neudeutschland (später: Katholische Studierende Jugend) bildete.© Repro: Reinhard Schmitz
Die Straßenbahn fährt noch, aber vor dem Waldrestaurant Freischütz parken auch schon etliche Automobile.© Repro: Reinhard Schmitz
Brauereibesitzer Wilhelm Ostermann jun. im Jahre 1906 als Schützenkönig.© Repro: Reinhard Schmitz
Klein wirkt Schwerte noch auf der alten Luftaufnahme, die als Postkarte verschickt wurde.© Repro: Reinhard Schmitz
So sah der Postkartenfotograf die Kötterbachstraße.© Repro: Reinhard Schmitz
Die Gaststätte "Zur Waage" reichte früher bis in das benachbarte Ladenlokal, in dem heute ein Nagelstudio untergebracht ist.© Repro: Reinhard Schmitz
"Adolf-Hitler-Platz" hieß der Postplatz in der NS-Zeit, als diese Postkarte aufgenommen wurde.© Repro: Reinhard Schmitz
Das Kaufhaus Küster (l.) prägte jahrzehntelang den Übergang vom Postplatz zur Hüsingstraße.© Repro: Reinhard Schmitz
Marienkrankenhaus und Marienkirche Anfang der 1960er-Jahre von der Goethestraße aus gesehen. Die kleine Grünanlage an der Ecke zur Haselackstraße wurde damals noch als Garten genutzt.© Repro: Reinhard Schmitz
Klassenausflug vor dem alten Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf der Hohensyburg.© Repro: Reinhard Schmitz
Der Rafahrerclub Pfeil Schwerte präsentiert sich bei der Werbewoche am 9. Oktober 1927 auf dem Marktplatz.© Repro: Reinhard Schmitz
Auf dem Marktplatz fährt noch die Straßenbahn.© Repro: Reinhard Schmitz
Ein einsamer Paddler vor der Villigster Ruhrbrücke.© Repro: Reinhard Schmitz
Das Gasthof-Ensemble hinter der Villigster Ruhrbrücke.© Repro: Reinhard Schmitz
Brauereibesitzer Wilhelm Ostermann sen. im Jahre 1874 als Schützenkönig.© Repro: Reinhard Schmitz
Wilhelm Neuber, Gründer der Schwerter Privatpost, im Jahre 1902 als Schützenkönig.© Repro: Reinhard Schmitz
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„Der Verein existiert eigentlich nur noch auf dem Papier“, erklärt Hübel. Mit lediglich 18 Mitgliedern wurde es schwierig, die Kosten für die Hallenmiete an die Stadt aufzubringen. Deshalb sei der Vorstand beauftragt worden, das Inventar zu veräußern.

Exponate gehen nach Afrika und Lünen

„Schweren Herzens haben wir zwei Fahrzeuge verkauft“, berichtet der 69-Jährige, der 54 Jahre lang für die Feuerwehr aktiv war. Wenn er den Platz zum Unterstellen gehabt hätte, hätte er die Wagen vielleicht selbst übernommen. Doch so ging beispielsweise einer über das Internet an eine Firma, die für ihn wohl noch ein Einsatzgebiet in Afrika fand. Andere Teile gingen an Sammler und Museen.

In Lünen zurück ist eine Dampfdruckspritze, die ohnehin nur als Dauerleihgabe nach Schwerte gekommen war. Die Handdruckspritze auf dem Pferdeanhänger wurde wieder zu ihrem ursprünglichen Einsatzort in Niederaden gebracht.

An der Ruhr bleiben soll dagegen die erste selbstfahrende Drehleiter der Schwerter Feuerwehr. Das Magirus-Modell mit der 17-Meter-Leiter leistete von 1954 bis 1970 gute Dienste, bis der Bau der Hochhäuser Im Ortsstück die Anschaffung einer 30-Meter-Leiter erforderte. Fahrtüchtig restauriert, war der Museumsverein damit einst bis nach Norddeutschland unterwegs. Jetzt schlägt er sein letztes Kapitel auf. Eine Versammlung am 26. Oktober soll die Auflösung beschließen. Die letzten Euro der Kasse gehen laut Satzung an die Schwerter Wehr. Was mit den Hallen passiert, dafür hat die Stadt laut Sprecher Alex Nähle noch keine Pläne.

Gegründet von Feuerwehrleuten
Aktive Feuerwehrleute gründeten einst den Museumsverein.
Auslöser war die Suche nach einem Fahrzeug für die Brandschutzerziehung in den Kindergärten.
Von einer Werksfeuerwehr im Lennetal konnte der Wagen günstig erworben werden und bildete das erste Ausstellungsstück.
Legendär waren die Tage der offenen Tür mit Grünkohlessen, die bis 2007 immer zeitgleich zum Weihnachtsmarkt „Bürger für Bürger“ stattfanden.

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