Mann fährt mit einem Affen auf dem Autodach durch Schwerte

rnGorilla aus Plastik

Wenn der rote Opel Agila an ihnen vorbeifährt, drehen sich die Schwerter unweigerlich um. Das Auto selbst erregt zwar wenig Aufsehen. Aber auf dem Dach sitzt ein Gorilla.

Schwerte

, 15.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was macht denn der Affe auf dem Autodach? Passanten drehen ihre Köpfe, machen große Augen, wenn der rote Opel Agila durch die Straßen von Schwerte kreuzt.

Über jede Pkw-Schlange hinweg schaut ihnen der kindsgroße Plastik-Gorilla in die Augen, der seinen Platz mitten über der Windschutzscheibe eingenommen hat. Wie es sich für einen Minderjährigen gehört, thront er dort gut festgezurrt mit Sicherheitsgurten an der Dachreling.

Trauerflor erinnert an die Tragödie im Krefelder Zoo

Einen anderen Grund hat das schwarze Bändchen, das über der Fellimitation des Affen im Fahrtwind flattert. „Er trägt einen Trauerflor“, erklärt Besitzer Gerhard Rettig.

Damit will er an die Tragödie im Krefelder Zoo erinnern. Dort waren am Neujahrsmorgen bei einem Großfeuer über 30 Affen bei lebendigem Leibe verbrannt – darunter auch zwei Flachlandgorillas. Ausgelöst wurde das Unglück vermutlich durch das Aufsteigenlassen von verbotenen Himmelslaternen.

Charly, wie Gerhard Rettig seinen Begleiter nennt, trauert um seine Artgenossen. Und will das der ganzen Stadt zu zeigen.

Ganz egal, ob der Opel in der Innenstadt unterwegs ist oder wie öfters auch in der Nähe der B236 geparkt ist. Bald soll er einen noch größeren Begleiter erhalten. „Nächsten Monat kommt sein Vater“, kündigt Gerhard Rettig an. Und der habe die Statur eines erwachsenen Menschen. Derzeit sei die Figur aber noch in Hagen zu Hause.

Besitzer machte einst Furore mit den ersten Doppelstock-Reisebussen

Ohne seinen Gorilla möchte der Besitzer nicht mehr unterwegs sein. Die beiden sind schon seit langem zusammen unterwegs. „Ich liebe die Tiere, seitdem ich die Menschen kenne“, sagt der 72-Jährige, der seine Kindheit in der DDR verbracht hat.

1961, kurz vor dem Bau der innerdeutschen Mauer, sei er mit seinen Eltern in die BRD übergesiedelt. Nach einer Zeit im Übergangslager in Unna-Massen wurde der Familie ein Zimmer in der früheren Gastarbeiter-Baracke an der Wandhofener Straße zugewiesen, deren Fenster seit vielen Jahren verrammelt sind.

Sechs Personen mussten sich einen Raum teilen und schliefen in dreistöckigen Betten, bis sie eine Neubauwohnung an der Bruchstraße bekamen.

Doch Gerhard Rettig ging seinen Weg, gründete sein eigenes Busunternehmen. Bekannt ist es dafür, dass es die ersten Doppelstock-Reisebusse in der Stadt einsetzte, mit denen unzählige Vereine und Jugendgruppen ihre Ausflüge unternahmen.

Auch als Rentner mag der 72-jährige nicht auf die automobile Freiheit verzichten. Er schwärmt von seinem Mobilheim, das er sich aus einem großen Verkaufswagen umgebaut hat. Sogar einen Kamin gebe es darin.

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