Kutten-Verbot: "Probleme werden herbeigeredet"

Bandidos-Sprecher in Schwerte

Innenminister Jäger hatte das Zuschaustellen von Bandido- und Hells-Angels-Symbolen verboten - nun wollen die Bandidos in einem Musterprozess gegen das Verbot vorgehen. „Wir sind keine kriminelle Vereinigung“, betont der Sprecher des Clubs in Schwerte. Warum die Rocker nun juristisch gegen das Verbot vorgehen wollen, haben sie uns erklärt.

SCHWERTE

, 05.08.2014, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Oberverwaltungsgericht urteilte, dass die typischen Westen von Rockerclubs zur Gegenseitigen Provokation beitragen.

Das Oberverwaltungsgericht urteilte, dass die typischen Westen von Rockerclubs zur Gegenseitigen Provokation beitragen.

Dabei berief er sich auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg, dass festgestellt hatte, dass die Verwendung der Kennzeichen der Hells Angels generell verboten seien, auch wenn nur ein Ortsverband dieses Rockerclubs verboten wurde. Doch wie kriminell sind die Männer mit den schweren Motorrädern wirklich? Innenminister Jäger ist sich sicher, hier handelt es sich um organisierte Kriminalität. Vor allem dem martialischen und bedrohlichen Auftreten der Rocker könne man durch ein Verbot ihrer Abzeichen Einhalt gebieten. „Das trügerische Bild von Motorradromantik hat den Blick auf die verbrecherische Realität verklärt“, betonte Jäger.

Wer das Clubheim der Bandidos in Schwerte sucht, muss derzeit schon genau hinsehen. Denn rund um den schmucklosen Flachbau in einem Gewerbegebiet im Ortsteil Westhofen, sind Flaggen, Embleme und Zeichen, der Rocker verschwunden. Dabei ist das Gelände bundesweit bekannt. Schließlich feierte der Rockerclub 2009 hier sein zehnjähriges Bestehen in Deutschland mit Rockerprominenz aus ganz Europa. Doch seit NRW-Innenminister Ralf Jäger Mitte Juli die Abzeichen und Kutten von Bandidos, Hells Angels und anderen Clubs verboten hat, wurden hier wie anderswo bei den über 20 Bandidos-Clubhäusern im Land der rotgoldene Schriftzug „Bandidos“ und das Symbol, die Karikatur eines Mexikaner („Fat Mexican“), abgehängt. „Alles lief problemlos“, betont Polizeisprecherin Vera Howanietz aus Unna. Das Vereinsheim in Schwerte sei ohnehin kein Problembereich.

Bei den Bandidos fühlt man sich zu Unrecht verfolgt. Michael (49) ist Pressesprecher des Clubs für ganz Deutschland. „Gegen sieben von 1000 deutschen Bandidos wurde 2012 im Bereich organisierter Kriminalität ermittelt“, betont er. Da könne man wohl kaum von einer kriminellen Vereinigung sprechen. Zumal man ja sonst den gesamten Club verboten hätte und nicht nur die Abzeichen. „Hier werden Probleme herbei geredet, weil man für sie polizeilich eine Lösung hat“, ergänzt er. Im zivilen Leben importiert und vertreibt Michael Motorräder. Der groß gewachsene, hagere Mann ist gut informiert, weiß sich auszudrücken und widerspricht jedem Klischee. Zum Pressesprecher sei er gewählt worden. Überhaupt gehe es unter Rockern sehr viel demokratischer zu, als man gemeinhin annehme.

Was macht für ihn die Faszination am Rockerleben aus? Die Freundschaft mit Clubmitgliedern weltweit. So wie er habe der Großteil der Mitglieder ganz normale Jobs. Bei den Bandidos ist man überzeugt auf dem Gerichtsweg das Abzeichen-Verbot wieder loszuwerden. Deshalb marschierten am Freitag zwei Mitglieder des Clubs samt Anwälten in ihren verbotenen Kutten ins Polizeipräsidium und erstatteten Selbstanzeige, um in einem Prozess die Gültigkeit des Verbots überprüfen zu lassen. Doch ein Gerichtsverfahren über mehrere Instanzen kann bis zu zwei Jahren dauern, schätzen die Anwälte des Clubs. Bis dahin soll es halt neue Logos geben. „Das Verbot ist zwar ärgerlich, stoppt aber nicht unser Clubleben“, erklärt Sprecher Michael. Hinter den Kulissen werde längst an einem neuen Schriftzug gebastelt. Und außerhalb von NRW dürfe man ja die Kutten wieder anziehen. 

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