Keule sammelt virtuelles Trinkgeld: „Es reißt uns den Boden weg“

rnCoronavirus in Schwerte

Seit fast zwei Wochen ist Die Keule in der Innenstadt dicht. Eine Ausnahmesituation für die Mitarbeiter, denn zu ihrem Einkommen gehört auch Trinkgeld. Die Gäste zeigen sich solidarisch.

Schwerte

, 30.03.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sei wirklich eine Katastrophe, eine komplett neue Situation, mit der niemand wirklich umzugehen weiß. Seit 35 Jahren war Die Keule für ihre Gäste geöffnet, jeden Tag. Und seit zwei Wochen steht dort mittlerweile alles still.

Das Coronavirus untersagt allen Gastronomen den Betrieb. „Es trifft uns besonders hart und reißt uns buchstäblich den Boden weg“, klagt Christopher Schulze-Bentrop.

„In der Gastro lebt das Personal auch vom Trinkgeld. Für uns alle ist das Zubrot super wichtig, wenn das von heute auf morgen wegbricht, das ist hart.“ Also hat er für sich und seine Kollegen eine Aktion ins Leben gerufen, die gerade deutschlandweit erfolgreich ist.

Spendenkampagne soll dem Keule-Personal das Trinkgeld wiederbringen

Mit dem Hashtag #SupportYourLocals – also „Kauft lokal!“ – werden alle Menschen in der Coronakrise dazu aufgerufen, vor allem die kleinen Einzelhändler, Supermärkte oder Restaurants zu unterstützen. Sie sind eher auf Hilfe angewiesen als größere Ketten. Und so ist es eben auch bei der Schwerter Kultkneipe.

„Es gibt jetzt eine Spendenkampagne, über die wir Trinkgeld von unseren Stammgästen sammeln“, erklärt Schulze-Bentrop seine Idee. Angesetzt war ein Spendenziel von 1000 Euro, das hat man aber mittlerweile schon auf 1500 Euro erhöht. So gut ist die Kampagne in den ersten Tagen gelaufen.

„Manche geben 5, andere 15 und manche sogar 50 Euro. Für uns ist das in dieser so schwierigen Zeit Gold wert“, freut sich der Sohn von Keule-Chef Jochen Melzer. Ganze 965 Euro sind auf diesem Weg schon zusammengekommen. Dann wird das Geld unter den rund 20 Mitarbeitern aufgeteilt.

Es geht nur ums Trinkgeld, Personal sei nicht gefährdet

Christopher Schulze-Bentrop möchte aber klar stellen: „Es geht wirklich nur um die Trinkgelder. Den Lohn für alle können wir deckeln, das läuft wie gewohnt weiter.“ Und in den Monaten darauf müsse man dann schauen, wie sich alles entwickelt. „Wir sind alle sicher, es ist niemand entlassen worden. Aber trotzdem ist für uns natürlich eine absolute Welt zusammengebrochen, der Laden war immer rappelvoll.“

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Deshalb habe man sich auch lange überlegt, ob man wirklich schließen wolle. Aber ein Lieferdienst hätte sich einfach nicht rentiert, so Schulze-Bentrop. Das habe man nach ein paar Tagen beobachten können und ihn dann wieder eingestellt.

„Wir haben jetzt unsere Festangestellten gebündelt, um intern aufzuräumen und einen kleinen Umbau zu machen. Da nutzen wir gerade unsere Kraft.“ Danach wolle man dann wieder mit neuer Energie durchstarten, damit in der Keule alles wieder seinen gewohnten Lauf nehmen kann.

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