Warum Heinrich Kritzler sein Trauerhaus jetzt aufstockt

rnTrauerhaus in Schwerte

Vor 15 Jahren baute Heinrich Kritzler eine ehemalige Sparkassenfiliale in Schwerte zum „Haus der Sinne und der würdigen Abschiednahme“ um. Jetzt wird es sogar um eine Etage aufgestockt.

Schwerte

, 10.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Durch die großflächige Fensterfront schweift der Blick ins Grüne, bei klarer Sicht sogar bis weit hinein ins Sauerland. Ein großer Besprechungsraum entsteht im hinteren Bereich des Obergeschosses, das Heinrich Kritzler auf sein „Haus der Sinne und der würdigen Abschiednahme“ an der Sonnenstraße setzen lässt. Doch für diese Nutzung allein wäre der Raum viel zu schade. Er könne deshalb gleichzeitig als Trauercafé für 25 bis 30 Personen dienen, plant der Bestatter. Das gibt ihm die zweite Möglichkeit für Trauergesellschaften, wenn das Café zur Sonnenseite im Erdgeschoss nach einer Abschiedsfeier im Raum der Stille bereits besetzt ist. Denn oft möchten auch Familien, deren Trauerfeier irgendwo außerhalb stattgefunden hat, anschließend lieber zum Kaffeetrinken ins Haus der Sinne statt in eine Kneipe einladen. In einer Atmosphäre, wo man in einem schrecklichen Moment aufgefangen wird und die Seele baumeln lassen kann.

Frühere Sparkassenfiliale wurde 2004 zum Trauerhaus

„Wohlfühlen - das war mir wichtig“, sagt Kritzler. Diese Idee setzte er vor genau 15 Jahren um, als er sein Trauerhaus der besonderen Art an der Sonnenstraße eröffnete. Dazu hatte er das Gebäude der früheren Sparkassen-Filiale komplett umgebaut. Mit neuer Fassade und veränderter Innenarchitektur erinnert nichts mehr an die frühere Nutzung.

Als ersten Anbau fügte Kritzler schon 2008 das Café zur Sonnenseite an, in dem die Angehörigen nach einer Trauerfeier noch ein wenig verweilen können. Drei Jahre später wurde das Gebäude auf der rechten Seite um einen Bürotrakt erweitert. Auch die Aufstockung hatte Kritzler eigentlich schon immer im Kopf gehabt. Anfang dieses Jahres wurde das Projekt beschlossen, bei dem zugleich im Erdgeschoss eine behindertengerechte Toilette entstand. Das künftige Obergeschoss bietet auf 140 Quadratmetern neben dem Besprechungsraum noch weitere Büros und Sanitärbereiche. Errichtet wird es in Holzbauweise von heimischen Firmen. Zuletzt werden sie den Durchbruch nach unten für die breite Treppe brechen. „Ungefähr im Februar wird alles fertig sein“, hofft Kritzler. Der große Kran, der weithin sichtbar von dem Vorhaben kündete, ist bereits wieder abgebaut.

Warum Heinrich Kritzler sein Trauerhaus jetzt aufstockt

Vom künftigen großen Besprechungsraum im neuen Obergeschoss seines Hauses der Sinne und der würdigen Abschiednahme kann Heinrich Kritzler bei gutem Wetter bis weit ins Sauerland blicken. © Reinhard Schmitz

Die Erweiterung ist auch erforderlich geworden, weil die Zahl der Sterbefälle, nach denen Kritzlers Dienste gefragt sind, stark zugenommen habe. Nicht zuletzt auch deswegen, weil er zu Jahresbeginn das traditionsreiche Bestattungshaus Bornemann in Ergste übernommen hat. Um acht bis zehn Beerdigungen kümmert sich der 55-Jährige im Schnitt pro Woche. Aufträge gibt es nicht nur aus Schwerte, sondern auch aus Iserlohn und dem Dortmunder Süden. „Viele Kunden kommen von noch weiter her, weil sie sich hier gut aufgehoben fühlen“, sagt Kritzler. Er beschäftigt mittlerweile ein Dutzend Mitarbeiter für die vielfältigen Aufgaben, die von den Erledigungen im Rathaus, dem Abarbeiten des Papierkriegs bis zur Vorbereitung der Trauerfeier samt Blumenschmück und Kuchenbestellung reichen. Manchmal ist der Bestatter mit seinem schneeweißen Leichenwagen auch weit unterwegs, wenn er beispielsweise Überführungen wie aus Dresden, Berlin oder sogar Venedig vornehmen muss. Man sei Tag und Nacht erreichbar.

Tochter Katharina Kritzler (25) arbeitet schon mit

„Wir sind sehr flexibel“, sagt der gelernte Tischlermeister, der auch schon ausgefallene Särge und Urnen in der Werkstatt gefertigt hat. Die Schreinerei im ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerk hat er in diesem Jahr aber an Bruder und Schwägerin abgegeben. Bei Nina und Jörg Kritzler bleibt sie in besten Händen in der Familie. Im Bestattungshaus steht mit Tochter Katharina schon die nächste Generation in den Startlöchern. Die 25-Jährige packt neben ihrem Studium der Wirtschaftspsychologie tatkräftig mit an.

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