Kaum noch Einbrüche in Schwerte: Liegt das an Corona oder der Polizei?

rnRückläufige Fallzahlen

Wie stark gehen die Einbrüche in Schwerte zurück? Ist der aktuelle Rückgang nur die Folge von Corona oder gibt es längerfristige Trends? Gilt der Rückgang überhaupt für alle Bereiche?

Schwerte

, 24.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Einbruch in Ergste, gar nicht so weit weg von der A45, also vom schnellen Fluchtweg. Wobei: Nicht einmal ein echter Einbruch war‘s, sondern nur ein Versuch.

Geschehen ist es zwischen 14. und 20. Mai. Eine eigene Pressemitteilung war das der Polizei nicht einmal wert. Kein Wunder: Längst nicht jeder kleinere Einsatz, nicht jeder Einbruch oder Versuch wird auch zur Meldung.

Bemerkenswert ist der Versuch trotzdem. Er war der erste in Schwerte seit vielen Wochen und tauchte als solcher auch auf im Wohnungseinbruchsradar. Das veröffentlicht die Polizei im Kreis Unna einmal pro Woche. Zu sehen sind die Fälle aus den vergangenen sieben Tagen.

Häufig hat diese Grafik wenig Aussagekraft. Wen in Schwerte interessiert es schon, ob es in Bergkamen einen oder zwei Einbrüche gab, wie oft die Täter in Selm aktiv wurden, was gerade in Bönen geschah? Und in anderen Städten dieses Zweckverbunds Kreis Unna geht es den Menschen ähnlich.

In Corona-Zeiten hatte die Grafik aber plötzlich eine eindeutige Aussagekraft. Das zeigt das Beispiel von 7. bis 14. Mai. Kein einziger Fall war auf der Karte, wie schon in mehreren Wochen zuvor.

„Wir haben schon deutlich weniger Wohnungseinbrüche.“ Darauf legt sich Christian Stein, Sprecher der Polizei im Kreis Unna fest. Mit Zahlen argumentiert er allerdings nicht. Die werden im Regelfall einmal pro Jahr veröffentlicht, Anfang März, zeitgleich mit denen für ganz NRW und in allen Polizeibehörden der Kreise und kreisfreien Städte. Unterjährig aber werden Fallzahlen nur äußerst selten herausgesucht. Was auch damit zusammenhängt, dass eine Beobachtung im kurzen Zeitraum den Sachverhalt verfälschen kann.

Sind potenzielle Tatorte einfach besser bewacht?

„Einbrecher sind eigentlich scheue Menschen – das können wir an ihrer Arbeitsweise sehen“, unterstrich kürzlich Peter Bandermann, ein Kollege von Stein, einer der Sprecher der Polizei in Dortmund. Durch die Corona-Auswirkungen seien mehr Menschen zuhause. Potenzielle Tatorte seien also besser bewacht.

Das könne so sein, ergänzt Stein für den Kreis Unna an sich und Schwerte im speziellen. „Ob das aber wirklich damit zusammenhängt, werden wir erst später sehen können. Wahrscheinlich dann, wenn die Hochzeit von Corona irgendwann vorbei ist.“

Ist der generelle Rückgang eine Folge guter Polizeiarbeit?

Vielleicht sei der Rückgang ja auch mit auf die Präventionsarbeit der Polizei zurückzuführen, überlegt Stein. Auch dieser Gedankengang steckt in den Zahlen. Zumindest dann, wenn man auf einen größeren Zeitraum schaut.

2015 gab es noch mehr als 250 Einbrüche in Schwerte, 2016 noch über 150. 2019 waren es noch 67. Der Trend ist stark rückläufig, zuletzt in Schwerte um 15 Prozent.

Das Empfinden vieler Menschen ist ein anderes. Das hatte unter anderem die Bochumer Sicherheitsstudie gezeigt, an der der Ergster Kriminologie-Professor Thomas Feltes maßgeblich mitwirkte. 70 Prozent der Menschen waren der Ansicht, im eigenen Viertel hätten die Einbrüche zugenommen. Und das bei sinkenden Zahlen.

Brechen die Kriminellen vermehrt in Geschäfte und Firmen ein?

Doch zurück zur aktuellen Lage, zurück zu den Corona-Auswirkungen auf die Arbeit der Polizei: Suchen sich die Kriminellen vielleicht einfach andere Ziele? Sind sie in den vergangenen Monaten mehr in Geschäfte und Firmen eingebrochen, da dort ja weniger Betrieb war? „Nein, so eine Verschiebung hat offenbar nicht stattgefunden“, sagt Stein: „Wir hatten nicht weniger und nicht mehr Geschäftseinbrüche als üblich“, erklärt er nach Rücksprache mit den Kollegen auf der Wache in Schwerte.

Einbrüche in Geschäftsräume gibt noch immer – wie kürzlich in Westhofen und im Schwerter Norden. Und direkt vor einem Wohnhaus wurde ein BMW professionell ausgeschlachtet.

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