„Juniorwahl“: Wenn Jugendliche wählen dürfen, soll die Lust aufs Mitbestimmen wachsen

rnGesamtschule Gänsewinkel

Am Sonntag ist Europawahl. Während Eltern und Großeltern in die Wahllokale gehen, müssen Schüler zuhause bleiben. Die Gesamtschule Gänsewinkel will sie trotzdem zu Demokratie motivieren.

Schwerte

, 21.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn am Sonntag Millionen Wahlberechtigte bei der Europawahl ihr Kreuzchen machen, müssen sie zu Hause bleiben: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind nicht wahlberechtigt. In der Gesamtschule Gänsewinkel war aber am Montag trotzdem Wahltag.

Kurzerhand hatte man den Musikraum im Untergeschoss der Gesamtschule zum Wahllokal umfunktioniert. Zwei Wahlkabinen, vier Wahlhelfer und eine versiegelte Wahlurne sollen die simulierte Juniorwahl so genau wie möglich machen.

Das Projekt „Juniorwahl“ soll den Schülern bewusst machen, welche hohe Bedeutung der Wahl in einer Demokratie zukommt. Durch die Teilnahme an einer Wahl kann jeder Mensch politisch mitbestimmen und entscheiden - allerdings erst ab 18 Jahren.

„Wir wollen der Wahlmüdigkeit entgegenwirken“

Mit einer simulierten Wahl will die Gesamtschule Demokratie erfahrbar machen und die Jugendlichen dazu motivieren, sich an demokratischen Wahlen zu beteiligen. Alles läuft genau so ab, wie bei der richtigen Europwahl am kommenden Sonntag.

Auf dem Wahlzettel der Schüler stehen alle Parteien, die auch auf den richtigen Wahlzetteln stehen. Die Schüler müssen sich zu Beginn ausweisen und ihre Wahlbenachrichtigung abgeben. Dann machen sie ihr Kreuz und werfen den Zettel in die versiegelte Urne.

Die Gesamtschule Gänsewinkel ist eine von mehr als 200 Schulen in NRW, die an dem Projekt teilnehmen.

„Wir wollen so der Wahlmüdigkeit entgegenwirken“, sagt Lehrer Frank Clemens, der mit seiner Klasse den ersten Wahlgang macht. Die Klassen 9 und 10 nehmen in der Gesamtschule an der Wahl teil.

Schüler haben bei der Juniorwahl die Rechte von Erwachsenen

Den Schülern der Gesamtschule gefiel die Aktion. „Das Projekt ist super und total sinnvoll. Wir können in wenigen Jahren auch wählen und sollten das auch tun. Dann können wir mitbestimmen und uns für die Dinge einsetzen, die uns wichtig sind“, sagt Schülerin Celina Herzig.

Die 16-Jährige hat sich auch schon vor dem Projekt fürs Wählengehen interessiert. So auch fast alle ihrer Mitschüler: Nur einer von ihnen hatte vor der Juniorwahl gesagt, er würde nicht wählen. Nach dem Wahlgang sieht aber alles ganz anders aus, auch er würde jetzt gerne wählen gehen.

„Was das Projekt für die Schüler so spannend macht, ist, dass sie das Recht von Erwachsenen jetzt schon haben“, vermutet Frank Clemens.

Auch andere Faktoren sprechen für die Juniorwahl. Politische Diskussionen innerhalb der Familien würden steigen. So haben wissenschaftliche Studien ergeben, dass nicht nur die Wahlbeteiligung bei Erstwählern, sondern auch bei ihren Eltern in die Höhe geht.

Wahlergebnis dient der Unterrichtsgestaltung

Ein weiterer Wahlgang findet am Donnerstag statt. Im Anschluss wird die Wahlurne geöffnet, und die Ergebnisse können ausgewertet werden. „Wir wollen die Entscheidungen der Schüler im Anschluss aufbereiten. Je nach Wahlergebnis können wir an verschiedene Punkte anknüpfen. Das Ergebnis wird ihnen auch offiziell mitgeteilt“, betont Frank Clemens.

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