Hundeattacke am Friedhof in Villigst – Birgit M. kann seitdem nicht mehr arbeiten

rnHandbruch und Bisswunden

Ein Morgenspaziergang mit dem Hund in Villigst im Grünen. Plötzlich taucht ein anderer großer Hund auf und verbeißt sich in das Bein von Birgit M. – seitdem kann sie nicht mehr arbeiten.

Villigst

, 05.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Morgen des 2. September 2019 war ein schöner Tagesbeginn. Die Sonne schien, und das verhieß einen spätsommerlichen Tag. Birgit M. nutzte den frühen Morgen, um mit Charly, dem Münsterländer ihrer Freundin, in Villigst spazieren zu gehen. Auf der Wiese am Friedhof in der Nähe des Babywaldes passierte es dann.

„Ich sehe mich immer nur auf der Wiese liegen und der verbeißt sich in meinem Bein“, sagt sie heute über den Vorfall.

Woher der fremde Hund kam? Keine Ahnung. Auf jeden Fall nicht von vorne aus der Blickrichtung. Und wo dessen Herrchen war? Auch das weiß sie bis heute nicht. Der Prozess, der später vor dem Amtsgericht stattfinden sollte, gab darüber keinen Aufschluss.

Fest steht, dass ein frei laufendender Hovawart sie angegriffen und sich in ihrem Bein verbissen hatte. Erst als eine Zeugin vorbeikam, eine weitere Spaziergängerin, ließ der Hund von ihr ab.

Tiefe Bisswunden und eine gebrochene Hand

Zurück blieben tiefe Bisswunden im Bein und eine gebrochene Mittelhand. Noch heute kann M. die Finger nicht ganz gerade machen. Aus dem Bein habe auch etwas herausgeschnitten werden müssen. Tiefe Narben zeugen davon. Seitdem ist die Arbeiterin krank geschrieben. Ihrem Job kann sie derzeit nicht nachgehen.

Nach dem Biss schleppte sie sich mit Hilfe der Zeugin zum Haus ihrer Freundin. „Ich musste ja Charly versorgt wissen.“ Erst danach ging es ins Krankenhaus. „Das war eine Notoperation“, sagt die Freundin.

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Was passiert nach so einer Attacke? Strafrechtlich wenig. Beim Prozess vor dem Amtsgericht zeigt der Halter des Hovawarts Reue. Die Frage, wo er war, als der Angriff stattfand, wird nicht erläutert. Stattdessen erklärt der Mann: „Der hat noch nie gebissen.“ Und er habe auch ein Gutachten über seinen Hund eingeholt, der sei kein Beißer.

So etwas ist noch nie passiert

Und dann verweist er darauf, dass er seit Jahren Hunde halte, auch große wie den Hovawart. Passiert sei noch nie etwas. Die Sache sei ihm so peinlich, dass er jetzt 30 Kilometer fahre, um mit dem Hund spazieren zu gehen.

Am Ende schlägt die Amtsrichterin vor, dass der Angeklagte mehr zahlen soll als das übliche Schmerzensgeld und die Krankenhauskosten, also den Dingen, die von der Tierhaftpflichtversicherung übernommen werden: Es sollten noch 1000 Euro aus seiner privaten Kasse hinzukommen. Dann wird das Verfahren eingestellt.

Das Ordnungsamt der Stadt Schwerte erklärte auf Anfrage: Man habe eine sogenannte ordnungsbehördliche Anordnung hinterlassen. In der sei Leinenzwang und Maulkorb angeordnet. Ob sich der Hundebesitzer daran halte? „Es hat sich bislang keiner bei uns gemeldet und das Gegenteil behauptet“, so Stadtsprecher Ingo Rous.

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Birgit M. wartet bis heute auf das Geld der Versicherung und darauf, dass sie wieder arbeiten kann.

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