Kitas in Schwerte werden für Eltern teurer

Kosten klettern

Eltern von kleinen Kindern werden in Schwerte ab August deutlich mehr zur Kasse gebeten. Wer zu den Besserverdienenden gehört, darf künftig beispielsweise mehr als 100 Euro mehr für die Betreuung seines Kindes in einer Kindertagesstätte zahlen. Wir erklären die neue Beitragssatzung.

SCHWERTE

, 29.06.2016, 19:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rücksäcke hängen am 22.06.2016 im St. Michaels Kindergarten in Leinfelden-Echterdingen (Baden-Württemberg) an der Wand. Ein Gütesiegel soll künftig über die Qualität eines Kindergartens informieren. Der St. Michaels Kindergarten ist bereits mit KTK-Gütesiegel vom Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder zertifiziert. Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa (zu dpa "Land plant Gütesiegel für Kitas - Schwerpunkt Familienzentren" vom 22.06.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Rücksäcke hängen am 22.06.2016 im St. Michaels Kindergarten in Leinfelden-Echterdingen (Baden-Württemberg) an der Wand. Ein Gütesiegel soll künftig über die Qualität eines Kindergartens informieren. Der St. Michaels Kindergarten ist bereits mit KTK-Gütesiegel vom Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder zertifiziert. Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa (zu dpa "Land plant Gütesiegel für Kitas - Schwerpunkt Familienzentren" vom 22.06.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

„Wir sind fast in Ohnmacht gefallen, als der Brief kam.“ Söhnchen Emil kommt im August in den Kindergarten, und das kostet auf einmal viel mehr als erwartet: 440 statt 283 Euro. Vater Ingo Brosig ist sauer: „Wir haben einen Brief vom 29. April, darin steht kein Wort von einer voraussichtlichen Erhöhung. Als hätte die Stadt da noch nicht gewusst, dass eine neue Beitragssatzung in Arbeit ist.“

Brosigs gehören zu Besserverdienenden

Dass die Brosigs so viel mehr für die Kinderbetreuung bezahlen müssen als geplant, liegt daran, dass sie zu den Besserverdienenden gehören. Die alte Satzung staffelte das Elterneinkommen bis zu einer Höchstgrenze von 73.000 Euro. Dort wurden Emils Eltern eingruppiert, 283 Euro für 35 Betreuungsstunden in der Woche wären danach fällig geworden.

Die neue Gebührensatzung hat 14 statt sieben Einkommensgruppen, sechs davon liegen jenseits der alten 73.000. Über 105.000 Euro Jahreseinkommen wird nicht mehr weiter unterschieden. Ingo Brosig: „Wenn zwei Elternteile berufstätig sind, ist diese Grenze schnell erreicht. Das bedeutet noch lange nicht, dass man reich ist. Ich finde es deshalb nicht okay, dass die Gutverdiener die ganze Querfinanzierung der neuen Beitragssatzung leisten müssen, die für manche Einkommensstufen eine Beitragssenkung vorsieht.“

Stadt hat bevorstehende Erhöhung mit keinem Wort erwähnt

Brosig hält die neue Satzung, die am Mittwoch vom Rat beschlossen wurde, für sozial ungerecht. Vor allem ärgert ihn aber, dass die Stadt in ihrem Bescheid vom 29. April die bevorstehende Erhöhung mit keinem Wort erwähnt hat. „Wir hätten uns einen Hinweis darauf gewünscht, dann wären wir nicht so vor vollendete Tatsachen gestellt worden, hätten vielleicht auch noch einmal überlegt, ob für 440 Euro eine andere Betreuung möglich gewesen wäre.“

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Jetzt bleibe es allerdings dabei: Emil soll ab August in den Regenbogen-Kindergarten in Ergste gehen. Seine Eltern werden ihre Finanzplanung modifizieren. Ingo Brosig: „Immerhin machen die unerwarteten Mehrkosten 1884 Euro im Jahr aus, das ist in etwa ein Netto-Monatseinkommen und deshalb kein Pappenstiel.“

Prekäre Finanzlage ist Schuld an neuer Beitragssatzung

Dass die Stadt die seit 2009 unverändert gültigen Beitragssätze so gründlich überarbeitet hat, liegt an ihrer prekären Finanzlage. Die Gemeindeprüfungsanstalt hatte angeregt, so heißt es in der Vorlage für den gestrigen Ratsbeschluss, „zur Verbesserung der Elternbeitragsquote auf der Grundlage der Einkommensstruktur in der Stadt Schwerte die satzungsgemäße Einkommensobergrenze zu überprüfen und gegebenenfalls zu modifizieren.“

Die jetzt ausgewählte Staffelung habe den Vorteil, „dass bei einem Einkommensstufenwechsel der sich dadurch ergebende Elternbeitrag einer geringeren Steigerung oder Ermäßigung als bisher unterfällt.“ Für Ingo Brosig und seine Frau ist das kein Trost. Sie hätten einfach schon vor zwei Monaten gern gewusst, dass ab August Monat für Monat 440 Euro fällig sind.

Von 0 bis 531 Euro
Bis zu einem Einkommen von 15 000 Euro ist die Kita grundsätzlich kostenlos.
Eltern können wählen zwischen 25, 35 und 45 Wochenstunden.
Für Kinder unter zwei Jahren ist der Beitrag etwas höher als für die über zwei Jahren.
Am teuersten ist ein Kita-Platz für ein Kleinkind unter zwei Jahren, wenn die Eltern mehr als 105 000 Euro im Jahr verdienen: 531 Euro.

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