Die Schwerter Immobilienmaklerin Katrin Sasse hat ihren ersten Roman veröffentlicht. Im Selbstverlag - eine Möglichkeit, die immer mehr Autoren für sich entdecken. Worauf muss man achten?

Schwerte

, 26.03.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Zu ihrem ersten selbstgeschriebenen Buch kam Katrin Sasse wie die Jungfrau zum Kinde. Weder hatte die 37-Jährige jemals zuvor Geschichten geschrieben, noch war es ein lang gehegter Traum gewesen. „Ich fuhr von einer Geburtstagsparty nach Haus und hatte plötzlich eine Story im Kopf, die ich aufschreiben wollte“, erinnert sich die Immobilienmaklerin an eine Nacht im vergangenen September. „Ich habe nicht lange nachgedacht, sondern einfach gemacht. Die Geschichte floss einfach aus mir heraus und verselbstständigte sich beim Schreiben.“

Und so blieb von ihrer ursprünglichen Idee am Ende nichts übrig. „Dafür produzierte sich eine neue Geschichte ganz von alleine.“

In vier Monaten zum ersten Buch

Nur vier Monate später war das Buch fertig und bereits auf dem Markt - ein knapp gehaltener Roman von 112 Seiten. Aber auf den paar Seiten ist jede Menge los. „Ich habe einen modernen, schnellen Schreibstil gewählt. Das passt zu mir und zu meiner Protagonistin. Alles passiert Schlag auf Schlag“, sagt Katrin Sasse.

Veröffentlich hat sie das Buch im Januar im Eigenverlag über Amazon Direct Publishing. Für die Schwerterin eine schnelle und einfache Möglichkeit, ihr Buch Lesern zugänglich zu machen. Dieser Publikationsweg ist mittlerweile bei vielen Autoren beliebt. Denn so entfällt die meist zeitaufwendige Verlagssuche. Auch die Verdienstmarge pro verkauftem Buch sei beim Selfpublishing höher, so Sabine Lipan, Vorstandsvorsitzende des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller NRW. „Und Manuskripte, die von Verlagen abgelehnt wurden, können so doch veröffentlicht werden“, sagt sie. Auch vergriffene oder nicht mehr aufgelegt Bücher bleiben so erhältlich.

Üblich ist „Books on Demand“- bedeutet, dass das Buch erst gedruckt wird, wenn es bestellt wird. So brauchen Self Publisher auch keine kostspielige Erstauflage auf eigene Kosten drucken, die sich vielleicht gar nicht gut verkauft.

Alle Entscheidungen trifft der Autor

Im Eigenverlag kann der Autor alle Entscheidungen selbst treffen. Das bedeutet aber auch, dass er sich um alles selbst kümmern muss - vom Lektorat über die Covergestaltung, Klappentexte und Werbung. „Man braucht dafür schon eine gute Vernetzung“, sagt Sabine Lipan. Blogger, Leserunden, Messen - der gesamte Marketingbereich müsse selbst bedient werden. „Viele unterschätzen, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, professionell zu arbeiten. Und dass Dienstleistungen, die man sich einkauft, Geld kosten.“

Kay Ganahl, Kommunikationsbeauftragter des Freien Deutschen Autorenverbandes/NRW und selbst Schriftsteller aus Solingen sieht dennoch vor allem Vorteile: „Jeder Autor kann das eigene Kreativitätspotenzial ohne negative Beeinflussung und Einschränkung durch Verleger zur Geltung kommen lassen. Vorlieben, Vorurteile und Fehlurteile eines Verlegers oder Lektors spielen keine Rolle.“

Informationen für
Selfpublisher

Autoren finden weitere Informationen zum Thema Buchveröffentlichung im Eigenverlag auf der Homepage „Buch veröffentlichen“ und der Hompage „Selfpublisherbibel“.

Bei der Auswahl der Plattform gibt es viel zu beachten. Autor Kay Ganahl nennt einige Punkte, auf die Autoren achten sollten. „Die Anfangskosten für die Buchproduktion sollten niedrig bleiben.“ Eine Einstiegspauschale von bis zu 100 Euro sei akzeptabel - inklusive der ISBN-Nummer.

Im Idealfall sollte man auf der Plattform Serviceleistungen wie Lektorat oder Marketing dazubuchen können. „Den Druck der Bücher muss man in beliebiger Auflagenhöhe direkt auf der Plattform über das Autorenkonto bestellen können“, so Ganahl. „Der Autorenrabatt solle 10 bis 20 Prozent vom Ladenverkaufspreis betragen.“ Besonders wichtig: „Das Copyright sollte beim Autor bleiben.“

„Der Elfenbeinturm existiert nicht mehr“

Das Berufsbild des Schriftstellers hat sich durch die Möglichkeit des Self Publishings sehr geändert. „Der Elfenbeinturm existiert nicht mehr“, so Sabine Lipan. „Gerade junge Schreibende gehen mit großer Begeisterung und angstfrei ans Schreiben. Und exotische Projekte, die nie die Chance auf einen Verlag gehabt hätten, finden so Plattformen.“ Aber es werde auch viel veröffentlicht, was keinem Qualitätskriterium standhalte. Vieles werde einfach so auf den Markt geworfen. Auch für den Leser sei Qualität schwerer erkennbar.

