Lasst den B 236-Ausbau in Schwerte sein! Wir brauchen noch mehr Staus, nicht weniger!

rnKlare Kante

Schwertes größtes Problem ist der Verkehr? Quatsch, auch der Autor fährt mal mit dem Auto zum Bäcker. Dennoch fordert er: Jammert nicht über Stau, er hilft uns mehr als der Straßenausbau.

Schwerte

, 15.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob morgens oder abends, auf der B 236 steht der Autofahrer mehr, als er fährt. Auf der Autobahn oder der Ruhrbrücke sieht es nicht anders aus. Wer in Schwerte von A nach B will, muss den Stau mit einkalkulieren. Und das ist gut so.

Denn wenn es eine Binsenweisheit gibt, dann die: Beim Stau sind die Geschädigten auch die Ursache, oder anders: Wer kein Auto fährt, steht nicht im Stau.

Natürlich wir haben alle Gründe, den Wagen zu nutzen: Weil es regnet, weil der ÖPNV schlecht ist, der Weg weit oder weil wir es eilig haben...

Eilig? Bei dem Stau? Deshalb finden ja viele: Der Stau muss weg. Damit wir noch mehr Auto fahren können, bauen wir größere Straßen. Mit Verlaub, das hat schon früher nicht funktioniert. Denn die einfache Formel lautet: Mehr Straßen bedeuten mehr Autobewegungen und heben den Stau auf ein neues Niveau.

Und es bedeutet, dass wir unser gemeinsames Steuergeld hauptsächlich für die Verschlechterung des Weltklimas ausgeben. Geld, das wir dann nicht mehr für andere Zwecke haben. Geld, das wir auch in den ÖPNV oder den Ausbau von Fahrradwegen, andere alternative Verkehrskonzepte oder die Reparatur von Umweltschäden stecken könnten.

Sanfter Ruck hilft nicht mehr

Denn sind wir ehrlich, alle Versuche, der ganzen Sache einen sanften Ruck zu geben, haben nicht funktioniert. Die Spritpreise haben längst Grenzen erreicht, die uns in den 80er-Jahren als Horrorvision verkauft wurden. „Wenn Benzin mal drei Mark kostet, dann fahren alle weniger Auto?“ Pustekuchen (um im Jargon dieser Zeit zu bleiben). Wir geben Gas auch ohne Spaß. Und in Schwerte haben es sogar Fachleute untersucht: Da fahren die Menschen besonders gerne auch kleine Strecken. Vom Rewe am Bahnhof zum Bäcker an der Bahnhofstraße und danach noch kurz zum Wochenmarkt: Das bedeutet oftmals drei Autobewegungen.

Was kann man also machen? Am besten nichts. Denn je mehr der Individualverkehr steht, desto unattraktiver werden die kleinen Strecken. Wenn man endlich zu Fuß schneller ist, als mit dem Auto, dann lohnen zumindest die Mini-Strecken nicht mehr. Und das ist gut fürs Klima und die Luft in der Innenstadt und hilft sogar gegen drohende Dieselfahrverbote. Denn weniger Fahrten bedeuten weniger Stickoxyde und damit weniger Notwendigkeit, das Ganze per Verbot zu regeln. Oder glauben Sie, mit dem Ausbau der B 236 wird die Luft dort besser?

Die Abschaffung der Straßenbahn war der Ur-Fehler

Wenn die Schwerter Verkehrspolitik in der Vergangenheit einen Kardinalfehler gemacht hat, dann war es nicht der, die Trasse für eine Umgehungsstraße zuzubauen, sondern der Beschluss, die Straßenbahnlinie nach Hörde einzustellen.

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