„Ich hoffe, die Dinger kommen bald“: Schwerter Schule wartet auf Laptops

rnSerie „Wie digital sind unsere Schulen?“

Die Corona-Pandemie macht die Digitalisierung an Schulen dringender denn je. Doch viele Schulen improvisieren noch. Ein Schulleiter erzählt uns, was klappt – und wo es noch hakt.

Schwerte

, 17.11.2020, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem Mitte März 2020 die Schulen bereits einmal wegen des Coronavirus geschlossen hatten, hat sich gezeigt: Bei der Digitalisierung ist noch richtig viel Luft nach oben. Trotz des Digitalpaktes der Bundesregierung, der im Frühjahr 2019 in Kraft getreten ist.

Hohe bürokratische Hürden haben es den Schulen bisher schwer gemacht, Mittel zu beantragen - oder Anträge bewilligt zu bekommen. Und wer Geräte bestellt hat, muss mitunter lange warten.

Die Lieferung neuer Geräte dauert

Wenn man Schulleiter Dirk Schnitzler von der Albert-Schweitzer-Grundschule nach dem Thema Digitalisierung fragt, muss man ganz schön schnell mitschreiben. Denn der 58-Jährige hat dazu viel zu erzählen - und das in einem rasanten Tempo.

„Ich hoffe, dass die Dinger noch in diesem Kalenderjahr kommen“, sagt Schnitzler, und damit meint er die bestellten Convertibles, also die Laptops für die Lehrer. Sieben Kollegen warteten sehnsüchtig auf die Lieferung. „Erfahrungsgemäß dauert das eine Weile“, erklärt der Schulleiter. „Das ist ja europaweit ausgeschrieben.“

Hardware, Software, Breitband

Anfangs hätte die Schulleitung überlegt, iPads zu bestellen. „Aber bei unserer Arbeit sind wir manchmal noch auf Computer mit CD-Rom-Laufwerk angewiesen“, erklärt Schnitzler.

Mit der Hardware allein ist es aber nicht getan: Die Software gehört auch dazu. Die Microsoft-Office-Pakete, mit denen das Schreiben von Briefen, die Tabellenkalkulation sowie das Erstellen von Präsentationen gelingen sollen, müssen auf den Laptops installiert werden.

Und die Infrastruktur muss passen. Sieben Schulen in Schwerte sind mittlerweile mit einem Glasfasernetz an die schnelle „Internetautobahn“ angeschlossen worden. „Die Stadt strengt sich sehr an“, räumt Schnitzler ein. „Doch es scheitert noch oft an der Verkabelung.“

Lernen in der Robotik-AG

Grundsätzlich ist die Albert-Schweitzer-Grundschule beim Thema Digitalisierung schon relativ weit vorn. In der Robotik-AG, die dort ab der ersten Klasse angeboten wird, arbeiten die Schüler mit iPads. Sie lernen, wie man Roboter baut und diese programmiert.

Der Schulträger habe eine Fortbildung organisiert, damit die Pädagogen den Umgang mit den Endgeräten lernen. „Es geht darum, dass wir diese iPads zentral verwalten. Die Ergebnisse des Tages müssen auf dem Gerät auftauchen.“

In vielen Elternhäusern fehlt die Technik

Doch die Geräte der Robotik-AG helfen nicht viel, wenn es zu einer erneuten Schulschließung kommen sollte. Schon jetzt gibt es in NRW-Städten einzelne Kinder, ganze Klassen oder sogar Schulen, die wegen steigender Infektionszahlen wieder von zu Hause aus unterrichtet werden.

„Die iPads bleiben auf jeden Fall in der Schule“, erklärt Dirk Schnitzler. Man habe kürzlich gemeinsam mit den Eltern eine Bestandaufnahme vorgenommen - um festzustellen, welche Hasushalte überhaupt die technischen Voraussetzungen für Distanzunterricht haben.

Gerade bei sozial schwächer gestellten Familien sieht der Schulleiter Probleme. Rund 40 Haushalte hätten keine Geräte. „Viele haben keine E-Mail-Adresse, oder der Internetanschluss fehlt.“ Auch einen Drucker habe nicht jeder.

Videokonferenzen sind „kein Hexenwerk“

Und es gibt noch andere Herausforderungen: „Was ist beim Übergang zwischen der Grundschule und der weiterführenden Schule? Mit Elternsprechtagen?“ Jetzt, wo sämtliche Aktions- und Infotage wegfallen, müssten die Eltern trotzdem gut informiert werden.

Die Albert-Schweitzer-Grundschule versucht, dieses Problem mit Videokonferenzen zu lösen. Geschult sind darin allerdings die wenigsten. Am Mittwoch gebe es deshalb eine Fortbildung zum Thema „Videokonferenz“.

Wer die macht? Dirk Schnitzler lacht. „Die mache ich.“ Das sei schließlich kein Hexenwerk, man müssen sich nur trauen. Und er schließt mit einem Spruch, den sich so manche Schule gern an die Eingangstür hängen - oder in Zeiten der Digitalisierung auf die Homepage stellen würde: „Besser auf neuen Wegen ein bisschen stolpern, als auf alten Pfaden auf der Stelle treten.“

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