Kritik: Speckberg-Planer bieten "alternative Fakten"

Umstrittenes Bauprojekt

Über den Bebauungsplan für den Speckberg in Westhofen wird am Dienstag, 9. Mai, im Schwerter Ausschuss für Stadtentwicklung entschieden. Die Diskussion um das Projekt ist derweil weiter aufgeheizt: Laut Bürgermeister Heinrich Böckelühr werben die Projekt-Planer mit falschen Informationen.

WESTHOFEN

, 08.05.2017, 13:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine neuartige Wohnsiedlung, die durch ihre eigens erfundenen Wallhäuser vom Autobahnlärm abgeschirmt wird - so lautet der Plan des Düsseldorfer Architekten Dieter Bohne für den Westhofener Speckberg. Als seinen "Finanzexperten" hatte er Martin Beier im Rahmen des Projekts vorgestellt. Dieser bemüht sich seinerseits derzeit auf allen Kanälen, um das Projekt durchzudrücken. 

Bürgermeister Böckelühr: Aussagen sind "völliger Blödsinn"

Dabei sei er allerdings nicht gerade ehrlich, so der Schwerter Bürgermeister Heinrich Böckelühr. „Das kann man nur alternative Fakten nennen“, so Böckelühr bei der Übergabe von insgesamt 357 Unterschriften von Nachbarn und Anwohnern, die gegen das Bauprojekt sind. Auf seinem Tisch hat Böckelühr Ausdrucke von Veröffentlichungen von Beier im Internet und als Leserbeiträge in einem Düsseldorfer Anzeigenblatt.

Bei diesen habe der Bürgermeister bereits in der Überschrift lesen dürfen, dass er selbst im Grunde auch für Speckberg-Wohnungen sei. In einem Artikel schreibt Beier, die Bedenken gegen den Speckberg seien angeblich ausgeräumt. Und im Internet behauptet er, dass Böckelühr zwar öffentlich die Bebauung ablehne, sie aber insgeheim befürworte. Das sei jedoch "völliger Blödsinn“, so Böckelühr.

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Anlass für die Kontroversen ist die Diskussion beim politischen Frühschoppen in Westhofen am 1. Mai. Dort hatte der Bürgermeister erklärt, dass die Probleme, die sich aus einer Bebauung des Geländes in der Nähe der A1 ergeben, zwar einzeln zumeist lösbar seien, wenn auch mit großem finanziellen Aufwand, aber in der Summe eben nicht. Deshalb lehne die Stadtverwaltung einen Bebauungsplan für den Speckberg ab.

Kontroversen um Unterschriftenliste

Noch schwerere Geschütze fährt Beier gegen die Gegner des Projekts auf. In einem seiner Beiträge für den Lokalkompass Düsseldorf erweckt er den Anschein, dass es kaum Widerstand gegen das Projekt gebe. Auf einem Bild ist eine Unterschriftenliste mit nur einer Unterschrift darauf zu sehen. Darunter die Bildzeile: „Nur ein Gegner der geplanten Speckberg-Wohnungen hat sich in diese Liste eingetragen.“

„Meine Einschätzung ergibt sich aus Böckelührs eigener Dialektik“, entgegnete Martin Beier dazu auf Anfrage. Der Bürgermeister habe drei offene Punkte genannt, die noch gelöst werden müssten. Dazu gehörten Bodenbeschaffenheit, Verkehr und Finanzierung. „Wenn die gelöst sind, dann gilt für mich der Umkehrschluss, die Bedenken gegen den Speckberg sind im Grunde ausgeräumt“, so Beier.

Sein Bild von der Unterschriftenliste gebe seine Wahrnehmung der Situation in Westhofen wieder. „Als ich die vor einigen Tagen fotografiert habe, waren andere Listen noch gar nicht aufgetaucht“, so Beier.

Die Mitglieder der Initiative gegen den Speckberg sehen das anders. „Uns sind drei Listen gestohlen worden“, erklärte Uwe Schmidt, der die Unterschriften übergab.

Die Streitpunkte zum Speckberg-Projekt lassen sich zu folgenden Themen-Komplexen zusammenfassen:

Streitpunkt Verkehr

Die neue Siedlung kann nur durch einen Rundweg über die Schloßstraße und den dann ausgebauten Hohlweg erfolgen. Die Stadt und die Nachbarn befürchten, dass die enge Schloßstraße damit überlastet sei. Dieter Bohne argumentiert mit relativ wenigen Autofahrten. Bei 71 Familien rechnet er mit 150 PKW, die jeweils morgens wegfahren und abends kommen. Die Stadt geht davon aus, dass zwischen 700 bis 1000 zusätzliche Kraftfahrzeugfahrten pro Tag hier zu erwarten seien. Die Breiten der Schloßstraße und die des Hohlweges variieren in diesem Bereich zwischen 2,50 und 2,80 Meter. An manchen Stellen seien sie auch nicht ausbaubar.

 

Streitpunkt Ökologie

Der Hohlweg durchzieht einen geschützten Teil der Landschaft. Sein Ausbau würde den Landschaftsschutz erheblich tangieren, so die Stadt. Zum Thema Artenschutz, Ausgleichflächen und Einschätzung des Naturraums gebe der Antrag von Bohne keine Antworten. Bohne erklärte, das Thema Artenschutz sei an den Haaren herbeigezogen. Angesichts des großen Geländes (Ebberg) in dem sich jede Tierart gut ausbreiten könne, handele es sich beim Speckberg um ein kleines Ackergelände. Die begrünten Wälle seiner Wallhäuser, die die neue Siedlung gegen den Lärm schützen sollen, stellten schon eine Verbesserung der jetzigen ökologischen Vielfalt dar.

 

Streitpunkt Bebauungsplan

Einer der grundsätzlichen Streitpunkte liegt in der Art des Antrags. Die Stadt hätte sich einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan gewünscht. Bei dem bezahlt der Antragsteller die notwendigen Gutachten und Pläne und verpflichtet sich zu deren Umsetzung. Das sichert der Stadt ein großes Eingriffsrecht, hält sie aber finanziell komplett außen vor. Der Speckbergantrag zielt aber auf einen normalen Bebauungsplan ab. Der verpflichtet den Investor vorerst zu nichts, schafft aber ebenfalls Baurecht. Normalerweise kommen solche Anträge aus der Verwaltung oder Politik, die vorhabenbezogenen Bebauungspläne werden meist von Investoren beantragt.

 

Streitpunkt Lärmschutz

Mit den Wallhäusern glaubt Bohne, die Lärmproblematik gelöst zu haben. Die würden wie ein Schutzschild die Häuser vor dem Lärm der Autobahn schützen, betont er immer wieder. Der BUND bezweifelt das in einer Stellungnahme. Der Wall helfe nur bedingt. Vor allem weil die zwischen die Häuser gebauten Treppenhäuser aus Glas den Schall von der anderen Seite verstärken würden. Hier entsteht ein Wohnviertel, das so lärmbelastet sei, dass es gesundheitsgefährdend sei, so Frank Weissenberg vom BUND. Bohne sicherte der Stadt zu, „nach Aufstellungsbeschluss“ ein Schallgutachten bei einem mit der Stadt abgestimmten Sachverständigen in Auftrag zu geben.

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