Trattoria „La Dolce Vita“ sagt Arrivederci: Wirte-Familie Roccasalva hat neue Pläne

rnRestaurants in Schwerte

Seit 1984 kochen Guido und Efi Roccasalva im „La Dolce Vita“ für die Schwerter. Jetzt suchen sie einen Nachfolger für das Restaurant. Ihre Rezepte werden damit aber nicht verschwinden.

Schwerte

, 17.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die kleine Trattoria ist ihr eigentliches Zuhause. „85 Prozent des Familienlebens findet hier statt“, sagt Maria Angela Roccasalva (44) und lässt den Blick über die 35 Plätze des La Dolce Vita schweifen. Klein und schnuckelig ist es in den Räume, einfach familiär.

Dafür sorgen ihre Eltern Guido (68) und Efi Roccasalva (63) mit viel Herzblut. Das spüren und schätzen die Gäste. Seit durchsickert, dass die beliebten Gastronomen bald „Arrivederci“ sagen, wollen alle noch wenigstens einmal kommen, um die letzte Chance zu nutzen.

Vorstellung der Tagesgerichte ist immer eine kleine Show

Besonderes Highlight ist es immer, wenn die Wirt vor die große Wandtafel tritt, um die mit Kreide aufgeschriebenen Tagesgerichte zu erklären. „Sie stehen auf Italienisch auf der Karte“, sagt sie. Die Vorstellung gleicht einer kleiner Show.

Das erlebten schon die Bands von Peter Maffay und Udo Lindenberg, wenn sie nach einem Auftritt mit dem Schwerter Sänger Theo zur Tür hineinschneiten. Noch lieber unerkannt geblieben als die Musiker wäre das als „Bonnie & Clyde“ bekannte Gangsterpärchen, das nach einer Spur des Verbrechens durch Holland und das Münsterland im benachbarten Hotel Ostentor geschnappt wurde.

Efi Roccasalva hatte die beiden erkannt, als sie eine Pizza bestellten. Das Fahndungsbild war kurz zuvor im Fernsehen gezeigt worden, wo sie eigentlich nur die Nachrichten von der Revolution auf dem Maidanplatz in der Ukraine verfolgen wollte.

Ein besonderes Erlebnis für die Gäste ist es immer, wenn Efi Roccasalva die wechselnden Tagesgerichte auf der Wandtafel erklärte.

Ein besonderes Erlebnis für die Gäste ist es immer, wenn Efi Roccasalva die wechselnden Tagesgerichte auf der Wandtafel erklärte. © Reinhard Schmitz

Stoff genug, um stundenlang zu erzählen, gäbe es aus der kleinen Trattoria und ihren Menschen. Wie sich die Wirtsleute - ein waschechter Sizilianer und eine temperamentvolle Griechin - einst auf der Post in Kalthof über den Weg liefen und Hals über Kopf verliebten. Oder von dem samstäglichen Ritual vielleicht, wenn die ganze Familie Roccasalva nach dem gemeinsamen Marktbummel zum Mittagessen herkommt. „Am meisten fehlen wird mir die Tradition am Heiligabend“, sagt aber Tochter Loredana Roccasalva (39). Dann versammelte man sich mit den Stammgästen vor dem Tresen, tauschte kleine Geschenke aus und verteilte sizilianische Pasteten.

Start war 1984 mit „Dolce Vita am Kamin“ im heutigen „Denkmal“

„Wir sind stolz, dass wir die Möglichkeit hatten, drei Generationen zu verwöhnen“, sagt Guido Roccasalva, der 1984 mit dem „Dolce Vita am Kamin“ in der heutigen Gaststätte Denkmal startete. Sechs Jahre später eröffnete er eine Stehpizzeria neben dem damaligen „Old Inn“ in der Mährstraße, bevor er 2002 die frühere Gaststätte Schwarz an der Schützenstraße 5 übernahm und in „La Dolce Vita“ umbenannte. „Mit dem besten Vermieter überhaupt“, lobt.

Nach 36 Jahren in der Gastronomie verlässt die Familie Roccasalva ihre Trattoria "La Dolce Vita" an der Schützenstraße 5.

Nach 36 Jahren in der Gastronomie verlässt die Familie Roccasalva ihre Trattoria „La Dolce Vita" an der Schützenstraße 5. © Reinhard Schmitz

In den Raum kommen jetzt schon die Enkel der ersten Gäste mit. „Es tut schon ein bisschen weh, dass wir aufhören müssen“, sagt Guido Roccasalva. Aber es geht nicht anders. Gesundheitliche Gründe ließen seiner Frau keine Wahl. „Wir würden uns freuen, wenn wir einen Nachfolger fänden“, sagt er. Bis Ende Mai wäre dazu noch Gelegenheit: „Ein kleines, gut händelbares Lokal für ein Pärchen.“ Man sei sogar bereit, anfangs für ein paar Wochen mitzuhelfen.

Die Rezepte sind trotzdem nicht für die Allgemeinheit verloren

Ansonsten sind die Rezepte ja nicht verloren. Die beiden Töchter schöpfen daraus für ihren beliebten Internet-Blog „In Mary´s Kitchen“ und für die zahlreichen Kochkurse, die sie bei verschiedenen Veranstaltern geben. Dabei sind die Eltern auch oft mit an Bord. Und wer weiß, was sonst noch passiert. „Wir werden uns kochtechnisch noch einmal melden“, verspricht Guido Roccasalva und überlegt: „Vielleicht werden werden wir dann privat bei Gästen kochen.“ So ganz lassen kann er es nicht. Auch wenn eine weitere Leidenschaft darauf wartet, wiederbelebt zu werden. Früher war er Sänger der bekannten Italo-Band La Dolce Vita, die dem Lokal seinen Namen gab: „Vielleicht werde ich jetzt wieder Musik machen.“

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