Keine Polizei mehr bei Umzügen - das wollen Schwertes Schützen nicht hinnehmen

rnBald Gespräch mit Landrat

Die Polizei ist nicht mehr dabei, wenn die Umzüge anstehen. Das wollen die Schützen aus Schwerte nicht hinnehmen. Nach Gesprächen im Rathaus wenden sie sich jetzt an den Chef der Polizei.

Schwerte

, 11.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Dieter Schmikowski reicht‘s. Die Schützen sollen alleine zurechtkommen, ohne Polizeibegleitung? Obwohl bei den großen Umzügen doch jahrzehntelang Polizisten da waren, um für Sicherheit zu sorgen und um die großen Straßen abzusperren?

Das will der Oberst des Bürgerschützenvereins „Königreich Wandhofen“ nicht einfach so hinnehmen. Zwei Treffen mit Bürgermeister Dimitrios Axourgos haben die Schwerter Schützenvereine schon hinter sich. Mitgeteilt wurde ihnen: Die Polizei im Kreis Unna werde nicht mehr vor Ort sein. Stattdessen müssten die Vereine die Absicherung selbst stemmen.

Schilder, Pylonen und Gelblicht fürs Autodach könne man sich dafür natürlich gerne ausleihen.

Schützen-Oberst schrieb einen Brief an den Landrat

Schmikowski will das nicht hinnehmen und erklärt stellvertretend für die Schützen: „Das ist für uns ernüchternd und höchst unbefriedigend, was wir da zu hören bekommen haben. Wir gehen eher davon aus, dass sich die Polizei einen ‚schlanken Fuß‘ machen will und den Versuch startet, sich von ungeliebten Aufgaben ohne ersichtlichen Grund zu verabschieden.“

So steht es im Brief, den der Wandhofener Oberst an Michael Makiolla geschickt hat, an den Landrat, den Chef der Polizei im Kreis Unna. Es heiße doch immer, das Ehrenamt könne nicht hoch genug bewertet werden. „Wenn es aber um eine Konkretisierung von Maßnahmen geht, werden wir Ehrenamtlichen alleine gelassen, und so drängt sich uns der Verdacht auf, dass die Steine, die man uns in den Weg legt, immer größer werden.“

Umzüge auch an Rosenmontag, zu St. Martin und an Fronleichnam

Schmikowski betont, dass das in Schwerte nicht nur ein Problem für die Schützen ist: Der Rosenmontagsumzug der Kinder durch die Innenstadt musste ausfallen. Auswirkungen hat die neue Regelung auch für die Organisatoren der St.-Martins-Umzüge und der Fronleichnams-Prozession.

Das alles nimmt Landrat Makiolla zur Kenntnis. Doch in seiner Antwort an Schmikowski unterstreicht er, es bleibe bei der Regelung, die man schon kommuniziert habe. Grundsätzlich müssten alle Umzüge so geplant sein, dass man den Verkehr möglichst wenig störe. Dann ordne die Straßenverkehrsbehörde an, ob, wo und wie es zu Straßensperrungen kommen darf und so zum Beispiel der Einsatz von Ordnern zwingend erforderlich ist.

„Nur wenn im Einzelfall diese Maßnahmen nicht ausreichen, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, oder es zu unerwarteten Sicherheitsstörungen kommt“, stehe die Polizei als Ergänzung bereit, so Makiolla.

In Iserlohn schickt die Polizei Streifenwagen zu den Umzügen

Wenige Kilometer entfernt sieht das übrigens anders aus. In Iserlohn zum Beispiel. „Im Märkischen Kreis ist die Polizei mit einem Streifenwagen vor Ort“, erklärt Jens Neumann, Sprecher der dortigen Polizei. Auch dort müssen die Schützen für Ordner und Absperrungen sorgen. Um Gefahren abzuwehren, ist die Polizei jedoch dabei.

Warum das unterschiedlich ist, erklärt Nina Vogt, Sprecherin der Polizei in Dortmund: „Jede Polizeibehörde hat die Personalhoheit.“ Soll heißen: In jedem Kreis und in jeder kreisfreien Stadt entscheidet die Polizei-Spitze selbst, ob sie genügend Kollegen hat, die Umzugs-Aufgaben zu übernehmen. In Dortmund selbst, so Vogt, gebe es eine Einzelfall-Entscheidung.

Schützen und Landrat treffen sich bald zum Gespräch

Bewegt sich auch im Kreis Unna noch was? Dieter Schmikowski hofft darauf. Immerhin hat der Landrat die Schützen zu einem Gespräch eingeladen. Man sei aktuell dabei, einen Termin abzustimmen, so Schmikowski.

Er werde dann garantiert auch an einen Fall aus Iserlohn hinweisen: Dort hielt vor wenigen Wochen ein Audi-Fahrer auf einen Spielmannszug zu und zwang mehrere Menschen, zur Seite zu springen. Übrigens genau an dem Tag, als Schmikowski in seinem Brief an Makiolla schrieb: „Der Gesichtspunkt ‚Gefahr und Gefahrenabwehr‘ ist mir in der bisherigen Diskussion zu kurz gekommen.“

Lesen Sie jetzt