Kabel zerschnitten, Tanks abgelassen: Autotheater-Macher verzweifeln

rnAutotheater an der Ruhr

Ein ehrenamtliches Projekt soll Kultur nach Schwerte zurückbringen. Doch nahezu täglich verwüsten Vandalen das Gelände an der Rohrmeisterei. Jetzt hoffen die Macher auf die Öffentlichkeit.

Schwerte

, 26.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lars Blömer, Intendant des Theaters am Fluss, ist fassungslos. „Wenn das so weiter geht, können wir nach zwei Wochen wieder zumachen.“ Gemeint ist das neue Projekt Autotheater Ruhr. Bereits in den ersten Tagen des Bestehens der Autobühne hinter der Rohrmeisterei haben Diebe und Vandalen fünf Mal zugeschlagen. Zum Teil mit sinnlosem Rowdytum hohe Schäden angerichtet.

Schon beim Aufbau der erste Diebstahlsversuch

Schon beim Aufbau am Mittwoch hatte jemand versucht, aus dem Technikraum Kabel zu stehlen. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatten dann unbekannte Täter nachts alle Kabel an den WLAN-Verteilern durchgeschnitten und die Stecker gestohlen. Die Anlage ist aber notwendig, damit man in den Fahrzeugen auch den Sound von der Bühne hören kann.

Noch dicker kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag. Da hatten Unbekannte einen der Wassertanks, mit denen die Bühne gegen Wind beschwert ist, abgelassen. 1600 Liter Wasser flossen auf das Rohrmeisterei-Plateau.

Besonders dreist ein Diebstahlsversuch am Samstagnachmittag: Obwohl das Plateau gut mit Ausflüglern besetzt war, stahl sich ein Dieb hinter das Technikauto und wickelte wie selbstverständlich ein Starkstromkabel auf. Wenn Andreas Burghardt von Mainmix, der am Autotheater Ruhr beteiligten Technikfirma nicht hinzu gekommen wäre und den Mann gestoppt hätte, wäre der wohl mit dem Kabel entkommen. So riss sich der Unbekannte los und konnte fliehen, das Kabel blieb aber an Ort und Stelle.

Nachts das Wasser aus den großen Tanks abgelassen

In der Nacht zu Dienstag wurde wieder Wasser aus einem der großen Tanks abgelassen. Dieses Mal traten die Täter aber zusätzlich das Ventil des Tanks kaputt. „Man stelle sich vor, das bleibt unbemerkt und Wind kommt auf“, sagt Lars Blömer. Da könne die gesamte Bühne umkippen. Am Dienstagvormittag wurde der Schaden notdürftig repariert. Anstelle eines Ventils wurde das Ablassrohr des Tanks mit einer Art Korken verschlossen.

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Die Schäden sind zwar alle bei der Polizei angezeigt und es existiert auch eine Versicherung. Ob die für alles aufkommt, ist aber fraglich.

So sieht die Bühne des Autotheaters auf dem Gelände hinter der Rohrmeisterei aus. Links und rechts die Wassertanks mit denen die Bühne beschwert ist.

So sieht die Bühne des Autotheaters auf dem Gelände hinter der Rohrmeisterei aus. Links und rechts die Wassertanks mit denen die Bühne beschwert ist. © Heiko Mühlbauer

Zumindest was den Ton für die Veranstaltungen betrifft, gibt es aber auch ein gute Nachricht. Die Bundesnetzagentur hat dem Autotheater eine UKW-Frequenz zugewiesen, sodass man nicht mehr auf die zerschnittenen Kabel zu den WLAN-Verteilern und die gestohlenen Stecker angewiesen ist. Unter 88,4 können die Besucher jetzt in ihrem Fahrzeugen den Sound über das Autoradio hören.

„Die Technik ist einfach und weniger störungsanfällig, und den UKW-Sender kann man abends wegsperren“, so Blömer.

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Appell und Bitte an die Öffentlichkeit

Was die Akteure aber ratlos zurück lässt, ist die Sinnlosigkeit der Taten. Schließlich trifft es kein kommerzielles Projekt, sondern einen ehrenamtlichen Versuch, wieder etwas Kultur im öffentlichen Raum in Schwerte zu schaffen.

Und weil das ja irgendwie alle angeht, setzen Lars Blömer und seine Mitstreiter jetzt auf die Öffentlichkeit: „Wir wollen zwar jetzt eine Video-Überwachung installieren, aber mit Personal können wir die Anlage über so einen langen Zeitraum mit 24 Stunden am Tag nicht überwachen.“

Deshalb setzt man, auf die Aufmerksamkeit der Schwerter. Wer jemanden Verdächtigen auf dem Areal entdeckt, solle den tagsüber ruhig ansprechen, nachts die Sache melden.

Und dann hätte das Autotheater noch eine Bitte an Schwerter Firmen: „Vielleicht gibt es jemand, der uns Bauzäune leihen kann, mit denen wir zumindest die Bühne eingittern können“, so Lars Blömer.

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