Hoesch baute das „Bullenkloster“ für die ersten Gastarbeiter

rnHäuser erzählen

Seit langem stehen die Räume leer: Das ehemalige Wohnheim für Einwanderer aus Italien oder Spanien hat ausgedient. Stahl und Sträucher schmücken jetzt die Fassade an der Wandhofener Straße.

Wandhofen

, 27.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Kein Pizzaduft dringt mehr heraus, kein Klang italienischer Lieder. Mit massiven Stahlplatten zugeschraubt sind die Fenster des Dornröschenschlosses neben dem Schützenplatz an der Wandhofener Straße. „Bullenkloster“ wird es von altgedienten Hoeschianern genannt. Denn hinter seinen Mauern wohnten einst die ersten „Gastarbeiter“, die ohne ihre Familien angeworben worden waren.

Seit Jahren stehen die Räume leer.

Seit Jahren stehen die Räume leer. © Schmitz

Im Juli 1962 – so weiß Hoesch-Chronist Dr. Andreas Acktun – wurden die ersten 26 Italiener im Profilwerk eingestellt. Denn auf dem einheimischen Arbeitsmarkt waren angesichts einer Erwerbslosen-Quote von nur 0,7 Prozent keine Kräfte zu bekommen. Vor allem im Walzwerk herrschte Mangel, nachdem viele Mitarbeiter wegen der schweren Tätigkeit gekündigt hatten.

Italiener fuhren mit Bus zum Wohnheim

Nach der Schicht mussten die Italiener mit dem Bus zu einem Wohnheim in Letma-the-Stübbecken fahren. Nachdem weitere Kollegen aus Spanien gekommen waren, zählten im September 1964 schon 88 Ausländer zur Hoesch-Belegschaft.

Gut versteckt steht das Haus an der Wandhofener Straße.

Gut versteckt steht das Haus an der Wandhofener Straße. © Schmitz

Deswegen musste ein Wohnheim her, das zunächst auf dem Werksgelände errichtet wurde. Jeweils zu Viert hausten die Männer in den zwölf Schlafräumen der hölzernen Baracke. Sie musste 1970 einer neuen Fabrikhalle für die Erweiterung des Ziehwerks weichen.

Weihnachten Umzug an die Wandhofener Straße

Als Ersatz war zu Weihnachten 1970 das „Bullenkloster“ an der Wandhofener Straße fertiggestellt. Doch schon bald wurden immer weniger Wohnheimplätze benötigt, so dass eine Hälfte des Hauses 1987 abgebrochen wurde. Die andere wurde schon ab 1979 als Sportlerheim genutzt, später noch einmal als Übergangsheim für Menschen aus Russland, Polen und Rumänien. Seit langem stehen die Räume leer.

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