Kurt Ehrke bewahrte Aluminiumhütten mit Hunderten von Arbeitsplätzen vor der Stilllegung

rnSchwerter Unternehmer

Das Leichtmetall und soziales Engagement bestimmten die Karriere des früheren Trimet-Vorstands, der am 28. Februar seinen 75. Geburtstag feiert. Sein Rat ist in der Firma immer noch gefragt.

Villigst

, 28.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Silbrig glänzt der ponygroße Elefant in der Frühlingssonne. Kurt Ehrke setzt sich auf den Terrassenstuhl neben seinem Wappentier. „Sie sehen hier über 50 Jahre Aluminium vor sich“, sagt er. Das Leichtmetall bestimmte das Leben des Diplom-Ingenieurs, der am 28. Februar seinen 75. Geburtstag feiert. Exakt zehn Jahre ist es dann eigentlich schon her, dass er sich vom Vorsitz der Essener Trimet SE in den offiziellen Ruhestand verabschiedet hat. Doch auf seine unschätzbare Erfahrung will der größte europäische Aluminium-Produzent südlich von Norwegen immer noch nicht verzichten. Als ehrenamtlicher Berater ist der Wirtschaftskapitän regelmäßig gefragt, um die acht Standorte mit rund 3000 Mitarbeitern in erfolgreichem Fahrwasser zu halten. Und dabei ist er immer gut gefahren mit den Eigenschaften des Elefanten: dem legendären Gedächtnis, dem dicken Fell und den großen Ohren, die das Gras wachsen hören.

Erfolgskurs statt Abwicklung

Deshalb also haben die Trimet-Mitarbeiter ihrem Chef zum offiziellen Abschied die Tier-Skulptur geschenkt, die Lehrlinge in einjähriger Präzisionsarbeit aus einem tonnenschweren Alu-Block herausgefräst und -gefeilt hatten. Als sichtbarer Dank auch für sein soziales Engagement, mit dem er im Laufe seiner Karriere mehrere Werke mit Hunderten von Arbeitsplätzen vor der Abwicklung bewahren konnte. 1994 hatte Ehrke die Leitung der von der damaligen Trimet AG übernommenen Aluminium Essen GmbH übernommen, die vom Vorbesitzer zur Schließung vorgesehen war. Aber statt abzuwickeln, stellte der Villigster die schon entlassenen Arbeiter wieder ein und brachte die Hütte auf Erfolgskurs. Dasselbe Kunststück gelang ihm, als die Trimet 2001 das von der Insolvenz bedrohte Metallwerk Harzgerode erwarb. 500 Arbeitsplätze blieben erhalten.

Aus dem ersten Ruhestand zurückgeholt

Als sein „emotionales Highlight“ aber schildert Ehrke 2007 die Wiederbelebung des Aluwerks in Hamburg. Eigentlich schon seit knapp drei Jahren im ersten Ruhestand, wurde er als Trimet-Vorstand zurückgerufen, um die schon stillgelegte Fabrik ebenfalls zu einem Erfolgsprojekt zu machen. Aus besonderem Grund eine Herzenssache. Die Hütte in Hamburg hatte Ehrke einst selbst mit aufgebaut. Als Filiale der Reynolds Aluminium-Werke aus Nachrodt, wo der junge Diplom-Ingenieur am 1967 seine erste Stelle angetreten hatte.

Seine Fähigkeiten hätte der bei Kriegsende von Colbitzow (bei Stettin) in das Dorf Leist am Greifswalder Bodden gezogene Ehrke nie ausspielen können, wenn es nach dem Willen der DDR-Oberen gegangen wäre. Weil er lieber zur Konfirmation ging, als das Blauhemd der Jugendorganisation FDJ zu tragen, wurde er nach der mittleren Reife nur als Erdöl-Erdgas-Tiefbohr-Lehrling nach Gommern bei Magdeburg geschickt. Bei den Wochenend-Heimfahrten nach Greifswald wurde die Flucht in den Westen vorbereitet. Jedes Mal nahm Ehrke im Zug einen Koffer voller Sachen mit, die man für den Neustart zu brauchen glaubte, um sie unterwegs heimlich bei einem Bruder in Westberlin zu deponieren. Dort traf sich im März 1961 dann die ganze Familie, wurde ausgeflogen und landete im westdeutschen Aufnahmelager Unna-Massen.

Bundesverdienstkreuz und Ehrenring

Die nahe Ruhrstadt wurde Ehrke zur Heimat. BVB-Fan - na klar. Aber auch Anhänger von Rot-Weiß Essen und Kaiserslautern, weil beide 1954 zum „Wunder von Bern“ Fußball-Weltmeister abstellten. Die Evangelische Kirchengemeinde Schwerte erhielt 2004 bis 2013 einen Fachmann als Finanz-Kirchmeister, die Diakonie Mark-Ruhr einen Verwaltungsrat. Und als Vorsitzender der Bürgerstiftung St. Viktor ist Ehrke immer noch aktiv. Sein soziales Engagement als Unternehmer und ehrenamtlicher Kirchen-Mitarbeiter wurde 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und ein Jahr später mit dem Ehrenring der Stadt Schwerte gewürdigt.

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