Im Bilderbuch erklärt Liesel Polinski Kindern den Tod von Kindern

rnMilla fliegt am Himmel

Beim Vorlesen an Grundschulen vermisste Liesel Polinski vom ambulanten Kinderhospizdienst ein geeignetes Buch über den Tod von Kindern. Kurzerhand schrieb sie selbst eins.

Holzen

, 22.11.2018 / Lesedauer: 3 min

Wie erklärt man Kindern, wenn Kinder sterben? Liesel Polinski, Pädagogin und Fachbuchautorin, hat lange vergeblich nach einem geeigneten Bilderbuch zu diesem schwierigen Thema gesucht. Weil sie keins finden konnte, hat sie selbst eins geschrieben. „Milla fliegt am Himmel“ heißt das Büchlein, das die ehrenamtliche Mitarbeiterin des ambulanten Kinderhospizdienstes Unna zu allererst Kindern an der Friedrich-Kayser-Schule vorgelesen hat. Die Grundschule an der Eintrachtstraße macht nämlich jedes Jahr im Februar mit beim Kinderhospiztag, bei dem auch Lebensbegleiter von ihren Erfahrungen berichten.

Illustratorin aus Sachsen

Die Erfahrung mit dem Tod von schwerkranken Kindern hat Liesel Polinski einfließen lassen in das Bilderbuch. „Ich habe mit betroffenen Eltern und hauptamtlichen Kräften gesprochen, habe mich über Bestattungsformen informiert und schließlich einen Verlag gesucht.“ In Alin Golbs fand sie in Sachsen eine junge Illustratorin, die schon für die Sternenkinder gearbeitet hatte und das Thema liebevoll in kindgerechte Zeichnungen umgesetzt hat.

Erschienen ist „Milla fliegt am Himmel“ im September 2018 beim Service Books on Demand und ist für Kinder von 5 bis 10 Jahre gedacht. Man kann es dort bestellen, im örtlichen Buchhandel und bei Amazon. Liesel Polinskis Buch wurde gefördert von der Deutschen Kinderhospizstiftung, die Hälfte ihres Honorars stiftet die Autorin dem Kinderhospizverein.

Emil grüßt aus Flugzeugen am Himmel

Grundlage ihrer Geschichte um Mirko, dessen Familie den Tod der kleinen Schwester Milla zu beklage hat, ist die Begleitung von Emil*. Liesel Polinski hat den kleinen Emil in einem Heim in Unna 15 Monate begleitet, wo der kleine Junge, der mit einem schweren Hirnschaden auf die Welt gekommen war, die eineinhalb Jahre seines kurzen Lebens verbracht hat. Als sein Lebensweg zu Ende war, erklärte die Mutter dem Bruder, Emil sei jetzt „im Himmel“. Seither haben Flugzeuge für den Jungen eine ganz besondere Bedeutung. Liesel Polinski hat übrigens nach Emils Tod noch zwei Jahre Kontakt gehabt zu seiner Mutter, vor allem an seinem Geburts- und Todestag.

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„Emil war das zweite Kind, das ich in dem Wohnheim begleitet habe“ erzählt Liesel Polinksi von ihrem Engagement, das sie seit 2013 ausübt. „Die erste Begleitung hat nur sechs Wochen gedauert, dann kam Emil.“ Und nach Emil kam irgendwann Reni*. Das Mädchen war tot zur Welt gekommen, spät reanimiert worden und überlebte mit schweren Gesundheitsschäden, unter anderem mit heftigen Atemproblemen. Einige Monate pflegten die Eltern das Baby daheim, dann gaben sie es in das Wohnheim. „Ein Kind“, erzählt Liesel Polinksi, „dessen Leben fast zu schwer war, aber dennoch wurde es dreieinhalb Jahre alt.“

Begleitung über drei Jahre

Drei Jahre lang war die Schwerterin zweimal wöchentlich an Renis Seite, baute eine Beziehung auf zu dem schwerstbehinderten Kind, das weder sehen noch hören konnte und auch nicht essen mochte. Reni verließ dieses Leben schließlich auf der Kinderpalliativstation in der Dattelner Kinderklinik, wo Liesel Polinski an einem Ethikgespräch über das Mädchen teilgenommen hat.

Nach jeder Begleitung legen die Hospiz-Mitarbeiter eine Pause ein, die die Diplom-Sozialarbeiterin derzeit nutzt, um die dritte Auflage eines Fachbuchs über PEkiP mit seinen Spiel-, Bewegungs- und Sinnesanregungen zu schreiben. Liesel Polinski gehörte in den 70er-Jahren zu den Mitbegründerinnen des Prager Eltern-Kind-Programms, 1993 schrieb sie ihr erstes Buch über PEKiP, das im Juni 2019 in einer neuen Fassung erscheinen soll.

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Während sie ihr Berufsleben den Kindern mit normaler Lebenserwartung widmete, gehört den Kindern mit lebensverkürzenden Krankheiten und ihren Familien jetzt die Zeit der 69-jährigen Rentnerin, Ehefrau und Mutter zweier erwachsener Kinder.

Wenn demnächst in Holzen das Telefon klingelt und meldet, dass in dem Heim ein schwerkrankes Kind eine Extraportion Liebe und Begleitung braucht, wird Liesel Polinski da sein.

(*Namen von der Redaktion geändert.)

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