Im Netz gibt es verschiedenen Anbieter für Self Publishing. Katrin Sasse hat sich für den Marktriesen Amazon entschieden - „weil da alles gut erklärt war.“ Die Werbung macht sie selbst, meist über Mund-zu-Mund-Propaganda oder Facebook.

Auch bei Bücher Bachmann in Schwerte habe sie ihr Buch vorgestellt. Inhaber Olaf Bachmann war aufgeschlossen. „Man weiß ja nie, ob sich hinter einem Autor nicht vielleicht die künftige Joanne K. Rowling verbirgt, und dann freue ich mich, wenn die Autorin später erwähnt, wo alles angefangen hat“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Engagierte Autoren aus Schwerte zu unterstützen sei ihm ein Anliegen. Und so wirft im Moment jeder Kunde, der den Laden betritt, im Schaufenster neben den Eingangsstufen einen Blick auf Sasses Roman mit dem Hinweis-Schild auf ihre Herkunft.

Protagonistin auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Im Durchschnitt verkauft Katrin Sasse seit der Veröffentlichung zehn Bücher pro Woche. Bei den Lesern scheint ihr Buch anzukommen. Rezensentin Gaby schreibt bei Amazon: „Ich habe das Buch von Anfang bis Ende genossen. (...) Ich mag ihren Schreibstil sehr, inhaltlich ist es sowieso top- zeitnah, erotisch, spannend und schlüssig.“ Ob die Erlöse ihrer Bücher für Sasse je zum Leben reichen werden, weiß sie nicht. Jetzt geht es der Immobilienmaklerin erstmal um den Spaß am Scheiben.

Das Erstlingswerk

Katrin Sasse, Mord ist auch nur eine Eigenschaft, 112 Seiten, ISBN-10: 1792919913, ISBN-13: 978-1792919916, 9,34 Euro.

Der Titel ihres Erstlingswerkes führt den Leser in die Irre: „Mord ist auch nur eine Eigenschaft“ heißt das Buch. Aber es ist kein Kriminalroman - auch wenn es eine Tote gibt, die alles ins Rollen bringt. Vielmehr sei es eine Gesellschaftskritik mit psychologischem Tiefgang, so Sasse.

Psychologiestudentin Giulietta will ein selbstbestimmtes und freies Leben führen. Sie will sich nicht binden, schon gar nicht an einen Mann. Stattdessen vergnügt sie sich mit wechselnden Partnern. Durch kuriose Verwicklungen landet sie als Sexsklavin in Afrika. Und dort entdeckt sie, dass sie in Deutschland vielleicht gar nicht so frei war, wie sie dachte. „Es geht darum, dass man als Mensch charakterlich eigentlich nicht frei sein kann, weil man an sein Umfeld gebunden ist“, erklärt Katrin Sasse ihr Buch. „Und es geht um die Polarität von Gut und Böse.“

Noch viele Ideen im Kopf

„Mord ist auch nur eine Eigenschaft“ soll der Auftakt zu einer Giulietta-Reihe sein. Keine langatmige Reihe, sondern mehrere temporeiche Episoden mit psychologischem Tiefgang. Da hat Katrin Sasse noch viel zu erzählen und zu beleuchten: „Während meiner Recherche habe ich mich viel mit Soziopathen, gesundem und krankem Narzissmus beschäftigt, mit der Rolle von Mann und Frau in der Gesellschaft und warum Machtstrukturen in der Gesellschaft eben so sind wie sie sind.“

Parallel arbeitet die Immobilienmaklerin und zweifache Mutter auch noch an einem religionskritischen Jugend-Buch mit dem Titel „Die Sterne am Himmel - Als der Libanon noch Zedern trug“. Es geht um einen kleinen Jungen, dessen Ziege getötet wird. Nach diesem Schicksalsschlag will er die Welt besser machen - für die Menschen und die Ziegen.

Auch noch in Planung ist ein humoristisch-sarkastisches Buch mit dem provokanten Titel „Ich bin eine schlechte Mutter“. Soviele Ideen und Projekte schlummern in Katrin Sasse, jetzt wollen sie alle auf einmal hinaus. „Ich merke erst jetzt, dass in mir noch viel mehr steckt, ich möchte das Kreative in mir ausleben.“ Dabei ist sie ganz Optimistin: „Das Universum ist mit Dir, wenn Du Dein Leben lebst!“

Was ist die ISBN-Nummer?

ISBN bedeutet Internationale Standard-Buchnummer (ISBN). Die weltweit gültige Identifikationsnummer kennzeichnet Produkte wie Bücher, E-Books, Bildkalender und Landkarten. Durch die Nummer sind sie eindeutig zu identifizieren. Mithilfe der ISBN können Buchhändler und Kunden Titel finden. Bibliotheken nutzen die ISBN für den Erwerb und die Katalogisierung von Büchern.
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