Kandidatenrunde mit 900 Schülern

Bürgermeisterwahl in Schwerte

Eine Filiale des Café Extrablatts interessiere sich für Schwerte, hatte Adrian Mork bei der Diskussion mit Schwerer Oberstufenschülern in der Rohrmeisterei im Angebot. Dimitrios Axourgos versprach, sich für ein Kino einzusetzen. Einig waren sich die beiden darüber, dass der Schulstreit mit Dortmund ein Skandal sei. Allerdings mit höchst unterschiedlichen Begründungen.

Schwerte

, 20.02.2018, 16:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sechs Kandidaten, drei Moderatoren und 900 Schüler – das war die Ausgangslage am Dienstagmorgen in der Rohrmeisterei.

Sechs Kandidaten, drei Moderatoren und 900 Schüler – das war die Ausgangslage am Dienstagmorgen in der Rohrmeisterei. © Bernd Paulitschke

Leicht angespannt, aber durchaus lässig, gibt sich Tim Müller noch um 11.30 Uhr. „Als die Veranstaltung geplant wurde, habe ich mich direkt freiwillig als Moderator gemeldet.“ Gemeinsam mit Leo Romanski (Gesamtschule Gänsewinkel) und Jonah Eberle (RTG) steht er auf der Bühne der Rohrmeisterei während rund 900 Schülerinnen und Schüler in die Halle strömen. So viele Schwerter Schüler versammeln sich in der Rohrmeisterei sonst allenfalls zur Party nach dem Abiball. Am Dienstag waren sie zugegebenermaßen nicht alle freiwillig in die Halle gekommen, um den sechs Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn zu fühlen. Und die Kandidaten, die nun eigentlich schon einige dieser Diskussionen hinter sich hatten, schienen im Vorfeld nervöser als das junge Moderatorenteam.

Es war die erste gemeinsame Veranstaltung der drei Schülervertretungen. Vor einiger Zeit hätten sie sich getroffen, um gemeinsam etwas zu machen, erklärt Jochen Georges, SV-Lehrer an der Gesamtschule. Auch, um ein Zeichen zu setzen, dass die Rivalität der Schulen nicht die der Schüler sei. Und die erste gemeinsame Veranstaltung war das Bürgermeisterduell, schließlich dürfen nahezu alle Oberstufenschüler bei der Kommunalwahl ihre Stimme abgeben. Und das Konzept gab den Machern recht. Über zwei Schulstunden (ohne Pause) herrschte in der Halle gespannte Atmosphäre.

Andere Fragen als in anderen Runden

Die Fragen, die das jugendliche Auditorium stellte oder durch seine Vertreter stellen ließ, unterschieden sich zumindest teilweise deutlich von denen des Kandidatenduells. So ging es um Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche, die Digitalisierung der Stadt und die geplatzte Beschulungsvereinbarung mit Dortmund. Die Umweltschutzbemühungen der Kandidaten standen genauso zur Debatte wie das generationenübergreifende Thema Verkehr.

Raum zum Feiern und Abhängen

Adrian Mork nutzte seinen Vorsprung als Verwaltungsmitarbeiter aus. Er verkündete zum Thema Freizeit, man plane, Jugendlichen einen selbstverwalteten Raum zum Feiern und Abhängen in einer städtischen Immobilie zur Verfügung zu stellen. Und in seinem Abschlussplädoyer erklärte er, man verhandele mit der Gastronomiekette Extrablatt über eine Schwerter Filiale. Derart Konkretes konnten die übrigen Bewerber naturgemäß nicht vorweisen. Beim Thema Freizeit wiederholte Axourgos, der mit dem größten Anfangsapplaus bedacht worden war, seine Ankündigung, er werde ein Service-Kino in die Stadt locken. Ansonsten räumte er ein, dass die Forderung nach einer Disco wohl vergeblich sei. Wofür er sich aber einsetzen werde, sei die Verbesserung der Verbindungen mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln, um die Freizeiteinrichtungen der Nachbarstädte besser nutzen zu können. Das sahen die freien Bewerber ähnlich. Auch wenn Gregor Podeschwa in diesem Zusammenhang noch einmal forderte, die Nutzungsgebühren für Sportplätze und -hallen abzuschaffen, und Dirk Hanné seine Kernforderung nach einer Digitalisierung dort unterbrachte. Seine Logik: Mit besserer digitaler Infrastruktur kommen coolere Firmen nach Schwerte, und in deren Gefolge verbessert sich das Freizeitangebot. Ob das Kino wirklich der Weisheit letzter Schluss sei, bezweifelte Stefan Barthel. „Das wurde schon 1991, als ich aufs Ruhrtal-Gymnasium kam, diskutiert.“

Der Skandal und die Beschulungsvereinbarung

Laut wurde es noch einmal beim Thema Beschulungsvereinbarung. Die würde Axourgos mit Dortmund sofort abschließen. Es sei ein Skandal, dass Kinder, die an der Stadtgrenze wohnen, nicht hier zur Schule gehen könnten. Das bestätigte Mork, der Skandal liege aber darin, dass die Landesregierung Schulpolitik an Stadtgrenzen festmache.

Für einen Schmunzler sorgte Christiane Ganske: „Ich weiß, was das an Zeit kostet, wenn man den Falschen wählt.“ Gemeint war allerdings nicht die Bürgermeisterwahl, sondern der falsche Weg bei der Berufswahl.

Nach 90 Minuten war es geschafft, die Moderatoren auch? „Nein, es ist ja alles gut gelaufen“, sagt Tim Müller. „Nur ein zwei Fragen mehr hätte ich gerne gestellt.“ Und dafür wohl auch kürzere Antworten bekommen. Denn bei mancher Antwort klebte der eine oder andere der Bürgermeisterbewerber sehr an seinem Mikrofon.

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