Im Alten Pfarrhaus am Lindenufer gründete „Vogelpastor“ Westhoff seinen Privatzoo

rnSerie: Häuser erzählen

Zu Pferd beschaffte sich Pfarrer Carl Esthoff vor 150 Jahren Nachschub für sein liebstes Hobby: Der Hobby-Ornithologe liebte Vogelgezwitscher.

Ergste

, 20.01.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Vogelkäfige pflasterten die südliche Fassade des alten Pfarrhauses. Im Inneren war gar eine ganze Kammer als Voliere hergerichtet: Einen gefiederten Privatzoo unterhielt Pastor Carl Westhoff von 1852 bis 1890 an seinem Dienstsitz am Lindenufer 6. „Er war weit über die Ortsgrenzen hinaus als ,Vogelpastor von Ergste‘ bekannt“, berichtet die Vorsitzende des Ergster Heimatvereins, Roswitha Bliese.

Auf dem Reingsen stellte der Gottesmann seine Fallen auf, wenn im Frühjahr und Herbst die Vogelschwärme vorbeiflogen. Am frühen Morgen – so ist es überliefert – ritt er auf seinem Pferd hinauf zu diesem sogenannten Vogelherd, um die gefangenen Tiere auszusortieren, die noch in seiner Sammlung fehlten.

Vogelstimmen erklangen von morgens bis abends

„Für uns ist das eine nicht mehr akzeptable Art, das Hobby Ornithologie auszuüben“, betont Roswitha Bliese. Vor 150 Jahren jedoch erfreute sich der Pfarrer am nicht enden wollenden Gezwitscher rund um sein Haus. Morgens eröffneten die Rotschwänzchen das Konzert, den abendlichen Schlussakkord setzten die Rotkehlchen. Um alle zum möglichst inständigen Singen anzuregen, bediente sich Westhoff eines Tricks: Er trennte die Käfige mit Sichtschutzbrettchen, sodass sich die Tiere untereinander nur hören konnten.

Weitere Vögel waren in der Stube gefangen, wo als Nistgelegenheit Bäume in Kübeln wuchsen. Die Reinigung übernahmen angehende Konfirmanden. Diese Jungen fischten auch die Teichschildkröten, die der Pastor ebenfalls mit Leidenschaft züchtete, zur Winterruhe aus dem nahen Teich.

Ergster Pfarrer sorgten als Landwirte für ihr Auskommen

Der war einer von zwei Fischteichen, die nebst Stallungen und Ländereien zu dem Bauernhaus der Ergster Pfarrer gehörten, die als Landwirte selbst für ihren Unterhalt sorgen mussten. Denn die Abgaben der Bauern reichten dazu allein nicht aus. Heute steht nur noch das Wohnhaus, das vom großen Ortsbrand 1821 verschont blieb. Der Name von Westhoff ist über dem Deelentor eingemeißelt.

Im Alten Pfarrhaus am Lindenufer gründete „Vogelpastor“ Westhoff seinen Privatzoo

Auf dem Stein über dem Deelentor des alten Pfarrhauses von Ergste hat sich der Vogelpastor Carl Westhoff verewigt. © Schmitz

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