Kitas in Schwerte ab 8. Juni offen für alle – Was ändert sich?

rnCorona-Maßnahmen

Offen für alle, aber mit weniger Stunden – das gilt ab Montag, 8. Juni, auch für die Kitas in Schwerte. Von wann bis wann dürfen die Kinder hin? Gibt es keine Ausnahmen? Was ändert sich?

Schwerte

, 05.06.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alle dürfen zurück in die Kitas. Die U3-Kinder wie die Ü3-Kinder. Diejenigen, die noch Windeln tragen, ebenso wie diejenigen, die in wenigen Wochen in die Grundschule kommen. Und die Kinder von Ärzten, Krankenschwestern und Altenpflegern, von Polizisten und Feuerwehrleuten, von Kassierern, Erziehern und Alleinerziehenden haben auch keine Sonderrechte mehr.

Im Gegenteil: Ab 8. Juni sind alle gleich. Jetzt bekommen alle etwas, aber alle auch weniger als vor der Corona-Schließung.

? Es gilt der „eingeschränkte Regelbetrieb“. Was heißt das?

Alle Kinder dürfen zehn Stunden weniger kommen als üblich, also 15 statt 25 Stunden, 25 statt 35, 35 statt 45. Die Einrichtungen dürfen maximal 7 Stunden pro Tag öffnen. So schreibt es das Land NRW vor.

? 7 Stunden pro Tag, das ist doch viel.

Nun ja: Wer sein Kind vor Corona von 7 bis 16 Uhr in die Kita bringen konnte, muss es jetzt um 14 Uhr abholen. Aus bisher 14 Uhr wird 12 Uhr. Aus bisher 12 Uhr würde zumindest rechnerisch 10 Uhr.

? Dann bringen die Eltern die Kinder eben einfach später, von 9 bis 16 Uhr oder so.

Nein, dann käme es ja personell in den meisten Kitas nicht mehr hin. Zumal es dort im Alltag nun Einschränkungen gibt sowie verstärkte Hygienemaßnahmen. Der Anspruch auf Kita-Zeit sei „nach den strikten Vorgaben des Landes NRW durch die Maßgaben des Infektionsschutzes“ eingeschränkt, unterstreicht die Stadt Schwerte in ihrer offiziellen Mitteilung zum Thema. Auf Nachfrage heißt es: Dieser eingeschränkte Regelbetrieb gehe von 7 bis maximal 14 Uhr, nicht länger.

? Ist das nur bei den städtischen Einrichtungen so?

Nein, bei vielen anderen auch, zum Beispiel bei den evangelischen Kitas in Westhofen und Ergste. Sie gehören zum Kirchenkreis Iserlohn, und Gela Mund, die für sie wie für weitere 17 Kitas von Iserlohn bis Menden, Altena und Hohenlimburg zuständig ist, sagt: Man habe sich auf das Zeitfenster 7 bis 14 Uhr geeinigt. Aus personellen Gründen gehe es gar nicht anders. Anders sieht es aus bei den 6 evangelischen Kitas in Schwerte, die von der Diakonie betrieben werden. Die bieten auch nach 8. Juni Zeiten von 7 bis 16 Uhr an, wie Kerstin Hamacher erklärt, die Leiterin des Familienzentrums im Roten Haus. „Es ist personell bei uns machbar. Glücklicherweise, denn viele Eltern sind auf eine Betreuungszeit bis nach 14 Uhr angewiesen.“ Was sie in Gesprächen mit Eltern allerdings gemerkt habe: die Bereitschaft, die Kinder spätestens 15 oder 15.30 Uhr abzuholen. Wenn es aus beruflichen Gründen eben machbar sei.

? Wie lange soll das so weitergehen?

„Nach den derzeitigen Vorstellungen des Landes NRW soll der eingeschränkte Regelbetrieb noch bis zum 31. August 2020 andauern“, so die Stadt Schwerte. Gela Mund, unterstreicht: Man werde beim Land die Corona-Situation sicherlich durchgehend im Auge behalten und alle ein bis zwei Wochen neu abwägen müssen, ob man alles so beibehalten könne, ob man weiter einschränken müsse oder ob man sogar noch mehr erlauben dürfe. Auch Kerstin Hamacher schätzt: „Man kann in Zwei-Wochen-Schritten denken.“

? Was verändert sich denn im Kita-Alltag?

Abgesehen von mehr Hygiene und vermehrtem Händewaschen muss es nun überall beim Gruppenkonzept bleiben. Heißt: die und die Erzieher mit diesen und jenen Kindern permanent in einem Raum, ohne personellen Wechsel. Das sei „wieder wie früher“, urteilt Gela Mund. Denn in den vergangenen Jahren habe es ja den Trend hin zu offenen Konzepten gegeben: Die Kinder dürfen in vielen Einrichtungen selbst entscheiden, wo sie spielen möchten – ob sie lieber in Raum A malen und basteln wollen oder in Raum B klettern, in Raum C verkleiden, in Raum D mit Autos, Bauklötzen oder Werkzeugen spielen. Andere Konzepte wie das Rote Haus sind „teiloffen“, also mit festen Gruppen, aber übergreifenden Angeboten. „Es ist ein herber Rückschlag für die Pädagogen“, findet Mund. Dennoch weiß sie: „Wir müssen uns in Geduld üben.“ In erster Linie gelte es eben, das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

? Aber Hauptsache ist doch, dass viele Kinder zurück in die Kita können, oder?

Ja, so sieht es zumindest Kerstin Hamacher: „Man merkt, die Kinder wollen wieder spielen, selbst wenn es keine Angebote gibt. Sie wollen buddeln, sie wollen toben. Selbst wenn das vielleicht mit dem einen Freund nicht geht, weil er nicht in derselben Gruppe ist.“

? Darf mein Kind mit Husten oder Schnupfen in die Kita?

Das Land NRW erklärt dazu: „Kinder dürfen nicht betreut werden, wenn sie Krankheitssymptome aufweisen, ungeachtet ihrer Art und Ausprägung.“ Heißt in einfacheren Worten: Schnupfen ist Schnupfen. Man weiß ja nicht, ob Corona dahintersteckt oder die übliche Erkältung. Und wer wegen Asthma hustet oder wegen einer Allergie niest, möge sich das vom Arzt bescheinigen lassen.

? Angenommen, eine Kita würde es personell hinbekommen, mehr als die reduzierte Stundenzahl anzubieten. Darf sie dann auch das Vor-Corona-Zeitangebot machen?

Nicht ohne Sondergenehmigung vom Landesjugendamt in Münster. So ist es beispielsweise bei der Kita Schwerter Wald, wie Leiterin Ricarda Isser erklärt. Eine Gruppe gibt es dort, die vor Corona von 7 bis 14 Uhr betreut wurde. 80 Prozent der Zeit sei man draußen. Viele Eltern würden in systemrelevanten Berufen arbeiten und müssten jetzt eigentlich wieder zurückstecken. Obwohl die Kita auch unter Berücksichtigung aller Corona-Maßnahmen 7 bis 14 Uhr anbieten könne. Allerdings: Die Kita und die Stadt Schwerte würden seit fast einer Woche auf die Antwort aus Münster warten.

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